Airbus steuert schwierigen Sanierungskurs: 10 000 Stellen weg

- Toulouse/Hamburg ­- Stellenstreichungen, Werksverkäufe, Streikdrohungen -­ Airbus droht bei seinem Sanierungsprogramm "Power 8" ein Flug durch heftige Turbulenzen. Ein halbes Jahrzehnt nach Boeing will sich Airbus wettbewerbsfähig machen und räumt in seiner Konzernstruktur auf. Anders als bei anderen Sanierungsfällen hat Airbus zwar volle Auftragsbücher und ist auf fünf Jahre ausgelastet. Doch der Druck des von der Dollarschwäche gedopten Konkurrenten Boeing ist riesengroß.<br> Filmbericht

Die Vollauslastung der Produktion und der politische Druck erlauben es dem Konzern aber nicht, sich über Interessen der Mitarbeiter einfach hinwegzusetzen.

Das Ergebnis ist eine Kompromisslösung: Nach harten Verhandlungen sicherten sich Deutschland und Frankreich vergleichbare Anteile an den Zukunftsinvestitionen in die Kohlefaser-Verbundtechnik (CFK). "Diese Investitionen schaffen die Grundlage für die Arbeitsplätze in zehn, 15 Jahren", sagte ein Insider. "Das ist viel wichtiger als der kurzfristige Blick auf die Jobs heute." Denn 10 000 Stellen sollen mittelfristig wegfallen.

Als größte Herausforderung nennt Airbus-Chef Louis Gallois das Währungsrisiko. "Wir können es uns auf Dauer nicht leisten, zu unseren derzeitigen Euro-Kosten zu produzieren und zu Boeings Dollar-Preisen zu verkaufen." Doch die Vorteile für Boeing liegen nicht nur im Dollarkurs. "Wir machen jetzt das, was wir schon 2000 hätten tun sollen", sagte Gallois mit Blick auf die stärkere Integration des Unternehmens. Boeing hat in der Vergangenheit seine Belegschaft mehr als halbiert, die Zahl der Werke drastisch gesenkt und kauft jetzt in großen Stil im Ausland zu, auch kräftig im Euro-Land Italien.

Zudem profitiert der US-Rivale von seinen neuen Langstreckenflugzeugen 777 und 787, die den alternden Airbussen A330 und A340 das Leben schwer machen. Airbus muss deshalb zehn Milliarden Euro in den A350 investieren und braucht Geld.

1,8 Milliarden Euro Entwicklungskosten sollen Partner übernehmen. Bei den Kapitalinvestitionen sollen Partner mit 600 Millionen dabei sein. Dazu will Airbus einen Teil seiner Werke an potente Partner abgeben, die dann ihr Geld und ihre Kenntnisse einbringen. "Das ist auch eine Chance für Werke wie Laupheim und Varel", sagte ein Pariser Analyst. "Sie können dann auch an andere Firmen liefern und nicht nur an an Airbus. Doch langfristig dürften Jobs verloren gehen, wenn die Partner Arbeiten an billigere Lieferanten im Ausland weitervergeben.

Am Anfang der Krise standen Managementfehler: Der Konzern wurde nicht integriert, der A380 schlecht geplant und Boeing völlig unterschätzt. "Wir sind auf dem Boden der Tatsachen zurück", sagt Gallois. Noch 2004 hatte Gallois&lsquo; Vorgänger Noël Forgeard hochmütig erklärt. "Die 787 ist eine Kopie der erfolgreichen A330." Doch die Fluggesellschaften sahen das anders: Boeing hat bereits fast 500 Stück verkauft. Airbus reagierte zu spät mit dem A350 und musste das halbherzige Konzept zudem nach harter Kundenkritik zum A350 XWB überarbeiten. Jetzt fliegt Boeings 787 fünf Jahre voraus. Mit der Umstrukturierung will Airbus wieder in die Pole Position. Doch dafür muss der Konzern erst noch die verunsicherten Arbeitnehmer gewinnen.

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