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Airbus verschärft Sparprogramm

Der Airbus-Konzern EADS legt ein neues Sparprogramm über eine Milliarde Euro auf und baut ein Werk für Flugzeugteile in Tunesien. Alleine 650 Millionen Euro soll der Flugzeugbauer Airbus bis 2012 einsparen.

Davon entfallen 300 Millionen Euro auf vermehrte Einkäufe und Fertigungen im billigeren Ausland. Das teilte Airbus am Dienstag in Toulouse dem Konzernbetriebsrat mit. Anders als bei "Power8", dem 10 000 Verwaltungsstellen zum Opfer fallen, sieht das neue "Power8+"-Sparprogramm keinen Abbau von Arbeitsplätzen vor. Airbus stelle sogar Mitarbeiter ein, um mehr Flugzeuge zu bauen.

Bei den Airbus-Beschäftigten stießen die neuerlichen Sparpläne auf Kritik. "Ich habe schwere Bedenken, weitere Arbeiten auszulagern. Das Beispiel Boeing zeigt, dass es auch massive Probleme bringt, wenn zu viel Arbeiten an Dritte vergeben wird", sagte Horst Niehus, Airbus-Betriebsratsvorsitzender in Hamburg, der "Financial Times Deutschland" (Mittwoch). Der Betriebsrat sehe zwar auch die Notwendigkeit der weiteren Internationalisierung, doch müsse dies eine Strategie mit Augenmaß sein. Als erfreuliches Zeichen wertete Niehus, dass im neuen Sparprogramm 'Power 8 plus' keine weiteren Kürzungen bei der Stammbelegschaft geplant sind.

In Tunesien werde Airbus ein Werk für klassische Teile gründen, sagte EADS-Konzernchef Louis Gallois der französischen Tageszeitung "Le Monde" (Mittwoch). Die Börse reagierte am Dienstag auf das Sparprogramm euphorisch. Die EADS-Aktie stieg zeitweilig um mehr als vier Prozent auf 15,81 Euro.

Rund 350 Millionen Euro will Airbus allein mit der Erweiterung des Programms "Power8" einsparen, mit dem bereits bis 2010 die Kosten um 2,1 Milliarden Euro gedrückt werden. Die anderen EADS-Töchter wie Eurocopter und die Zentrale sollen 350 Millionen Euro beitragen. Die Fertigung werde zwischen 2007 und 2011 um 50 Prozent hochgefahren, sagte EADS-Chef Louis Gallois der Zeitung.

Die Airbus-Produktion ist für fünf bis sechs Jahre ausverkauft und die Werke arbeiten alle an der Kapazitätsgrenze. Allerdings sieht EADS wegen des niedrigen Dollarkurses die Rentabilität langfristig gefährdet. "Mit dem Ausbau der Internationalisierung sichern wir Wachstum", sagte Airbus-Chef Tom Enders. Airbus nutze die günstigeren Kostenstrukturen im Ausland und sichere gleichzeitig "Beschäftigung und Kernkompetenzen" in Europa. "Der Maghreb interessiert uns wegen der Kosten für die klassischen Produktionen", sagte Gallois. Die Präsenz in Russland werde vom Georgien-Konflikt nicht beeinflusst.

Airbus zieht in China ein Montagewerk hoch, baut die Entwicklung in Indien aus und will mehr Teile aus Mexiko beziehen. Wenn EADS den Großauftrag der US-Luftwaffe für Tankflugzeuge doch im Wettkampf gegen den US-Hersteller Boeing bekommt, wird in den USA ein Flugzeugwerk errichtet.

Zum laufenden Sanierungsprogramm gehört auch die Ausgliederung von Werken zum späteren Verkauf. In Deutschland wurden die Werke Augsburg, Nordenham und Varel in der neuen Premium Aerotec gebündelt. Airbus investiert in Augsburg und im niedersächsischen Nordenham 360 Millionen Euro in die Fertigung des Langstreckenfliegers A350. Entsprechend will Airbus in Frankreich die Werke Maulte und Saint-Nazaire Ville ausgliedern und dort in die Verbundstofftechnik für die A350 investieren.

Der Flugzeugbauer wird dabei weiter von Fertigungsproblemen geplagt. So verzögert sich der Start des in Spanien montierten Militärtransporters A400M erneut. Er hoffe auf einen Erstflug "vor dem Jahresende", sagte Gallois. Bisher war von Herbst die Rede gewesen. Der Ersteinsatz bei den europäischen Streitkräften könnte insgesamt ein Jahr später kommen als ursprünglich geplant.

Die Fluggesellschaft Emirates stellte ihre Flüge mit dem Riesen-Airbus A380 wegen Problemen mit der Elektrik für einige Tage sogar ein. Als Ersatz würden auf der Route Dubai-New York Boeing-777 eingesetzt, sagte ein Firmensprecher in Dubai. Emirates sollte eigentlich schon eine zweite A380 im Dienst haben; die Auslieferung vom Werk Hamburg verzögerte sich jedoch um mehrere Wochen. Emirates ist mit 58 Bestellungen der wichtigste A380-Kunde. Die Produktion des Flugzeugs mit 525 Sitzen liegt rund zwei Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan. Das deutsche Airbus-Werk in Hamburg hatte am 28. Juli mit erheblicher Verzögerung die erste A380 am hiesigen Standort ausgeliefert. Die Arbeitsteilung beim europäischen Airbus- Konzern sieht vor, dass Kunden aus Europa und dem Nahen Osten die A380 in Hamburg abholen, die übrigen erhalten ihre A380 in Toulouse.

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