Airbus-Werksverkäufe schwierig

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Hamburg/Toulouse (dpa) - Die Verhandlungen über den Verkauf der Airbus-Werke in Varel, Nordenham und Augsburg mit rund 6800 Beschäftigten gestalten sich durch die aktuelle Finanzmarktkrise äußerst schwierig.

Nach dpa-Informationen ist keinesfalls mehr sicher, dass der US-Finanzinvestor Cerberus gemeinsam mit der Bremer OHB die Übernahme stemmen will. OHB verhandelt als bevorzugter Bieter mit EADS über die drei Airbus-Werke. Das Unternehmen sprach zuletzt von konstruktiven, aber komplizierten Verhandlungen. Durch die Kreditkrise in den USA haben derzeit auch Hedge-Fonds Probleme, größere Transaktionen zu finanzieren. In Branchenkreisen wird nicht mehr ausgeschlossen, dass der Deal mit OHB/Cerberus platzen könnte.

Die Online-Ausgabe der "Financial Times Deutschland" (FTD) berichtete am Donnerstag unter Berufung auf Branchenkreise sogar, die Verhandlungen mit OHB seien bereits eingestellt worden. Airbus dementierte dies am Freitag. Die Verhandlungen über die Werke Varel, Nordenham und Laupheim sowie das EADS-Werk Augsburg liefen weiter, teilte die Airbus SAS in Toulouse mit. Das gelte auch für die Werke Filton in Großbritannien und St. Nazaire-Ville und Méaulte in Frankreich. Das Management gebe aber der zeitplanmäßigen Entwicklung des Langstreckenflugzeugs A350XWB Vorrang, fügte Airbus hinzu.

In dem "FTD"-Bericht hatte es geheißen, Airbus-Chef Thomas Enders sehe den Zeitplan für den A350XWB in Gefahr, wenn nicht kurzfristig über die Verkäufe der Airbus-Werke entschieden werde. Intern habe er angekündigt, dass in zwei bis drei Wochen Klarheit über die nächsten Schritte bestehen müsse.

Airbus soll auch nach einem Verkauf an den Werken, die wichtige Bauteile für den neuen Airbus A350 zuliefern sollen, beteiligt bleiben. Die Bundesregierung setzt sich für eine deutsche Lösung ein, um die Zukunftstechnologie Kohlefaser im Land zu halten. Dafür sollen für den A350 Forschungsmittel in Millionenhöhe gezahlt werden.

Unterdessen wurde bekannt, dass beim Airbus-Mutterkonzern EADS die Einführung einer "Goldenen Aktie" zur Wahrung der strategischen Interessen von Deutschland und Frankreich nicht mehr verfolgt wird. Wie die Deutsche Presse-Agentur dpa aus Industriekreisen erfuhr, wird stattdessen geprüft, auf der EADS-Hauptversammlung Ende Mai eine Beschränkung der Stimmrechte auf 15 Prozent in der Satzung des Unternehmens zu verankern. Dies würde eine Verschiebung der deutsch- französischen Machtbalance oder eine Übernahme durch einen ausländischen Staatsfonds erschweren. "Goldene Aktien" geben dem Eigner auch ohne bedeutende Kapitalbeteiligung ein Vetorecht bei strategischen Entscheidungen.

Die EU-Kommission hatte massive Bedenken gegen die zunächst von deutscher Seite befürwortete "Goldene Aktie" mit direkten Sonderrechten für Berlin und Paris angemeldet. Beide Länder wollen aus Gründen der nationalen Sicherheit ihren Einfluss beim EADS- Konzern schützen, der auch Raketen und Kampfjets herstellt. Bis Mitte April soll der Vorschlag zur Änderung der Satzung ausgearbeitet und dann mit der Einladung zur Hauptversammlung (26. Mai) an die Aktionäre verschickt werden. Eine Lösung werde europarechtlich sauber sein, hieß es.

Der französische Staat hält direkt 15 Prozent an EADS, hat den Einfluss auf das operative Geschäft aber an den Privataktionär Lagardère abgetreten. Berlin ist nicht im Kapital vertreten und nimmt informell über den Großaktionär Daimler Einfluss.

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