Airbus will endlich wieder feiern

Paris - Mit einjähriger Verspätung wird am Montag der erste Superjumbo A380 mit großem Pomp an die geduldige Singapore Airlines ausgeliefert. 500 Gäste sind nach Toulouse geladen, Thomas Enders ist der Zeremonienmeister. Das ist der Plan. Doch ausgerechnet kurz vor dem großen Tag ist der neue Airbus-Chef in Bedrängnis geraten. Er soll unter dem Verdacht des Insiderhandels stehen.

Es war der regierungsnahe "Le Figaro", der einen brisanten Zwischenbericht der französischen Börsenaufsicht AMF mit den Vorwürfen gegen Enders und 20 weitere Manager von Airbus und dem Mutterkonzern EADS veröffentlichte. Die Bombe platzte am Tag der deutschen Einheit (wir berichteten). Enders wittert Rufmord und sagt, er habe sich nichts vorzuwerfen. Mutmaßungen über ein verstecktes Motiv der Veröffentlichung schießen ins Kraut. Hatte jemand in Paris die Absicht, den ungeliebten Deutschen zu schwächen?

"Es gibt ein Bauchgefühl, dass das Ganze nicht ganz zufällig war", verlautet aus (deutschen) Airbus-Kreisen. "Kühne Spekulationen", sagt Branchenexperte Henrik Uterwedde vom Deutsch-französischen Institut. "Aber selbst, wenn nichts Wahres daran ist, wird deutlich, wie tief das deutsch-französische Misstrauen sitzt."

Dabei hatten der französische Präsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel erst vor knapp drei Monaten einen Burgfrieden ausgehandelt. Mit der Abschaffung der deutsch-französischen EADS-Doppelspitze sollte auch das Machtgerangel um den Einfluss bei Airbus zumindest eingedämmt werden. Der Franzose Louis Gallois sitzt seitdem alleine im EADS-Chefsessel, Enders übernahm von ihm das Airbus-Steuer.

Für die Auslieferungszeremonie am Montag hat der Deutsche weder Sarkozy noch Merkel nach Toulouse geladen. So will er den Anschein erwecken, Airbus sei auf dem Weg zu einem normalen Unternehmen frei von politischer Einflussnahme. Wie weit der Flugzeugbauer davon entfernt ist, zeigt sich derzeit bei den Verhandlungen über den Verkauf von sieben Werken, davon vier in Deutschland. Insider berichten von erheblichem Druck.

"Das ist die Krux von Airbus", sagt Uterwedde. "Auch nach Abschaffung der Doppelspitze gibt es die deutsch-französische Parität. Und deshalb bleibt jede Standortentscheidung politisch, wird jeder wegfallende Job gegengerechnet."

Airbus wird seine Vergangenheit als politisches Konstrukt so schnell nicht los. Und Enders selbst wird von einer Vergangenheit eingeholt, die er längst für abgeschrieben hielt: Er verkaufte im November 2005 Aktien mit einem Gewinn von mehr als 700 000 Euro. Laut den vorläufigen AMF-Ermittlungen soll er dabei von Schwierigkeiten beim A380 gewusst haben, die der Öffentlichkeit verschwiegen worden seien. Der damalige EADS-Co-Chef sagt dagegen, der Konzern habe schon im Juni 2005 Lieferengpässe bei dem Prestigeprojekt publik gemacht.

Ein zweiter Grund, warum der Airbus-Chef in Paris nicht wohlgelitten ist: Er machte keinen Hehl aus seinem Wunsch, der französische Staat möge sich eher heute als morgen von seiner direkten Kapitalbeteiligung von 15 Prozent trennen. Damit ist er bei Industriepatriot Sarkozy an der falschen Adresse. Dem ist schon der derzeitige Aktionärspakt ein Dorn im Auge, der zumindest auf dem Papier festlegt, dass die industriellen Haupteigner Daimler und Lagardère alleine das Sagen haben.

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