Airbus will Zulieferer am Risiko beteiligen

- München - Airbus will die Zahl seiner industriellen Zulieferer deutlich reduzieren und diese verstärkt an Entwicklungs- sowie Forschungsvorhaben beteiligen. "Wir streben eine Risikopartnerschaft mit ausgewählten mittelständischen Systemherstellern zum Vorteil beider Seiten an", sagte der weltweit zuständige Produktionsleiter von Airbus, Gustav Humbert, der "Welt". In Zahlen heiße dies, dass von ursprünglich 628 direkten Zulieferern noch 400 übrig bleiben sollen. Betroffen sein könnten eine Reihe von Zulieferern in Südbayern, die bereits in der Vergangenheit über einen schwereren Zugang zu Airbus-Aufträgen geklagt hatten, vor allem weil der europäische Flugzeugbauer auch Unternehmen in möglichen Lieferregionen, etwa in den USA, bei Aufträgen zum Zug kommen lassen will.

Bei deren Auswahl will sich Airbus auf technologisch hoch entwickelte und finanziell starke Unternehmen konzentrieren. Dazu gehöre etwa die ESW Extel Systems Wedel Gesellschaft für Ausrüstung mbH, ein Unternehmen der Jenoptik-Gruppe. An den Leistungen solcher Alpha-Anbieter müssten sich auch die Produkte der eigenen Airbus-Töchter messen lassen. Sollten Drittanbieter qualitativ höherwertige Angebote haben, müssten die zu Airbus gehörenden Gesellschaften mit dem Verlust von Aufträgen rechnen, falls sie ihre Produkte nicht innerhalb einer Übergangsfrist optimierten, betonte Humbert. Zur frühzeitigen finanziellen Einbindung der Mittelständler sieht der Airbusmanager wegen der milliardenschweren Investitionsvorhaben wie etwa für den in Toulouse und Hamburg endmontierten Großraumairbus A380 keine Alternativen. Belohnt würden die industriellen Partner für ihre Vorleistungen durch den Erfolg solcher Flugzeugprogramme, durch den auch ihre Auslastung sowie Ertragslage gesichert werde. Zugleich empfahl Humbert der Zulieferindustrie, für einzelne industrielle Projekte unternehmensübergreifende Arbeitsgemeinschaften zu bilden, zum Beispiel zwischen Ingenieursfirmen und Kabinenausrüstern.

Einige Zulieferer haben den Ball bereits aufgegriffen. "Wir feilen momentan an einer Bündelung unsere Kräfte und prüfen diverse Modelle, um gegenüber den Flugzeugherstellern künftig mit einer kundengerechteren Struktur aufzutreten", sagte dazu der Vorsitzende der Hanse-Aerospace, Klaus Ardey.

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