Airbus-Tanker auch für die USA?

- London - Das Signal aus London hing seit Wochen in der Luft: Der Auftrag für Airbus über die Erneuerung der britischen Lufttankerflotte füllt die Bücher des europäischen Flugzeugherstellers mit 18,8 Milliarden Euro. Wichtiger aber: Nach dem Eintritt in diesen - bisher von Boeing beherrschten - Markt warten nun ganz dicke Fische.

Denn auch die USA sind dabei, ihre strategische Tankerflotte zu erneuern. Dabei geht es um einen weit größeren Brocken. Denn die alten - auf der als Zivilflugzeug längst ausgemusterten Boeing 707 basierenden - Lufttanker müssen Zug um Zug ersetzt werden. Das sind mehrere hundert Flugzeuge.

Bei einem ersten Auftrag kam Boeing mit 100 Tankern auf Basis des Modells 767 zum Zug. Die notwendige Betankungstechnologie über eine spezielle Sonde - auch Rüssel genannt - hätten die Europäer noch nicht, hieß es aus dem US-Verteidigungsministerium. Doch gleichzeitig wurde Airbus ermuntert, bei weiteren Tranchen mitzubieten.

Inzwischen hat die EADS umgerechnet 75 Millionen Euro in die entsprechende Technologie für den Airbus 330 investiert. Dazu kommt ein Skandal um den Konkurrenten. Nach Unregelmäßigkeiten bei der letzten Vergabe an Boeing, die auch Konzernchef Phil Condit den Posten kostete, wurde der entsprechende Auftrag vorerst auf Eis gelegt. Das steigert die Chancen für Airbus auf eine spätere Tranche.

Insgesamt scheint sich das Klima für europäische Unternehmen für US-Rüstungsaufträge aufzuhellen. Die einst zersplitterte US-Rüstungsindustrie ist mit Boeing, Lockheed-Martin, Northrop Grumman und Raytheon in vier Konzernen aufgegangen, die einander kaum Konkurrenz machen - und letztlich Preise diktieren können.

Um diese zugunsten der ohnehin angespannten US-Staatsfinanzen zu drücken, kommt daher europäische Konkurrenz wie gerufen. Je mehr die Irak-Verstimmungen der Vergangenheit angehören, desto mehr, so schätzen Beobachter, werde die Neigung der US-Administration zunehmen, gegenüber den dominierenden heimischen Partnern Unabhängigkeit zu demonstrieren - und vereinzelt grenzüberschreitende Aufträge zu vergeben.

Doch auch Sicherheitsgründe sprechen für die Konkurrenz. Die Financial Times beruft sich bei dieser Einschätzung auf Äußerungen von Marvin Sambur, dem wichtigsten Beschaffungsmanager der US-Luftwaffe. Dieser hält es für riskant, bei der Tankerflotte auf nur einen Flugzeugtyp zu setzen.

Der nun an Airbus gegangene Auftrag der britischen Streitkräfte kann ebenfalls als Niederlage eines erfolgsverwöhnten heimischen Anbieters gewertet werden. Denn dem Airbus-Angebot stand eines von Boeing gemeinsam mit der britischen BAE Systems gegenüber.

Die britische Gesellschaft erlitt damit schon die zweite Niederlage in Folge. Bereits beim Satellitensystem Skynet schnappte die europäische EADS einem von den Briten geführten Konsortium (unter anderem mit dem US-Giganten Lockheed-Martin) einen wichtigen britischen Rüstungsauftrag weg.

Deutschland macht es billiger und kauft keine neuen Flugzeuge. Dafür rüstet man alte um. Derzeit werden in Dresden vier Airbus 310 so umgebaut, dass sie als Tankflugzeuge, als Frachter oder als Personentransporter eingesetzt werden können. Das kostet mit 27 Millionen Euro nur den Bruchteil eines neuen Tankflugzeugs. Der A310 ist auch vergleichsweise billig zu haben. Der zweitälteste Airbus-Baureihe wird in den nächsten Jahren von mehreren Fluggesellschaften ausgemustert.

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