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Hohe Kosten wenig Passagiere: Der chronisch defizitäre Flughafen Zweibrücken ist insolvent. Doch nun haben sich Investoren gemeldet, die eine Rettung versuchen könnten.

Flughafen Memmingen und Zweibrücken

Darum machen die kleinen Flughäfen Verluste

Zweibrücken - Hoffnung für den insolventen Flughafen Zweibrücken. Investoren haben Interesse angemeldet. Am grundlegenden Problem der vielen unwirtschaftlichen Regionalflughäfen  ändert sich nichts.

Die Start- und Landebahn mit fast drei Kilometern Länge lässt keine Wünsche offen. Dagegen ist die Architektur der Gebäude eher schlicht. Da stand wohl Aldi Pate. Aber nicht beim Umgang mit Geld. Der Flughafen Zweibrücken (Rheinland-Pfalz) ist einer von vielen früheren Militärflugplätzen, die beim Übergang ins Zivilleben gestolpert sind. Er fuhr jahrelang Verluste ein und ist nun insolvent. Doch jetzt gibt es neue Hoffnung. „Es sind Interessensbekundungen eingegangen“, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Jan Markus Plathner gestern. Angaben zur Zahl oder zur Identität der Interessenten machte er nicht. Am Montag war die Frist zur Abgabe der Erklärungen zu Ende gegangen.

Die Aussichten bleiben ungewiss. Und am Elend vieler kleiner Flughäfen in Deutschland ändert sich nichts. Zweibrücken musste Insolvenz anmelden, weil durch ein EU-Verfahren die Rückzahlung der staatlichen Beihilfen droht, die der Airport nie erwirtschaften kann.

Keine Aussicht auf Gewinn. Dieses Schicksal teilt Zweibrücken mit den meisten deutschen Regionalflughäfen, die Jahr für Jahr Verluste einfahren. Eigentlich braucht sie keiner. Doch der Ehrgeiz von Ländern und Kommunen führt dazu, dass sie weiter betrieben werden. Das ist im Fall von Zweibrücken besonders deutlich: Gerade 40 Kilometer entfernt liegt die saarländische Hauptstadt Saarbrücken, ebenfalls mit Flughafen, ebenfalls defizitär.

Flughafen Memmingen mit 1,1 Millionen Euro Verlust

Im direkten Vergleich steht der Flughafen Zweibrücken sogar noch besser da, als der im kleinsten deutschen Flächenstaat. Er hat 2013 bei einem Passagieraufkommen von 242 880 ein Minus von 2,8 Millionen Euro eingefahren. Das sind 11,52 Euro pro Reisenden. Saarbrücken hatte zwar mit 405 265 deutlich mehr Fluggäste – aber auch mehr als das Dreifache an Verlusten: 8,75 Millionen Euro. Macht pro Kopf immerhin 21,60 Euro. Ein Flughafen in der Region würde reichen, sagen einige Experten. Andere meinen, gar keiner wäre auch noch genug.

Ähnlich steht es um Rostock-Laage in Mecklenburg-Vorpommern, wo jeder der 120 000 Passagiere einen Verlust von 21,33 Euro einbrachte. Ungeschlagen beim Geldverbrennen pro Kopf ist der nordhessische Flughafen Kassel-Calden. Jeder der rund 50 000 Passagiere im Jahr steht für 115 Euro Miese.

Gemessen daran haben die kleineren bayerischen Flughäfen fantastische Finanzdaten: Nürnberg schreibt zwar auch 2,5 Millionen Verlust. Weil sich der aber auf mehr als 3,3 Millionen Passagiere verteilt, kostet jeder einzelne Passagier unter dem Strich vergleichsweise bescheidene 76 Cent. Im mit 838.901 Passagieren deutlich schwächer frequentierten Flughafen Memmingen (Allgäu) fällt ein Verlust von 1,1 Millionen Euro an. Ergibt für jeden Fluggast ein Minus von 1,31 Euro.

Zwei weitere bayerische Airports sind gar keine mehr. Augsburg und Hof-Plauen nennen sich zwar in ihren Internet-Auftritten noch Flughafen. Sie wurden aber inzwischen zu Verkehrslandeplätzen herabgestuft, spielen also in einer Liga mit den Plätzen von Eggenfelden, Vilshofen oder Straubing.

Ein Linienverkehr in Augsburg findet laut Betreibergesellschaft „derzeit nicht statt“. In Hof-Plauen hatte zuletzt Cirrus Airlines zweimal täglich eine Verbindung nach Frankfurt aufrechterhalten. Mit der Pleite der Fluggesellschaft wurden auch diese Flüge 2012 eingestellt.

Couragierte bayerische Beamte waren es, die 2006 den Freistaat in Hof-Plauen vor einem Abenteuer mit ungewissen Ausgang und einer Investitionsruine erster Güte bewahrten. Denn die Staatsregierung sowie mehrere Städte und Landkreise waren drauf und dran, den Flughafen, der heute mit dem Linienflugzeug nicht zu erreichen ist, für insgesamt 54 Millionen Euro auszubauen.

Doch die Behörde kam in ihrer Abwägung zu einem klaren Nein und lehnte die Pläne ab. Der Flughafen Hof-Plauen GmbH & Co KG sei es in den vergangenen sechs Monaten, so beschied die Behörde, „nicht gelungen, brauchbare Finanzierungsnachweise vorzulegen und einen ausreichenden Bedarf für den Ausbau darzulegen“.

Martin Prem

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