Aksenenko baut seinen Einfluss aus

ESCADA-Hauptversammlung: - Der umstrittene Großaktionär Rustam Aksenenko hat seine Macht beim Luxuskonzern Escada ausgebaut. Der Russe bleibt Mitglied des Aufsichtsrats und hat zudem einen weiteren Gefolgsmann in dem Gremium installiert. Vorstandschef Frank Rheinboldt gibt sich gelassen - obwohl Aksenenko zuvor öffentlich an seinem Stuhl gesägt hat.

München - Der mächtigste Mann bei Escada blieb während der Hauptversammlung des Modekonzerns am Montag im Münchner Nobelhotel "Bayerischer Hof" lange Zeit stumm. Erst gegen Mittag meldete sich der jungenhafte 32-Jährige mit der Hornbrille kurz zu Wort, als sich die sechs Kandidaten für die Aufsichtsratswahl vorstellten. "Ich glaube an die Zukunft des Unternehmens", sagte Rustam Aksenenko, dem ein Viertel des Modekonzerns gehört. Einige Sätze später fügte der Sohn des ehemaligen russischen Transportministers an: "Aber es muss noch viel passieren."

Dass er dieser Meinung ist, hatte Aksenenko schon vor Wochen deutlich gemacht. Damals hatte er öffentlich massive Zweifel am Kurs von Vorstandschef Frank Rheinboldt gestreut, der seit eineinhalb Jahren im Amt ist. Modernisierung und Umbau des in die Jahre gekommenen Modehauses kämen nicht schnell genug voran, ließ der größte Escada-Aktionär verbreiten und säte damit Zwietracht. Das Management reagierte verschnupft und der Aufsichtsrat spaltete sich in ein Lager pro und eines contra Aksenenko. Weil sich die Mitglieder des Kontrollgremiums mit dem Vorstand aus diesem Grund nicht rechtzeitig über die neu zu wählenden Kandidaten einig wurden, musste die Hauptversammlung schließlich von April auf den gestrigen Tag verschoben werden.

Aksenenko kommentierte den öffentlichen Disput in seiner Ansprache nicht, Rheinboldt hingegen schon. Vorstand, Aufsichtsrat und Aktionäre hätten wieder zu einem professionellen und konstruktiven Dialog zurückgefunden, sagte der Vorstandschef. Zugleich bekräftigte er die Fortschritte im Transformationsprozess des Unternehmens, warb aber auch um Geduld: " Veränderungen benötigen ihre Zeit." Escada feilt derzeit unter anderem an einem jüngeren Image und schlankeren Strukturen. Zudem erhalten die exklusiven Escada-Geschäfte rund um den Globus einen neuen Anstrich.

Trotz der offenbar wieder geglätteten Wogen sparten die Aktionäre nicht mit Kritik an dem offen ausgetragenen Streit zwischen Aksenenko und der Konzernspitze. "Das ist eine Panne, die nachhaltig Schaden angerichtet hat", sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Es sei dem Unternehmen zu wünschen, dass jetzt nachhaltig Ruhe einkehrt. Ein Kleinaktionär sagte: "Wenn Aksenenko Kritik übt, ist das sein gutes Recht. Aber muss das öffentlich sein?"

Trotz vieler solcher Wortmeldungen bestätigten die rund 500 anwesenden Aktionäre den Russen mit großer Mehrheit im Aufsichtsrat. Er besitzt damit ein Mandat bis ins Jahr 2012. Das Gleiche gilt für den Neuzugang Jean-Christophe Hocke und den wiedergewählten Jean-Marc Loubier. Beide gelten als Vertraute Aksenenkos.

Den Vorstand entlastet die Hauptversammlung ebenfalls mit großer Mehrheit - obwohl das Unternehmen erneut keine Dividende ausschüttet. Allerdings fiel die große Anzahl an Stimmenthaltungen auf. Beobachter schließen nicht aus, dass Aksenenko dem Management seine Zustimmung verweigerte. Das wäre ein Zeichen dafür, dass die Chemie zwischen ihm und dem Vorstand noch immer nicht stimmt.

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