Frau mit Schulden und Rechnungen
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Eine junge Mutter wollte 25.000 Euro in Aktien investieren - ihre Bank führte den Auftrag aus, nun sitzt sie auf 360.000 Euro Schulden (Symbolbild)

An der Börse verzockt

360.000 Euro Verlust nach Aktien-Panne: Junge Mutter vor Ruin: „Dachte, ich habe mich verguckt“

  • Josef Forster
    vonJosef Forster
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Eine Bank hat für eine junge Mutter Aktien für 600.000 Euro gekauft – obwohl auf dem Konto nur 25.000 Euro lagen. Jetzt steht die Frau mit 360.000 Euro Schulden da. Die Bank will von einem Fehler nichts wissen.

Leverkusen/München - Der Aktienhandel erfreut sich bei Kleinanlegern wachsender Beliebtheit. Seit Apps und Trading-Plattformen den Einstieg in den Aktienhandel* erleichtern, werden Euro-Beträge bis hin zu ganzen Ersparnissen in Wertpapiere investiert. Dass der Aktienmarkt erbarmungslos sein kann, musste nun eine junge Mutter aus Leverkusen erfahren. Jenny Schulz (28) investierte ihre Ersparnisse und sitzt nun auf 360.000 Euro Schulden. Zuerst berichtete der WDR.

Aktiengeschäfte bei Comdirect: Jenny Schulz (28) bleibt auf 360.000 Euro Schulden sitzen

Dabei hatte die Investition in die Aktie des US-Unternehmens Greenwich Lifesciences einen persönlichen Hintergrund. Das Pharma-Unternehmen forscht an einem Arzneimittel gegen Brustkrebs. „Bei mir war im September selbst ein Knoten in der Brust festgestellt worden, der sich zum Glück als harmlos herausgestellt hatte“, lässt Jenny Schulz den WDR wissen.

Über die Comdirect-App erstand die junge Mutter 5800 Aktien des Unternehmens zum vermeintlichen Preis von fünf Dollar. Wie sie später feststellte, explodierte der Wertpapier-Preis zum Kaufzeitpunkt: Von etwa fünf auf 125 Dollar pro Stück. Statt für 25.000 Dollar tätigte die Comdirect-App Aktienkäufe von über 600.000 Dollar. Die junge Frau reagierte geschockt, dachte, sie habe sich „verguckt“. Im ersten Impuls verkaufte sie die Wertpapiere mit hohem Verlust, da der Wert der Aktie inzwischen wieder gefallen war. Ihr Konto überzog die 28-Jährige mit 360.000 Euro. „Ich möchte wissen, wie das passieren konnte, dass mir ein Kredit von über 600.000 Euro gewährt wurde, ohne dass mein Gehalt geprüft, mein Wissensstand geprüft, mein Kontostand geprüft wurde“, sagt Schulz.

Aktien-Käufe per App: Wie konnte es zu dem Verlustgeschäft kommen?

Wie das Handelsblatt berichtet, richtete Jenny Schulz im vergangenen November ein Depot bei Comdirect ein. Die junge Mutter konnte keine Erfahrung mit Wertpapierhandel aufweisen, sodass sie einen Vertrag mit der Bank aushandelte, der sie vor der Schuldenfalle bewahren sollte: Nur Aufträge, die ihr Guthaben von 25.000 Euro nicht überschreiten, soll die Comdirect ausführen. Wie konnte es also zu dem verhängnisvollen Aktienkauf kommen? Jenny Schulz gab beim Aktienkauf die Stückzahl an, nicht den Wert, den sie investieren will. So führte die Comdirect den Kaufauftrag der 5800 Aktien aus - egal zu welchem Preis, ohne Limit nennen das Börsianer.

Comdirect hält Forderung für berechtigt - Anwalt widerspricht: „Systemfehler“

Gegenüber der Bild rechtfertigt sich die junge Mutter. Sie habe geglaubt, ein Kauf für mehr als 25.000 Euro sei unmöglich. „Dann sah ich auf dem Computer den tatsächlichen Preis und bekam nur noch Panik“, erklärt sie. Nun wird Kritik an der Comdirect laut. Die Bank wirft Jenny Schulz vor, die Sicherungssysteme gezielt umgangen zu haben. Ihr Anwalt Detlef Wagner widerspricht der Comdirect: „Wenn eine völlig unerfahrene 28-jährige Verbraucherin das Sicherungssystem einer Bank mit ein, zwei Orderversuchen umgehen kann, dann kann es sich nicht um ein Sicherungssystem handeln“, erklärte der Jurist gegenüber dem WDR.

Der Experte vermutet einen „Systemfehler“ auf Seiten der Comdirect, der den Aktienkauf erst ermöglichte. Nun wollen sich Bank und Jenny Schulz einigen. Welche Vereinbarung die Parteien treffen, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur, dass die junge Mutter die 360.000 Euro nicht bezahlen kann und möchte. (jjf)

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