Aktien, Renten, Rürup und Fonds: Was die Abgeltungssteuer bringt

Steuergesetz - Die geplante Abgeltungssteuer, die die Besteuerung von Kapitaleinkünften vereinfachen soll, wird für einige Vermögende die Steuerlast senken. Den meisten Sparern aber wird der Fiskus tiefer in die Tasche greifen. Wie sich die Abgeltungssteuer auf Aktien, Versicherungen und festverzinsliche Sparanlagen auswirkt, zeigen wir im Folgenden detailliert. Änderungen sind auch nach der Vorstellung des Gesetzentwurfes am 1. Februar noch möglich.

Ab 2009 soll die Abgeltungssteuer in Kraft treten. Dann führen die Banken von Zinsen, Dividenden oder Kursgewinnen pauschal 25 Prozent (so die Pläne) an das Finanzamt ab. Mit Soli und Kirchensteuer macht das 28,5 Prozent ­ zu viel, meinen Banken und Finanzbranche. "Es müsste ein niedriger Satz kommen ­ der Bundesverband deutscher Banken forderte 20 Prozent ­ und damit wirklich alles abgegolten sein", sagte Günter Roth von Hauck & Aufhäuser. Neben der Vereinfachung hätte die Abgeltungssteuer einen zusätzlichen Charme: "Im Grund brächte man die Kontoabfrage dann nicht mehr", sagte der Münchner Steuerberater Michael Reitsam.

Aktien-Kursgewinne

Kursgewinne von Aktien sind bisher ab einer Haltedauer von einem Jahr steuerfrei. Das würde in Zukunft entfallen. Von 10 000 Euro Kursgewinn würden dann 2500 Euro (plus 350 Euro mit Soli und Kirchensteuer) Steuern abgezweigt. Wenn der Fiskus auch bei langfristigen Wertzuwächsen hinlangt, würde das laut Stefan Seip, Geschäftsführer im Bundesverband Investment, Aktien- oder Aktienfondsinvestments hart treffen. Nicht geklärt ist, ob Kursverluste wie bisher mit Gewinnen verrechnet werden können.

Dividenden

Weil die Unternehmen Dividenden bereits aus versteuerten Gewinnen bezahlen, muss der Aktionär nur die Hälfte mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern. Nach diesem Halbeinkünfteverfahren zahlt jemand mit einem Steuersatz von 20 Prozent für 1000 Euro Dividende 100 Euro, jemand mit dem Spitzensteuersatz von 42 Prozent 210 Euro Steuer. Bei einer Abgeltungssteuer von 25 Prozent müssten beide 250 Euro zahlen.

Investmentfonds

Auch Investmentfonds würden bei einem späteren Verkauf der Abgeltungssteuer unterliegen. Ein Beispiel: Wer monatlich 100 Euro 30 Jahre lang in einen Aktienfonds mit einer durchschnittlichen Jahresrendite von acht Prozent spart, kann mit einem Endvermögen von 150 000 Euro rechnen. "Bei einer Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent auf den Wertzuwachs in Höhe von 114 000 Euro plus Kirchensteuer plus Solidaritätszuschlag würde das Durchhaltevermögen des Anlegers mit einem Steuerbescheid über 32 000 Euro quittiert werden. Dies würde die Bereitschaft der Bürger zu ergänzender Vorsorge deutlich dämpfen", sagte Seip. Die Fondsbranche fordert daher, dass der Abgeltungssteuersatz nach dem Vorbild anderer europäischer Länder umso stärker sinkt, je länger gespart wird. So würde das Altersvorsorgesparen weitgehend von der Steuer geschützt. Fondssparpläne, die vor 2009 abgeschlossen werden, sollten weiter steuerfrei bleiben.

Ein Verlierer dürften ausschüttende Fonds sein, wenn bei jeder Auszahlung die Abgeltungssteuer zuschlägt. Wie mit den fürs langfristige Sparen sinnvolleren thesaurierenden Fonds (solche, die Wertzuwächse automatisch wieder in dem Fonds anlegen) verfahren wird, ist offen.

Festverzinsliche

Festverzinsliche Wertpapiere wie Renten oder Sparbriefe würden mit der Abgeltungssteuer vor allem für Besserverdienende attraktiver. Die Rechnung sieht so aus: Auf 1000 Euro Zinsen würden nur noch 250 Euro Steuer (285 Euro mit Soli und Kirchensteuer) an den Fiskus gehen. Bei einem Steuersatz von 42 Prozent sind es derzeit noch 420 Euro. Geringverdiener mit dem Eingangssteuersatz von 15 Prozent zahlen derzeit noch 150 Euro pro 1000 Euro Zinsen. Sie würden in Zukunft, wenn keine Möglichkeit der Veranlagung per Steuererklärung mehr gäbe, mehr zahlen.

Index-Zertifikate

Die Steuerfreiheit von Index-Zertifikaten etwa auf den Dax nach einem Jahr Haltedauer wäre mit der Abgeltungssteuer dahin.

Lebensversicherungen

Die Erträge von seit 2005 abgeschlossenen Kapital-Lebensversicherungen werden zur Hälfte mit dem persönlichen Steuersatz besteuert. Voraussetzung dafür ist eine Einzahldauer von 12 Jahren und die Vollendung des 60. Lebensjahres. Analog dazu dürfte die Abgeltungssteuer auch nur für die Hälfte der Erträge gelten. Das entspräche einer Steuerlast von 12,5 Prozent auf den Gesamtertrag. Lebens- und private Rentenversicherungen sollen aber laut Gesamtverband der Versicherungswirtschaft so besteuert werden wie bisher.

Riester und Rürup

Sparpläne der staatlich geförderten Vorsorge (Riester-/ Rürup-Rente) sollen nach den Plänen nicht der Abgeltungssteuer unterliegen.

Immobilien

Immobilien sollen wie bisher nach zehn Jahren steuerfrei verkauft werden können. Das dürfte dann auch für offene Immobilienfonds gelten.

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