Aktienindizes: Wiederaufstieg der ganz alten Industrie

München - Die deutsche Aktienindex-Landschaft wird am Wochenende umgepflügt. Veränderungen im Dax zeigen einen Gewichtungswechsel der Wirtschaft an: Rohstoffe rein, Dienstleistungen raus.

Kali und Salz, das war noch vor wenigen Jahren eine Aktie für Kleingeister. Alte Wirtschaft im alten Europa. Rohstoffe, Dünger. Nur Ewiggestrige hielten so etwas im Depot: "Null Kursfantasie, aber eine sichere Dividendenrendite", sagten sich diese Langweiler und lagen kräftig daneben - zum eigenen Vorteil: Seit 2004 hat sich der Kurs auf das 32fache gesteigert. Nun steht die K+S AG vor dem Aufstieg in den Dax, das altehrwürdige Börsenbarometer, das die Kurse der 30 wichtigsten börsennotierten Unternehmen in Deutschland abbildet. "Das ist sicher" , urteilt Christian Stocker, Index-Experte der Unicredit, "da kann eigentlich nichts mehr dazwischenkommen."

Sicher ist auch, dass ein anderes Unternehmen im Dax seinen Platz räumen muss. Tui: Das war einmal die strahlende Zukunftsbranche Dienstleistung, Tourismus im Land der Reiseweltmeister. Und Tui-Chef Michael Frenzel war ein Star, weil er es geschafft hatte, sich des Industriegeschäfts der altehrwürdigen Preussag zu entledigen und dem Konzern den Namen der hippen Touristik-Tochter zu geben. Kleiner Schönheitsfehler: Gewinne sind seither Glückssache, und Frenzel hat nun Investoren im Nacken, die vor allem darüber streiten, wie Tui zerschlagen werden soll. Deren Einstieg hat überdies den - für die Index-Einstufung entscheidenden - Streubesitz so sehr vermindert, dass ein Verbleiben in der Börsenoberliga gänzlich aussichtslos wurde.

Immerhin bleibt Tui-Chef Frenzel die schlimmste Blamage wohl erspart: Salzgitter im Dax. Der Konzern stand lange in den Startlöchern. Dabei war er eigentlich als so etwas wie die Restmülltonne der New Economy gedacht gewesen: Frenzel entsorgte darin die Stahl-Tochter von Preussag, Vodafone warf das Mannesmann-Röhrengeschäft dazu. Doch die Sache entwickelte sich unerwartet erfolgreich. Bis vor zwei Wochen war der Aufstieg in den Dax greifbar. "Nun ist Salzgitter aus dem Rennen", sagt Stocker. Fresenius habe sich an dem Stahlkonzern vorbeigeschoben. Damit wäre ein Konzern doppelt im Dax vertreten: mit den Vorzugsaktien des Medizinkonzerns Fresenius, die nun aufrücken könnten, und den Papieren der Dialyse-Tochter FMC, die ohnehin im wichtigsten deutschen Aktienindex vertreten ist.

Dafür allerdings müsste der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) seinen Dax-Platz räumen. Und das wird nun zur Zitterpartie. Denn vom Rang 36 bei der Marktkapitalisierung, der den sicheren Abstieg bedeutet hätte, konnte sich das von der US-Kreditkrise schwer gebeutelte Münchner Unternehmen auf den rettenden Platz 35 vorarbeiten, wie Index-Experte Stocker sagt. Wenn dieser bis Freitag zum Börsenschluss gehalten wird, platzen auch die Dax-Aussichten von Fresenius.

Auch in den anderen Indizes dürfte sich einiges verschieben: Der Holzverarbeiter Pfleiderer wackelt. Er muss, wenn es schlecht läuft, aus dem M-Dax in den S-Dax absteigen. Der Schrobenhausener Spezialtiefbau- und Maschinenbaukonzern Bauer könnte dann den umgekehrten Weg nehmen.

Im Tec-Dax ist nicht sicher, wer seinen Platz räumen muss. Das könnte, nach Stockers Einschätzung, das Softwarehaus IDS-Scheer sein. Aber auch der Telekommunikations- und Internet-Dienstleister QSC steht auf der Kippe.

Klarer Aufstiegskandidat in den Technologie-Index ist dagegen SMA Solar. Das würde das Übergewicht der Branche in dem Index zementieren, der einmal als Nachfolger des Neuen Marktes vor allem einen Platz für junge Unternehmen aus der Informationstechnologie und der Telekommunikationsbranche schaffen sollte. "Nun wird er immer mehr zum Solar-Index", sagt Stocker.

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