+
Carsten Kengeter, Vorstandsvorsitzender der Deutsche Börse Group, im Mai in Frankfurt am Main. Foto: Boris Roessler

"Die Vorwürfe sind haltlos"

Aktienkäufe: Justiz ermittelt gegen Deutsche-Börse-Chef

Ende 2015 kauft Deutsche-Börse-Chef Kengeter für 4,5 Millionen Euro Anteilsscheine an dem Dax-Konzern. Zwei Monate später beginnt das Unternehmen Gespräche mit der Londoner Börse über eine Fusion, der Aktienkurs steigt. Die Justiz wittert offenbar ein faules Geschäft.

Frankfurt/Eschborn (dpa) - Wegen des Kaufs von Aktien seines Unternehmens ist Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter ins Visier der Justiz geraten. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main ermittele gegen den Vorstandsvorsitzenden, teilte der Dax-Konzern am Mittwochabend mit.

Aufsichtsratschef Joachim Faber wies die Anschuldigungen in einer Mitteilung scharf zurück: "Die Vorwürfe sind haltlos." Die Staatsanwaltschaft war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Konkret geht es um den Erwerb von Deutsche-Börse-Anteilen im Wert von insgesamt 4,5 Millionen Euro durch Kengeter am 14. Dezember 2015. Zwei Monate später einigte sich die Deutsche Börse mit der London Stock Exchange (LSE) auf eine Fusion, danach stiegen die Aktienkurse beider Unternehmen deutlich.

"Carsten Kengeter hat seinen Aktienkauf im Rahmen eines Vergütungsprogramms vorgenommen, das der Aufsichtsrat beschlossen hat und bis Ende Dezember 2015 befristet war", betonte Chefaufseher Faber. Deutsche Börse und LSE hätten sich aber "erst in der zweiten Januarhälfte" geeinigt, über einen Zusammenschluss zu verhandeln. Die Deutsche Börse teilte weiter mit, Kengeter und das Unternehmen kooperierten "in vollem Umfang" mit der Staatsanwaltschaft.

Deutsche Börse und LSE wollen einen europäischen Börsenriesen schmieden. Derzeit prüfen verschiedene Aufsichtsbehörden das Fusionsvorhaben. Noch steht die Zustimmung der EU-Wettbewerbshüter und der hessischen Börsenaufsicht aus. Dass der rechtliche Sitz der Dachgesellschaft in London sein soll, sorgt in Frankfurt für Kritik- erst Recht, nachdem die Briten den EU-Austritt ihres Landes (Brexit) vorbereiten. Kengeter zeigte sich davon unbeirrt. Das Vorhaben sei weit fortgeschritten, sagte er vor zwei Wochen beim Neujahrsempfang. Unterstützung erhielt er vom einflussreichen Großaktionär Blackrock.

Mitteilung Deutsche Börse

Mitteilung Deutsche Börse zu Kengeters Aktienkäufen

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Air-Berlin-Flieger darf auf Island nicht abheben
Seit August stehen aus Sicht des Betreibers Gebühren aus, deshalb hält ein isländischer Flughafen einen Air-Berlin-Flieger kurzerhand fest. Die insolvente Airline hält …
Air-Berlin-Flieger darf auf Island nicht abheben
Fraport testet Roboter-Shuttles am Frankfurter Flughafen
Frankfurt/Main (dpa) - Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport testet den Einsatz selbstfahrender Fahrzeuge unter realen Straßenbedingungen.
Fraport testet Roboter-Shuttles am Frankfurter Flughafen
Moderate Gewinne am Aktienmarkt zum Wochenschluss
Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat sich über der wichtigen Marke von 13 000 Punkten gehalten.
Moderate Gewinne am Aktienmarkt zum Wochenschluss
Razzia bei Kobe Steel wegen Fälschungsskandal
Tokio (dpa) - Wegen eines Skandals um gefälschte Inspektionsdaten ist der japanische Stahlriese Kobe Steel Ziel einer Razzia geworden. Wie japanische Medien berichteten, …
Razzia bei Kobe Steel wegen Fälschungsskandal

Kommentare