Sturmtief fordert Tribut: Jetzt ist eine S-Bahn-Linie unterbrochen

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Aktienmarkt schließt erneut schwach

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Frankfurt (dpa) - Der deutsche Aktienmarkt hat am Mittwoch belastet durch anhaltende Sorgen über die Lage in der Finanzbranche weiter nachgegeben. Der DAX schloss nach großen Schwankungen im Handelsverlauf mit einem Minus von 1,75 Prozent auf 5.860,98 Zählern.

Damit bewegte er sich weiter auf dem Niveau von vor zwei Jahren. Zu Handelsbeginn war der Leitindex noch bis auf 6.035 Zähler gestiegen. Der MDAX verlor 2,62 Prozent auf 7.497,52 Punkte, während der technologielastige TecDAX 1,89 Prozent auf 712,42 Punkten abgab.

Zunächst hatte die Rettung der American International Group (AIG) wie eine Beruhigungspille gewirkt, wie Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank sagte. Die Nervosität um weitere Schieflagen im Finanzsektor halte den Markt aber weiter in Atem. "Der Markt geht durch eine Kneipp-Kur mit Wechselbädern und jetzt landet mit HBOS bereits die nächste Bank auf dem Operationstisch", so der Experte weiter. Spekulationen um weitere Fusionen im US-Bankensektor hätten am Nachmittag dann die Sorge geschürt, dass die Krise weitergehe. "Es muss wohl erst 'tabula rasa' gemacht werden, bevor sich die Märkte endgültig beruhigen."

Bankenwerte gingen mit den wechselnden Nachrichten aus dem Sektor auf Berg- und Talfahrt. Aktien der Commerzbank, die in den vergangenen beiden Handelstagen zeitweise mehr als 22 Prozent verloren hatten, kletterten zeitweise bis auf 14,97 Euro, um dann mit minus 3,54 Prozent auf 13,48 Euro zu schließen. Postbank-Papiere gaben 1,70 Prozent auf 35,93 Euro ab und Deutsche Bank verloren 2,74 Prozent auf 50,32 Euro. Neue Sorgen über einen Kollaps von HBOS dämpften die Stimmung im Handelsverlauf. Am Nachmittag machten am Markt Spekulationen über eine Fusion von Morgan Stanley mit Wells Fargo & die Runde, was die Marktteilnehmer weiter beunruhige, sagten Börsianer. Anscheinend sei im US-Bankensektor noch nicht alles ausgestanden.

In der Versicherungsbranche schienen die größten Sorgen aber erst vom Tisch. Münchener Rück legten um 1,13 Prozent auf 96,85 Euro zu, anfänglich ebenfalls klar erholte Allianz-Papiere sanken schließlich wieder um 3,50 Prozent auf 94,63 Euro. Während die Münchener Rück bereits offen Interesse an Teilen von AIG geäußert hatte, hielt sich die AIG noch etwas zurück. "Trotzdem atmen die Anleger nach der Rettung von AIG zunächst einmal kräftig durch", sagte ein Börsianer. Bei einem Crash des Versicherers hätte abgesehen von individuellen Ausfallrisiken eine massive Verschlimmerung der über alle Anlageklassen hinweg zu beobachtenden Verwerfungen gedroht, sagte ein Analyst.

Favorit im DAX waren aber Volkswagen (VW), die in der Spitze um bis auf 254,86 Euro zulegten und schließlich belastet von der Schwäche am Gesamtmarkt mit 6,04 Prozent im Plus bei 240,18 Euro schlossen. Marktteilnehmer spekulierten über eine Reihe von möglichen Gründen, die Investoren zu Käufen zwingen. Genannt wurden dabei insbesondere Eindeckungen von Leerverkäufen, nachdem die inzwischen insolvente US-Investmentbank Lehman Brothers wohl Vertragspartner von Aktienleihe-Geschäften gewesen sei. Die Kursbewegung ist einem Analysten zufolge jedenfalls "fernab jeglicher fundamentalen Begründung".

BASF verloren nach den gesenkten Prognosen des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) 3,78 Prozent auf 33,83 Euro. GILDEMEISTER schwankten im MDAX besonders heftig und standen zuletzt mit 0,63 Prozent im Minus bei 12,54 Euro nach einem Tageshoch von 14,05 Euro. Equinet hatte die Papiere des Werkzeugmaschinenbauers von "Sell" auf "Buy" hochgestuft. Die Auftragslage sei weiter gesund und die Aktie weise einen Abschlag von 20 Prozent zum Wettbewerb auf, hieß es zur Begründung. Börsianer führten darüber hinaus Kaufdruck durch Eindeckungen von Leerverkäufen (Short covering) an.

Im TecDAX standen Aktien der Software AG mit minus 11,08 Prozent auf 44,46 Euro am Indexende. Die WestLB hatte das Papier des Softwareunternehmens von "Add" auf "Hold" abgestuft. Der Optimismus im Sektor basiere eher auf Hoffnungen als auf Beweisen, hieß es. Singulus Technologies rutschten nach der Bekanntgabe von Abschreibungen um 4,03 Prozent auf 5,96 Euro ab. Die Solarwerte hielten sich dagegen nach einem positiven Analystenkommentar im Plus. An der Indexspitze gewannen Centrotherm 8,89 Prozent auf 36,00 Euro.

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