Aktienmarkt: Selbst Optimisten sind überrascht

München/Frankfurt - Nicht einmal die kühnsten Optimisten hatten zum Jahresbeginn damit gerechnet, dass der Deutsche Aktienindex Dax binnen weniger Monate sein Allzeithoch aus dem Jahr 2000 testen würde. Zur Halbzeit 2007 stand er knapp über der Marke von 8000 Zählern und damit 21 Prozent höher als zum Jahresstart.

Nicht nur die Standardwerte aus dem Dax, sondern auch die Werte der zweiten Reihe entwickelten sich bisher prächtig. Aktien sind wieder in Mode und das nicht nur hierzulande. Fast alle bedeutenden Börsenplätze der Welt erlebten bisher einen bullischen Start ins Jahr 2007.

Obwohl die Aktienmärkte zuletzt nahezu explodierten, sprachen Experten bisher nicht wie im Jahr 2000 von Gier und übermäßiger Euphorie. Die robuste Weltkonjunktur, zuversichtliche Unternehmensergebnisse, das auf Hochtouren laufende Fusionskarussell und gute Vorgaben aus Amerika waren bisher die Erfolgsgaranten für deutsche Dividendentitel. Die Bewertungen der Aktiengesellschaften waren trotz des deutlichen Anstieges immer noch günstig und so deckten sich viele Investoren weltweit mit deutschen Dividendentiteln ein. Zwischenzeitliche Kurskorrekturen wurden zum Nachkaufen genutzt.

Die Gewinner im Dax

Bis auf vier Werte konnten zur Jahresmitte alle Dax-Aktien eine positive Bilanz aufweisen. Der größte Gewinner war mit einem Plus von 52 Prozent die MAN-Aktie. Die Anleger honorierten die hervorragenden Unternehmensdaten und die zuversichtlichen Zukunftsaussichten des Münchner Nutzfahrzeugherstellers. Deutlich gewinnen konnten auch die Papiere von Daimler-Chrysler (+ 44%) und Siemens (+ 40%). Während beim Autobauer die Nachricht über einen Verkauf der Unternehmenstochter Chrysler der Aktie zu Luftsprüngen verhalf, wurde Siemens durch gute Zahlen, einen positiven Ausblick und die Ernennung Peter Löschers als neuen Vorstandschef beflügelt. Weniger erfreulich war die bisherige Entwicklung von RWE, SAP, Lufthansa und Telekom - alle vier Aktien schafften es bisher trotz des glänzenden Umfeldes nicht, eine positive Performance zu erzielen.

Die Gewinner des Klimawandels

Das Thema Klimawandel entpuppte sich auch an den Kapitalmärkten als neuer Megatrend. Profitieren konnten davon vor allem die Tec-Dax-Titel aus dem Bereich "alternative Energien". Der Windkrafthersteller Nordex konnte sich in den letzten sechs Monaten mit einem Plus von 109 Prozent mehr als verdoppeln. Auch der Solartechnikhersteller Solon (+ 94%) gewann fast 100 Prozent. Die Aktie der Solon AG ist seit Bestehen des Tec-Dax eine einzigartige Kursrakete. Seit März 2003 legte das Papier satte 49 396 Prozent zu. Wer damals 10 000 Euro in den Solarwert investiert hätte, wäre heute 50-facher Millionär. Ebenfalls hervorragend entwickelten sich im ersten Halbjahr die Tec-Dax-Aktien Aixtron (+92%) und Q-Cells (+88%). Der Tec-Dax selbst legte seit dem Neujahrstag um 22 Prozent zu.

Die Gewinner der zweiten Reihe

Bei den Nebenwerten aus dem M-Dax standen Wacker Chemie (+ 76%), Klöckner&Co (+ 65 %) und SGL Carbon (+ 64%) an der Spitze der Gewinnerliste. Die großen Verlierer waren die Aktien der Immobilienunternehmen. Trotz offizieller Einführung von G-Reits (börsennotierten Immobilienunternehmen) ist das Interesse an der "Trendbranche 2006" deutlich gesunken. Patrizia Immobilien (- 42%), Gagfah (-32%) und IVG Immobilien (- 12%) tragen zur Halbzeit die rote Börsenlaterne des H-Dax (Dax, Tec- und M-Dax).

Die besten Branchen

 Automobil-, Chemie- und Bauaktien waren mit einem durchschnittlichen Plus von 30 Prozent neben den Solarwerten die Branchengewinner des ersten Halbjahres 2007. Gut im Rennen lagen auch Einzelhandelswerte (+ 21%), die vom wieder steigenden Konsumklima profitieren konnten. Bei den Branchenindizes verbuchten lediglich Software-Aktien ein geringfügiges Minus.

Die besten Länder

Die Börsensonne schien aber nicht nur hierzulande. Durchschnittlich legten die weltweiten Aktienmärkte im ersten Halbjahr mehr als fünf Prozent zu. Die viel beachteten Börsen in Amerika und Japan entwickelten sich mit einem Plus von acht (Dow Jones) bzw. vier Prozent (Nikkei) zwar erfreulich, aber bei weitem nicht so gut wie einige andere Finanzmärkte. In Europa glänzten neben Deutschland auch Finnland (+ 21%) und Portugal (+ 18%). Am besten startete der ukrainische Aktienmarkt (+ 99%) ins Jahr 2007, gefolgt von Schanghai (+ 85%) und Peru (+ 74%).

Enttäuschend war hingegen die Halbjahresbilanz der Börse in Russland, die sich mit einem Minus von drei Prozent negativ entwickelte. Fehlstart des Jahres war der Aktienmarkt in Venezuela (- 25%).

Florian Oehnbeck

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