Aktienoptionen: Chefs lassen sich für Geldvernichtung belohnen

- München - Wenn man die Aktien zum Maßstab nimmt, stehen deutsche Unternehmen nicht gut da. Misst man an den Einkommen ihrer Vorstände, sind sie Spitze. Das liegt zum Teil an Aktienoptionsprogrammen. Die Fondsgesellschaft Union-Investment hat die 30 Dax-Mitglieder unter die Lupe genommen. Das Ergebnis über den Daumen gepeilt: Je schwächer die Leistung, desto größer die Gier.

<P>Kritiker halten wenig von den Programmen, mit denen Vorstände mit hohen Rabatten Aktien kaufen können, die sie dann über eine bestimmte Zeit halten müssen, bevor sie zu Geld gemacht werden können. Durch diese neue Art der Bezahlung werde der Gewinn geschmälert und auch noch der Aktienwert verwässert - gewissermaßen ein doppelter Schaden für die Aktionäre.</P><P>Die Fondsgesellschaft der Genossenschaftsbanken urteilt in dieser Hinsicht milder. Wer den Aktienwert "seines" Unternehmens wenigstens um 7 % steigert und gleichzeitig besser abschneidet als die direkten Brachenkonkurrenten, dem gönnt Union Investment die umstrittene Belohnung - falls diese ordentlich in der Bilanz erscheint.</P><P>Doch selbst diesen verhältnismäßig bescheidenen Ansprüchen entsprechen die wenigstens Chefs: Auf dem letzten Platz in der Disziplin Renditeziel hat es sich Infineon-Boss Ulrich Schumacher bequem gemacht. Mit der Konkurrenz will er sich gar nicht messen. Und wenn der Unternehmenswert in sieben Jahren um 5 % steigt (macht magere 0,7 % im Jahr und inflationsbereinigt ein Minus), gibt es schon den Lohn für tolle Leistungen - extrem wenig Ehrgeiz. Ein Firmenchef, der seine schwächsten Mitarbeiter am liebsten regelmäßig aussortieren würde, schrammt damit hart an der Skandalgrenze. Gemessen an seinen eigenen Maßstäben müsste der Herr der Halbleiter jetzt wohl besser um seine Entlassung bitten. Immerhin macht Infineon aus der Selbstbedienung keinen Hehl. Da alles ordentlich in der Bilanz auftaucht, rettet sich das Unternehmen an der Mutter Siemens vorbei auf den drittletzten Platz (den es mit VW und MLP teilt).</P><P>Die unrühmliche rote Laterne trägt dank großen Volumens, geringer Transparenz und schwachen Renditemaßstäben der mit 6,47 Mio. Euro (ohne Option) Größtverdiener Jürgen Schrempp (Daimler-Chrysler).</P><P>Es geht auch anders: Die Lufthansa mit Wolfgang Mayrhuber an der Spitze verfehlt die Bestnote 1,0 nur, weil der aktuelle Wert der gewährten Optionen zwar im Internet abzurufen ist, diese aber nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung auftauchen. Das Zubrot gibt es ohnehin nur, wenn die Airline die Konkurrenz in der Aktienentwicklung schlägt. Die Lufthansa wird nur noch von den Unternehmen überflügelt, die völlig auf Aktienoptionen verzichten: BMW, Tui, HypoVereinsbank und - nach harscher Kritik - die Deutsche Telekom. Die Note "gut" erreicht BASF. Der Chemiegigant patzt nur mit dem bescheidenen 3,3 %-Renditeanspruch. Dabei muss er aber auch noch den globalen Chemie-Index schlagen. Gut schneiden auch Adidas-Salomon und Thyssen-Krupp ab.</P><P>Wenigstens eine Tendenz zur Verbesserung erkannte Union-Investment bei der Deutschen Bank (ein jetzt vereinfachtes System) und der Deutschen Post (mehr Transparenz) ein. Doch zwei gebesserten Sündern stehen vier ungenierte gegenüber: Neben Infineon haben auch Henkel, Eon und RWE die Bedingungen für die Erfolgsbeteiligung sogar verwässert.</P><P>Mit ihrer Bewertung kommt die Frankfurter Investmentgesellschaft zu ähnlichen Ergebnissen wie vorher das "Manager Magazin", das die Bezüge der Dax-Vorstandschefs mit der Aktienentwicklung verglichen hat. Wegen des Absturzes der Lufthansa-Aktie und einer hohen Grundvergütung kommt Mayerhubers Vorgänger Jürgen Weber zwar nur auf einen Platz im oberen Mittelfeld des Zeitschriften-Rankings. Auf dem letzten Platz findet sich aber wieder Jürgen Schrempp, der den Aktienwert seines Unternehmens fast halbiert hat.<BR></P>

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