Aktien-Optionen: Wie Chefs reicher werden und ihre Aktionäre ärmer

- München - Lange galten sie als Fleißbildchen für Firmenchefs: Aktienoptionsprogramme. Wenn der Wert eines Unternehmens steigt, sollen auch die Spitzenkräfte davon profitieren. Heute gehören sie zum Hauptärgernis für Investoren: Ohne Leistung wird das Führungspersonal zu Lasten der Aktionäre beschenkt.

<P>Erreicht ein Unternehmen seine Ziele, werden die Bosse mit Aktienoptionen versorgt, sie können diese nach einer bestimmten Zeit in Aktien umtauschen. Je besser deren Entwicklung, umso größer der Reibach. Umgekehrt wird wie bei jeder Aktienausgabe das Aktienkapital verwässert. Das Gewicht der an der Börse gekauften Aktien sinkt, sehr zum Unmut großer Investoren. Union Investment schaut den Dax-Unternehmen regelmäßig auf die Finger. Erneut mit erschreckendem Resultat: Viele erfüllen nicht einmal Mindeststandards.</P><P>Anders als bei sonstigen Wettbewerben mussten einige gar nicht ins Rennen: BMW, Telekom, HypoVereinsbank und Tui kamen gleich aufs Siegertreppchen, sie geben keine Aktienoptionen aus. Von allen anderen bekamen nur drei eine Eins vor dem Komma: Lufthansa (Note 1,6), BASF (1,7) und Commerzbank (1,9). Die Schlusslichter dagegen sind Infineon und SAP (jeweils 4,2), wenig schmeichelhaft ist auch das Resultat für Siemens (3,9), FMC (3,9), Daimler-Chrysler (3,8) und Volkswagen (3,6). Erschwerend: Schlechtestmögliche Note im Wettbewerb war die Fünf.</P><P>Was zeichnet vorbildliche Unternehmen aus?<BR>Sie verschenken sich nicht an ihre Führungskräfte, sondern verlangen Eigeninvestment. Neben der Commerzbank und der Lufthansa brachte es hier die Post zur Bestnote. Weit größer ist die Liste der Sünder: Mit Adidas, Allianz, Conti, Daimler, Deutsche Börse, FMC, Infineon, Linde, MAN, Metro, Münchener Rück, RWE, SAP, Siemens und Thyssen Krupp verlangt der halbe Dax gar nichts von seinen Führungskräften.</P><P>Ähnlich sieht es bei der Rendite aus. Eigentlich sollte klar sein, dass, wer für Höchstleistung belohnt werden will, diese auch bringen muss: Die Aktie soll also ihren Wert deutlich steigern und dabei auch besser sein als die Branche. Eine glatte 1 gibt es hier nur für Adidas Salomon, wo man 8 % Wertentwicklung vorgibt und auch fordert, dass der Rest der Branche um 1 % übertroffen wird. Hohen Lohn für erbärmliche Leistung dagegen zahlen Infineon (0,7 % Wertentwicklung im Jahr) und Daimler-Chrysler (1,84 % im Jahr), beides Werte, die von fast jedem Sparbuch geschlagen werden.</P><P>Wie sehr werden die Aktionäre durch Aktienoptionsprogramme geschädigt?<BR> Weniger als 1 % Verwässerung werteten die Prüfer als sehr gut. Diese Note erreichten Allianz, BASF, Bayer, Commerzbank, Conti, Eon, Lufthansa, Münchener Rück. Größter Sünder ist Daimler-Chrysler mit einer Verwässerung von 9,1 % und einer glatten Fünf.</P><P>Der Aufwand für die Programme muss in die Bilanz, wenn er entsteht. Hier immerhin kommen fast alle Unternehmen auf wenigstens befriedigend. Lediglich Adidas und Volkswagen kamen nur auf eine Fünf: Der Aufwand wird erst verbucht, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist: bei Ausübung der Optionen.</P>

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