Aktionäre beklagen "jämmerliches Ende"

München - Schon wenige Minuten, nachdem die Hauptversammlung der HypoVereinsbank begonnen hatte, gab es die erste Unterbrechung. Ein wütender Kleinaktionär, der die Bühne entern wollte, ging theatralisch zu Boden, als Ordner ihn wegführen wollten. Danach ging es ruhiger, aber emotionsgeladen weiter ­ schließlich soll dieses 130. Aktionärstreffen das letzte der HypoVereinsbank sein.

"Was für ein jämmerliches Ende nimmt unsere HVB heute", klagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Die letzten freien Aktionäre wurden ausgenutzt, jetzt werden sie rausgeworfen." Die HypoVereinsbank habe sich als brave Tochter erwiesen und ihr Tafelsilber an den Mutterkonzern Unicredit verschleudert, kritisierte die Aktionärsschützerin unter dem Beifall von 800 Aktionären.

HVB-Chef Wolfgang Sprißler verteidigte die Fusion. Die Entwicklungen auf dem Bankenmarkt machten deutlich, dass man mit der Europäisierung der Bank frühzeitig den richtigen Kurs eingeschlagen habe. Die Vorteile, zur Unicredit zu gehören, seien schon jetzt deutlich zu spüren.

Die Großaktionärin Unicredit, die mehr als 95 Prozent des Grundkapitals der HypoVereinsbank hält, kann die verbliebenen Kleinaktionäre per Zwangsabfindung (Squeeze-Out) aus dem Unternehmen drängen (s. Kasten rechts). Aktionärsvertreter kritisierten diesen Schritt vor allem, weil ihnen die Höhe der Barabfindung als zu niedrig erscheint. 38,26 Euro je Anteilsschein will Unicredit bezahlen ­ einen Kurs, den der Vorstandschef der HypoVereinsbank, Wolfgang Sprißler, für durchaus angemessen hält. Der beim Aktionärstreffen ebenfalls anwesende Unicredit-Chef Alessandro Profumo äußerte sich zu dieser Frage nicht.

Dass die HVB heute an der Börse mit rund 42 Euro bewertet wird, sei schließlich nicht zuletzt auf die Ankündigung des Squeeze-Out zurückzuführen, sagte Sprißler. Außerdem hätten Gutachten die Bewertung festgelegt bzw. deren Angemessenheit bestätigt. Man habe die Bank Austria Creditanstalt (BACA) nicht unter Wert an die Unicredit abgegeben. Im Gegenteil sei sogar mehr als der damalige Marktwert erzielt worden. Unterschiedliche Bewertungen seien eine Frage des Bewertungszeitraums, erklärte Sprißler.

Zuletzt hatte das Landgericht München eine Summe zwischen vier und fünf Milliarden Euro als möglichen Zuschlag auf die Zwangsabfindung genannt. Sowohl Bergdolt als auch Harald Petersen von der Schutzvereinigung der Kapitalanleger (SdK) forderten Unicredit auf, dementsprechend mindestens 43 Euro zu bezahlen. Wenn gar noch der jüngst publik gewordenen Schadenersatzklage eines Hedge-Fonds entsprochen werde, müsste die Abfindung gar auf 60 Euro steigen, meinten sie. Wegen der Bewertungsfrage kündigte Bergdolt Widerspruch gegen die Beschlüsse der Hauptversammlung an. Außerdem soll in einem Spruchverfahren der wahre Wert der BACA und anderer HVB-Töchter und damit die angemessene Höhe der Barabfindung für die außenstehenden Aktionäre geklärt werden.

Die HypoVereinsbank hatte vorsorglich einen zweiten Tag für die Hauptversammlung veranschlagt. Die vielen Gegenanträge und die Dutzenden von Anfechtungsklagen, die bereits beim Landgericht München I liegen, hatten eine turbulente Versammlung erwarten lassen. Bis in den späten Abend hinein waren denn auch die Reden, Fragen und Antworten nicht beendet, sodass die Hauptversammlung heute wohl in ihre zweite Runde geht.

Einen Vorgeschmack auf die Ergebnisse der Abstimmung gab es aber schon am ersten Tag. Auf Antrag eines Aktionärs, der die Zwangsabfindung von der Tagesordnung streichen lassen und die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat vertagen lassen wollte, ließ der Versammlungsleiter abstimmen. Beide Punkte wurden abgelehnt ­ mit Mehrheiten von jeweils über 99 Prozent.

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