Aktionäre prangern Siemens-Führungsspitze an

Hauptversammlung: - München - Auch mit glänzenden Quartalszahlen konnte Siemens-Chef Klaus Kleinfeld auf der heutigen Hauptversammlung des Konzerns die Aktionäre nicht besänftigen. Es hagelte Kritik an der Konzernführung wegen der Schmiergeldaffäre. Schutzvereinigungen und Kleinaktionäre lehnten eine Entlastung der Konzernführung ab. Kleinfeld will den Konzernumbau mit unvermindertem Tempo fortsetzen.

"Das Unternehmen schlittert von einer Affäre in die nächste", kritisierte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Anderer Aktionärsvertreter kritisierten, der Konzern sei zu spät aktiv geworden und habe das wahre Ausmaß des Skandals lange verheimlicht.

Hans-Christof Hirt vom britischen Fondsmanager Hermes sagte, man müsse die Ergebnisse der Ermittlungen abwarten. "Vorstand und Aufsichtsrat haben die Schmiergeldaffäre aber zumindest nicht verhindert und die Aufklärung spät eingeleitet." Vorstandsvorsitzende Klaus Kleinfeld und Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer versprachen den Aktionären eine vollständige Aufklärung des Korruptionsskandals. 

Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer wies Kritik an seiner Rolle bei der Aufklärung zurück. Er habe in seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender "ganz wesentliche Schritte zur Bekämpfung der Korruption eingeleitet." Im Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates nehme er an Sitzungen zur Schmiergeldaffäre nicht teil.

Aktionärsschützer hatten moniert, dass Pierer nun als Aufsichtsratschef Vorfälle aufklären müsse, die zum Großteil in seiner Amtszeit als Vorstandsvorsitzender geschehen sind.

Operativ konnte Kleinfeld auf Fortschritte verweisen. Im ersten Quartal 2006/07 (30. September) stieg das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit um 51 Prozent auf gut 1,6 Milliarden Euro. "Alle Bereiche sind profitabel", sagte Kleinfeld. Selbst der kränkelnde IT-Dienstleister SBS schrieb erstmals seit drei Jahren schwarze Zahlen.

Allerdings wurden die Zugewinne durch das Rekordbußgeld in Höhe von 423 Millionen Euro zunichte gemacht, das die EU-Kommission am Vortag wegen Kartellabsprachen gegen Siemens verhängt hatte. Der Gewinn nach Steuern sank deswegen auf 788 Millionen Euro. "Wir sind mit der Höhe des Bußgelds absolut nicht einverstanden", sagte Kleinfeld und kündigte Einspruch an.

Den Umsatz steigerte Siemens im ersten Quartal um sechs Prozent auf gut 19 Milliarden Euro. Im Ausblick betonte Kleinfeld, alle Geschäftsbereiche sollten schon im laufenden Quartal die ehrgeizigen Renditeziele erfüllen.  Die Siemens-Aktie war mit einem Plus von zeitweise sechs Prozent auf 82,50 Euro Tagessieger im DAX.

Den radikalen Konzern-Umbau will Kleinfeld mit hohem Tempo fortsetzen. Deutschlands größter Elektrokonzern will seinen Autozulieferer VDO mit mehr als 50 000 Beschäftigten an die Börse bringen und kauft für 3,5 Milliarden Dollar (2,7 Mrd Euro) den US-Software-Hersteller UGS.

Die Nachricht vom Börsengang des Autozulieferers VDO kam überraschend. Man wolle sich von deutlich mehr als 25 Prozent trennen, sagte Kleinfeld. "Die industrielle Führung soll aber bei Siemens bleiben." Durch den Gang an den Kapitalmarkt könne der Bereich mit zuletzt zehn Milliarden Euro Umsatz Wachstumschancen besser nutzen. Sollte VDO in Deutschland an die Börse gehen, wird es sich um einen der größten Börsengänge der vergangenen Jahre handeln.

Mit dem Zukauf der US-Software-Firma UGS will Siemens seine Automatisierungs-Sparte A&D stärken. "Durch die Akquisition sind wir unserem Ziel, die digitale Fabrik mit der realen Fabrik zu kombinieren, einen großen Schritt näher gekommen", sagte Kleinfeld. Der Spezialist für industrielle Software machte zuletzt mit rund 7000 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,2 Milliarden Dollar.

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