Aktionäre von Süd-Chemie alarmiert

- München - Finanzinvestoren bläst in Deutschland gerade einiger Gegenwind ins Gesicht. Einer von ihnen greift nun ohne Absprache mit dem Management nach der Münchner Süd-Chemie und erntet umfassende Ablehnung.

"Ist jemand von OEP da?", fragt die Stimme in den mit Aktionären der Süd-Chemie überfüllten Saal hinein. Der Wissbegierige ist Günter von Au, der Vorstandschef des Spezialchemieherstellers, und OEP die Abkürzung für One Equity Partners, eines US-Finanzinvestors, der vor zwei Wochen überraschend einen Übernahmeversuch für den als verschlafene Perle geltenden Konzern angekündigt hatte (wir berichteten). Von Au und mit ihm die Hauptversammlung möchte wissen, was die Tochter der Großbank JP Morgan Chase mit dem deutschen Unternehmen vorhat. Ein OEP-Vertreter gibt sich aber nicht zu erkennen. Dafür sagen einzelne Eigner, was sie von der Offerte aus den USA halten. "Es ist ein ausgesprochen schlechter Zeitpunkt für einen Verkauf", meint Willi Bender von der Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger (SdK) unter dem Beifall von Mitaktionären. Die Süd-Chemie habe eine Umstrukturierung hinter sich und fahre gerade die Ernte dieser Sanierungsjahre ein. Derzeit drohe damit ein Verkauf unter Wert."Schlechter Zeitpunkt  für einen Verkauf"Bender und andere rufen deshalb zur Verteidigung der Unabhängigkeit des 1857 gegründeten Unternehmens mit seinen global über 5100 Mitarbeitern - davon zirka 1200 allein in Oberbayern - auf. "Ich hoffe, alle bleiben bei der Stange, die Sonne geht für uns doch gerade erst auf", appelliert ein Kleinaktionär.Einige sind aber schon abtrünnig geworden. Das sind der Versicherer Allianz, die Bayern LB und die Lübecker Possehl-Stiftung, die zusammen 39 Prozent der Süd-Chemie-Anteile halten. OEP hat dem Trio erfolgreich 35 Euro je Aktie geboten. Ende 2004 notierte das Papier noch bei knapp 30 Euro, was einem Börsenwert von 351 Millionen Euro entsprach. Nach der Offerte von OEP stieg der Kurs spekulativ auf zuletzt über 41 Euro. Die Süd-Chemie ist jetzt eine halbe Milliarde Euro wert. Der US-Investor will mindestens die Hälfte der Anteile einsammeln und bietet anderen Aktionären ebenfalls 35 Euro je Papier. "Angesichts des aktuellen Kurses wird dafür wohl niemand verkaufen", schätzt Sebastian Kraska von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).Das ist aber ungewiss. Von den vier anderen größeren Aktionären neben dem verkaufswilligen Trio war zur Hauptversammlung niemand zu einer Stellungnahme zu bewegen. "Mit 35 Euro, da können sie heimgehen", hatte zuvor noch ein Vertreter des Süd-Chemie-Eigners Messerschmitt-Stiftung gesagt. Auch der Vorstand des Chemiekonzerns urteilt vorerst nicht über die Offerte. Dazu müsse man erst die Details der OEP-Pläne kennen, die voraussichtlich in zwei Wochen offenbart werden, sagte von Au. Zwischen den Zeilen ist seinen Ausführungen aber zu entnehmen, dass die Süd-Chemie eigentlich keine Hilfe von außen braucht. Das Unternehmen sei gut finanziert, strategisch klar ausgerichtet und auf einem ertragorientierten Wachstumskurs. Bis 2010 sollen die 2004 um 13 Prozent auf 862 Millionen Euro gestiegenen Umsätze ohne Zukäufe auf 1,2 Milliarden Euro wachsen und die im Vorjahr um ein Drittel auf 20 Millionen Euro verbesserten Nachsteuergewinne überproportional zulegen, kündigte der Konzernchef an.Über die Motive von OEP rätselt auch er. Bender spricht von negativen Erfahrungen, die man mit OEP bei anderen Unternehmen wie dem Kabelnetzbetreiber Primacom in Deutschland gemacht habe. Andere Experten bescheinigen dem US-Investor einen guten Leumund. OEP äußerte sich bislang nur vage. Man wolle Know-how und Wachstumskapital bereitstellen, Strategie und Management aber behalten.Echten Mehrwert kann darin bislang niemand bei Süd-Chemie erkennen. Der Betriebsrat äußerte deswegen Sorgen um die Arbeitsplätze. "Entweder sie setzen auf steigende Kurse, weil die Süd-Chemie ohnehin auf einem erfolgreichen Weg ist, oder sie nehmen den Laden aus", meinte ein Finanzexperte über die OEP-Ziele. Die meisten Aktionäre stimmten zu.

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