Von Aktionären und Schafen

München - Wenn der Siemens-Konzern zur Hauptversammlung ruft, findet eines der größten Aktionärstreffen Deutschlands statt. Über 10 000 Menschen werden am Donnerstag in die Münchner Olympiahalle strömen, wo sie den neuen Konzernchef Peter Löscher erleben und viel über die Aufarbeitung des Schmiergeldskandals hören werden.

Dennis Hofmann (35) organisiert seit mehreren Jahren die Hauptversammlungen bei Siemens. Im Interview spricht er über kulinarische Vorlieben von Aktionären, die Kosten für das Unternehmen und einen Überraschungsbesuch von Schafen.

Vorstandschef Peter Löscher rechnet nach eigenem Bekunden damit, dass es heuer "lebhaft" zugehen wird auf der Hauptversammlung. Sind sie nervös?

Nein. Über die Jahre entwickelt man genug Routine. Da ist eine hohe Grundsicherheit vorhanden. Die Vorbereitungen für die Hauptversammlung haben wie immer vor einem halben Jahr begonnen. Die Halle ist schon ein Jahr im voraus gebucht. Und wir erwarten etwa 10 000 bis 12 000 Aktionäre. Angemeldet haben sich 26 000. Das ist die übliche Größenordnung. Es kommen nie alle, die sich anmelden.

All die Menschen müssen auch verpflegt werden. Mancher kommt angeblich nur wegen der "Natural-Dividende". Was steht denn auf dem Speiseplan?

Das ist ja ein langer Tag. Wir öffnen morgens um 8 Uhr und bis zum Ende geht es manchmal schon bis 20 oder 21 Uhr. So lange bleiben auch einige hundert Aktionäre. Im Tagesverlauf gibt es Verschiedenes: Es fängt an mit einem kleinen Frühstück, also Croissants, Kaffee oder Tee. Über den Vormittag gibt es einige Snacks. Und dann geht es ins Mittagessen über, wobei wir keine Vollversorgung mit verschiedenen Menüs anbieten. Da sind uns wegen unserer Größe Grenzen gesetzt. Wir setzen auf leichte, kleine Gerichte. Am Donnerstag gibt es zum Beispiel Hähnchenbrustfilet im Pitabrot, Leberkäs mit Hausmachersenf und Kartoffelsalat, Lauchstrudel mit Schinken, Focacciaecken oder Quiche.

Haben sich die kulinarischen Vorlieben der Aktionäre über die Jahre verändert?

Ich habe mir alte Pläne aus den 70er- und 80er-Jahren angeschaut. Da gab es gutbürgerliche Küche zum Mittagessen, zum Beispiel Schweinebraten mit Kartoffelsalat. Das ist jetzt leichter und gesünder geworden.

Wie viel kostet eine Hauptversammlung?

Es sind am Tag der Hauptversammlung selbst etwa 220 Mitarbeiter von Siemens im Einsatz und gut 500 von anderen Firmen, zum Beispiel für Catering und Technik. Rechnet man die Versandkosten für die Einladungen an die Aktionäre dazu, sind es alles in allem etwa fünf Millionen Euro an Kosten.

Kann man das nicht auch günstiger machen?

Wir prüfen jedes Jahr, ob es Möglichkeiten gibt, die Veranstaltung etwa durch neue Technik günstiger zu organisieren. Aber man muss bedenken, dass wir mehrere hunderttausend Aktionäre formell einladen müssen. Da kann man nicht viel an den Kosten drehen. Und man will ja auch nicht am falschen Ende sparen und die ganze Hauptversammlung riskieren, weil zum Beispiel wegen eines technischen Defekts die elektronische Abstimmung nicht funktioniert.

Stimmt es, dass früher auch mit einer Rohrpost gearbeitet wurde?

Ja, Anfang der 80er-Jahre hat Siemens eine Rohrpost-Anlage in der Olympiahalle einbauen lassen für die interne Kommunikation auf der Hauptversammlung. Seit einigen Jahren läuft das natürlich elektronisch.

Zur Ausstattung zählen auch die Metalldetektoren am Eingang, die man sonst vom Flughafen kennt. Wurde schon einmal etwas Gefährliches entdeckt?

Wir haben die Schleusen seit 1983, als die Hauptversammlung zum ersten Mal in der Olympiahalle stattfand. Entdeckt werden da eher Dinge, die Aktionäre versehentlich dabei haben, etwa Taschenmesser. Aber es ist bei einer solchen Massenveranstaltung ja im Sinn aller, dass auf Sicherheit geachtet wird. Bei der letzten Hauptversammlung musste ein Aktionär einen Apfel abgeben. Der hat sich darüber dann in einer Wortmeldung beschwert. Ihm wurde sofort ein neuer Apfel ans Rednerpult gebracht.

Aber einen ernsten Zwischenfall gab es nie?

Der härteste Fall war bisher, dass einem Aktionär, der partout nicht aufhören wollte zu reden, das Mikrofon abgestellt wurde. Hinaustragen lassen mussten wir noch keinen. Vor einigen Jahren hat mal ein Aktionär drei Schafe zur Hauptversammlung mitgebracht.

Was wollte er denn mit Schafen auf der Hauptversammlung?

Das wissen wir auch nicht. Wir haben dann ein Gatter vor der Halle aufgebaut, wo er die Tiere auch während der Veranstaltung immer wieder besuchen konnte.

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