Aktionärs-Aufstand gegen Ferdinand Piëch

MAN-Hauptversammlung: - Manche Hauptversammlung wird zum Scherbengericht über Vorstandsvorsitzende. MAN-Chef Håkan Samuelsson konnte dagegen in Ovationen baden. Pfiffe der MAN-Aktionäre galten dem neuen starken Mann, Ferdinand Piëch, den die wenigsten als neuen Aufsichtsratschef wollen. Geholfen hat das nichts.<br> Filmbericht<br />

München -­ Mit fast 30 Prozent der Stimmen im Rücken hat man eine Mehrheit. Da die meisten Aktionäre auf der Hauptversammlung nicht vertreten sind, reicht das locker aus, ein Unternehmen zu beherrschen. Das verschaffte Ferdinand Piëch über von Porsche gehaltene VW-Aktien die Macht bei VW und nun auch über von VW gekaufte MAN-Anteile die bei MAN. So glich die gestrige Hauptversammlung einer verzweifelten Abwehrschlacht gegen einen übermächtigen Angreifer.

Daniela Bergdolt, Vertreterin der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), kritisierte Piëch. Es sei "kein guter Stil, bereits vor der Wahl so zu tun, als wäre man schon gewählt". Doch wollte sie mit den DSW-Aktionären im Rücken bei der Wahl dem VW-Aufsichtsratschef die Stimme nicht versagen. Das tat Harald Petersen von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SDK). "Ich gewinne den Eindruck, dass hier mit MAN gespielt wird", sagte er. Vor allem erzürnte ihn, dass sich Piëch durch Kungelei mit der IG-Metall bereits im Vorfeld eine Mehrheit im Aufsichtsrat gesichert hat. Allein mit den Arbeitnehmervertretern hätte Piëch schon eine Mehrheit im Kontrollgremium. Er bringt aber noch Audi-Chef Rupert Stadler und VW-Nutzfahrzeuge-Chef Stephan Schaller mit. "Sie sollten sich von den Arbeitnehmern wählen lassen", forderte Petersen unter dem Beifall der anderen Anteilseigner von Piëch, "und einen Teil der Vergütung an die Gewerkschaft geben."

Für Konzernchef Samuelsson dagegen gab es viel Lob. "Ich bin hier als Aktionärsschützer arbeitslos", sagte Petersen. Doch dann der scharfe Seitenhieb auf Piëch. Es sei die erste Hauptversammlung, "wo ich den Eindruck habe, ein hervorragendes Management gegen Aktionäre schützen zu müssen".

Samuelsson versuchte das Lob gleichmütig hinzunehmen. Schließlich wird er sich mit Piëch arrangieren müssen. So betonte er mehrfach die Übereinstimmung seiner Vorstellungen mit denen von VW. Auf Nachfrage war ihm zu entlocken, dass der am Ende an VW gescheiterte Übernahmeversuch von Scania zunächst mit Wolfsburg abgesprochen war. Erst als Piëch sich querstellte, scheiterte das Vorhaben ­ was die MAN-Bilanz für 2006 mit 20 Millionen Euro belastete. So blieb Piëch der Buhmann der Aktionäre, während Samuelsson erneut ein gutes Quartalsergebnis verkünden konnte. Vor allem die Umsatzrendite von 9,5 Prozent fand Beifall. Diese übertreffe "die Rendite von VW um mehr als das Dreifache", sagte DWS-Vertreter Christian Strenger. Fonds-Sprecher gingen mit Piëch noch härter ins Gericht als die Aktionärsschützer. "Ihnen fehlt der Erfolgsnachweis", sagte Strenger zu Piëch. "Volkswagen vernichtet wertmäßig Kapital." Piëch habe vorgeführt, "wie man ein Unternehmen auf die billige Tour unter Kontrolle bringt". Hermes-Fonds-Manager Hans-Christof Hürth forderte von Volkswagen "ein faires Übernahmeangebot".

Gebracht hatte das nichts. Piëch bekam zwar neben dem hörbaren Unmut der Aktionäre das schlechteste Ergebnis aller Vertreter der Kapitalseite zu spüren. Doch das reichte zur Machtübernahme: 73,26 Prozent der Stimmen (die an die Aktien gebunden sind) entfielen auf den Porsche-Erben und starken Mann bei Volkswagen. Üblich sind bei solchen Wahlen Ergebnisse um 90 Prozent.

Vor allem das fast einhellige Eintreten der Aktionäre für den Konzernchef dürfte allerdings dem neuen Aufsichtsratschef seine Grenzen aufzeigen. Strenger machte deutlich, dass der MAN-Chef auch bei einem neuen Fusions-Anlauf die führende Rolle spielen müsse. Denn sonst könnte für den VW-Aufsichtsratschef, der den MAN-Chef bereits in Frage gestellt hatte, die nächste Wahl noch enger werden. "Welche Lösung auch gefunden wird, sie darf nicht dazu führen, dass MAN Håkan Samuelsson verliert", sagte Daniela Bergdolt, die diesmal noch für Piëch stimmte. Der neue starke Mann steht unter Beobachtung. "Wir haben hier kein niedersächsisches Landrecht", sagte DWS-Mann Strenger, "wir sind in Bayern".

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