Aktionärsrevolte bei Infineon gescheitert

München - Die beispiellose Aktionärsrevolte beim Münchner Chiphersteller Infineon ist auf der Hauptversammlung gescheitert.

Die Hauptversammlung hat den vom britischen Pensionsfonds Hermes vorgeschlagenen externen Bewerber für den Aufsichtsrat Willi Berchtold am Donnerstag mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Er erhielt 72,6 Prozent Nein-Stimmen. Berchtold war als Gegenkandidat zum designierten Aufsichtsratschef Klaus Wucherer angetreten. Wucherers Wahl galt nach der Ablehnung Berchtolds als sicher. Er hat angekündigt, nur für ein Jahr an der Spitze des Aufsichtsratsgremiums bleiben zu wollen und dann für einen Nachfolger Platz zu machen.

Im Verlauf der Hauptversammlung war es davor zu heftiger Kritik an Wucherer und vor allem am scheidenden Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley gekommen. Hans-Christoph Hirth vom britischen Pensionsfonds Hermes, der Berchtold nominiert und damit die Aktionärsrevolte bei Infineon ausgelöst hat, warf dem alten Aufsichtsrat eine über Jahre hinweg verfehlte Personalpolitik vor. Wucherer sei seit 1999 dabei und mitverantwortlich.

Kritik an erbittertem Schlagabtausch

Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) kritisierte, dass es bereits vor der Hauptversammlung zu einem “erbitterten Schlagabtausch“ gekommen sei. Dies sei nicht zum Wohle des Unternehmens gewesen. Insbesondere Kley habe hier versagt, erklärte sie unter dem Applaus der Aktionäre. “Sie hätten diese Schlammschlacht verhindern müssen“, rief Bergdolt dem Aufsichtsratsvorsitzenden zu.

Auch Hans-Martin Buhlmann, von der Vereinigung Institutioneller Privatanleger hatte sich für Berchtold ausgesprochen. Kley hatte die Kritik der Aktionäre dagegen zurückgewiesen und für Wucherer geworben. Der jetzt eingeschlagene Weg müsse fortgesetzt werden: “Kein Neuanfang vom Neuanfang, Stabilität statt Destabilisierung“, sagte Kley.

Auch Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) hatte sich für Wucherer ausgesprochen. Der Gegenvorschlag sei zu spät gekommen. Ein Vertreter der Fondsgesellschaft Union Investment hatte ebenfalls, Wucherer den Rücken gestärkt. Nach einem Jahr müsse dann aber wie angekündigt auch Schluss sein, sagte er. Infineon müsse wieder zur Ruhe finden und zum Geschäft zurückkehren. “Jetzt ist der falsche Augenblick, die Sense im Aufsichtsrat kreisen zu lassen.“

Berchtold hatte für sich mit der Perspektive eines Neuanfangs “auch an der Spitze des Aufsichtsrates“ geworben. Wucherer hatte dagegen argumentiert, der Neuanfang bei Infineon sei bereits gemacht. “Diskussionen über den Neuanfang halte ich für unnötig und gefährlich“, sagte er. Dies lenke nur von der täglichen Arbeit ab. Über den Vorsitz des Aufsichtsrates stimmten die Aktionäre am Donnerstag nicht ab. Dies Entscheidung trifft wie üblich das Kontrollgremium selbst. Es sollte direkt im Anschluss an die Sitzung tagen.

DAPD

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