Aktionärsschützer setzen Siemens-Chef unter Druck

München - Aktionärsschützer halten in der Siemens-Schmiergeldaffäre Schadenersatzforderungen gegen die Ex-Vorstände für unabdingbar, falls sich Beweise für Verfehlungen ergeben sollten.

"Falls der jetzige Vorstand davon Kenntnis hat, dass das frühere Management von Korruption wusste, müssen sie meines Erachtens Schadenersatzansprüche geltend machen, da gibt es gar kein Vertun", sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz der Deutschen Presse-Agentur dpa in München. "Ganz Siemens hat ein Vertrauens- und Imageproblem in der Außendarstellung." Um gegenzusteuern, müsse Konzernchef Peter Löscher durchgreifen.

"Es darf keine Rücksicht auf irgendetwas genommen werden, auch nicht auf irgendwelche langjährigen Verdienste. Dafür sind die Vorwürfe einfach zu gravierend", sagte Bergdolt. Dies sei auch als Signal an die mächtige US-Börsenaufsicht SEC wichtig, von der Siemens in der Schmiergeldaffäre die größte Gefahr droht. "Eines ist sicher: Die SEC ist knallhart und nimmt auf Befindlichkeiten und frühere Verdienste keine Rücksicht", sagte Bergdolt. In Medienberichten war immer wieder über eine mögliche Milliarden-Strafe der amerikanischen Börsenaufsicht gegen Siemens spekuliert worden. "Wenn die Strafe so ausfällt, dass wir das Ergebnis eines Jahres verbrennen, ist das natürlich schon dramatisch", sagte Bergdolt.

Den kürzlich bekanntgewordenen Brief Löschers an die Siemens-Mitarbeiter bezeichnete die Aktionärsschützerin als "Zeichen der Ernsthaftigkeit". Darin hatte der Konzernchef erklärt, es habe aus der "Mitte des Unternehmens" heraus "über längere Zeit unverantwortliches und wohl auch kriminelles Handeln" gegeben, das Unternehmen tue alles für eine vollständige Aufklärung. Generell habe sich Löscher in seinen bisherigen Äußerungen zu dem Korruptions-Skandal "absolut positiv und absolut konsequent" gezeigt, sagte Bergdolt.

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