325 000 Aktive, 800 000 Rentner: GM steht das Wasser bis zum Hals

- Detroit - Die einst glorreiche US-Autoindustrie kämpft um ihre Zukunft. Der Abbau von 30 000 Jobs bei General Motors - rund jeder sechsten Stelle im Heimatmarkt Nordamerika - zeigt den Ernst der Lage. Stark gesunkener Absatz, vor allem bei schweren Jeeps und Pick-ups, erdrückende Pensionslasten und der Vormarsch japanischer Konkurrenten: Den US-Autobauern steht das Wasser bis zum Hals.

General Motors (GM) war einst das Symbol amerikanischer Wirtschaftsmacht. Heute ist der Konzern das Beispiel für die Probleme der Branche. Nach Milliardenverlusten wird immer häufiger über einen Insolvenzantrag spekuliert. Die Aktie fiel binnen eines Jahres um 40 Prozent auf den tiefsten Stand seit mehr als 20 Jahren. Inzwischen denkt der Konzern über den Verkauf des wichtigsten Gewinnbringers, der Finanzsparte GMAC nach, die nach Schätzungen bis zu zehn Milliarden Dollar wert sein könnte.

Das Kernproblem: Auf 325 000 aktive Beschäftigte kommen rund 800 000 Rentner oder Familienangehörige, für deren Gesundheitsversorgung der Konzern aufkommen muss. Im vergangenen Jahr addierten sich die Gesundheitsausgaben auf 5,6 Milliarden Dollar - und verteuerten jedes in Amerika gebaute Auto von GM um fast 1500 Dollar.

In Nordamerika summierte sich der Verlust seit Jahresbeginn auf rund 4,8 Milliarden Dollar. Und mit den erwarteten "erheblichen Belastungen" durch die Kosten des Stellenabbaus dürfte es weitere Hiobsbotschaften geben. Die Gewerkschaft UAW nannte die neuen Pläne bereits "unfair und enttäuschend" und warnte, dass die 2007 anstehende nächste Verhandlungsrunde gerade schwieriger geworden sei.

Doch so schlimm wie die Altlasten ist für GM die Marktentwicklung: Im Oktober fielen die gesamten US-Auslieferungen von General Motors um mehr als ein Fünftel auf knapp 258 000 Fahrzeuge, während Toyota mit günstigeren und sparsameren Autos um fünf Prozent vorrückte und zwei Drittel der GM-Verkäufe erreichte. Weltweit könnte Toyota bereits im kommenden Jahr GM an der Spitze der Branche ablösen, wird geschätzt.

Für Konzernchef Wagoner geht es bei der anstehenden Sanierung um Kopf und Kragen. Dass ausgerechnet jetzt auch noch die frühere Tochter Delphi Insolvenz angemeldet hat und daraus weitere Milliardenbelastungen für GM resultieren, macht seinen Job nicht leichter. Mehr als einmal hat Wagoner bereits Spekulationen über einen bevorstehenden Rücktritt vehement abgeschmettert. "Ich habe an nichts anderes gedacht als daran, wie wir in unserem Geschäft die Wende schaffen können", versicherte er am Montag bei der Ankündigung des Stellenabbauplans.

Wagoner schweigt sich aus, wann denn GM wieder Gewinne einstreichen könnte. Branchenexperten zweifeln ohnehin daran, dass die angekündigten Sparmaßnahmen reichen werden. Nach Abschluss aller Sanierungsschritte werde GM allenfalls "marginal profitabel" sein, glauben Analysten der Deutschen Bank.

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