Akupunktur und Co.: Welche Alternativ-Medizin die Kasse zahlt

- Für Patienten mit chronischen Knie- oder Rückenschmerzen ist es ein Meilenstein: Künftig ist eine lindernde Akupunkturbehandlung am Knie und im Lendenwirbelbereich übliche Kassenleistung. Das heißt aber gleichzeitig, dass bei allen anderen Beschwerden der Einsatz der heilenden Nadeln nicht von den Kassen erstattet werden darf. Wer auf alternative Heilmethoden Wert legt, sollte vorher klären, was die Kasse zahlt, oder eine Zusatzversicherung abschließen.

"Es ist schwer, unseren Versicherten klar zu machen, dass wir Akupunktur im unteren Bereich der Wirbelsäule bezahlen, im oberen aber nicht", sagt Hermann Bärenfänger von der Techniker Krankenkasse. Doch die Versicherer sind an das Gesetz gebunden. Es bleibt ihnen nur ein kleiner Spielraum außerhalb des Leistungsverzeichnisses, in dem einige Kassen Behandlungskosten für Homöopathie, anthroposophische Medizin oder Chirotherapie übernehmen können, nach dem Motto: Was nicht ausdrücklich ausgeschlossen ist, ist auch nicht verboten.

Bewährte Naturheilverfahren sind inzwischen auch bei den gesetzlichen Versicherern salonfähig geworden - sofern sie von Schulmedizinern mit Zusatzausbildung ausgeführt werden. Vorreiter ist die Securvita BKK, die ihren Versicherten umfassende alternative Therapien wie Homöopathie oder anthroposophische Medizin ermöglicht. Auch die Deutsche BKK erstattet homöopathische Behandlungen wie auch die AOK Bayern zum Teil. Andere Kassen erstatten Kosten im Bereich Osteopathie, Reflexzonenmassage oder Atemtherapie.

"Alternativ" und "Natur", das sind Schlagworte, die Patienten aufhorchen lassen. Die alternative Medizin wird dabei "sehr als Wettbewerbsinstrument eingesetzt", hat Kristina Reis-Steinert vom Gemeinsamen Bundesausschuss erfahren. Dieses Gremium entscheidet, was in den Leistungskatalog aufgenommen wird. Sie rät dazu, vor einer Behandlung genau nachzufragen, was und wann eine Kasse tatsächlich bezahlt. Denn oft wird die sanfte Medizin lediglich im Einzelfall gewährt, nur bei einer stationären Behandlung oder im Rahmen der vertragsärztlichen Leistung. Das bedeutet im Klartext: Für eine zeitaufwändige homöopathische Anamnese, die oft zwei Stunden dauert, kann der Arzt nur den üblichen Kassensatz abrechnen, der zwischen zehn und 15 Euro liegt. Hat die Kasse keine Vereinbarung zur Sondervergütung getroffen, verzichtet der Arzt womöglich auf das gründliche Gespräch oder der Patient muss aus eigener Tasche zuzahlen.

Versicherung sollte 500

bis 1000 Euro gewähren

Patienten sollten vor allem nach Modellprojekten der Krankenkassen Ausschau halten. "Das ist der erste und billigste Schritt, an eine günstige, umfassende alternative Therapieform zu gelangen", sagt Dörte Elß, Gesundheitsexpertin bei der Verbraucherzentrale Berlin. Momentan bieten fast alle Kassen Akupunkturbehandlungen noch als Modellprojekt an, solange der neue Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses, Akupunktur als übliche Kassenleistung anzuerkennen, noch nicht als Gesetz erlassen ist. Eine Alternative ist eine private Zusatzversicherung.

Versicherungspakete für die ambulante Versorgung schließen häufig auch die Behandlung durch Heilpraktiker ein. Entscheidend ist, dass die prozentuale Beteiligung an der Gesamtrechnung möglichst bei 70 bis 80 Prozent liegen sollte, mindestens 500 bis 1000 Euro im Jahr sollte der Versicherer gewähren. "Günstig ist, wenn nach dem Hufeland-Verzeichnis erstattet wird", betont Heidemarie Krause-Böhm von der Verbraucherzentrale Bayern. Denn dieses Leistungsverzeichnis ist wesentlich umfangreicher als die üblichen Gebührenordnungen für Heilpraktiker und Ärzte.

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