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25 700 Menschen arbeiten in deutschen Opel-Werken. Sie sollen mit Nullrunden beim Lohn zur Sanierung der schwer lädierten Konzernmutter beitragen.

General Motors zieht Opel mit in die Krise

Alarmstimmung in deutschen Werken

Rüsselsheim/Washington - Die Krise beim US-Autogiganten General Motors droht die deutsche Tochter Opel mit in den Abgrund zu reißen. Bei den Rettungsbemühungen für die Autokonzerne kam es unterdessen zum Streit zwischen dem amtierenden US-Präsidenten George W. Bush und seinem Nachfolger Barack Obama.

Der traditionsreiche Autobauer Opel ist erneut in Not - doch dieses Mal ist die Misere nicht selbst verschuldet. Der Mutterkonzern General Motors (GM) fährt - ebenso wie seine Wettbewerber Ford und Chrysler - mit hohem Tempo immer tiefer in die Krise und hat seine europäische Tochter auf dem Beifahrersitz.

Eine verfehlte Modellpolitik, der Absatzeinbruch in den USA, die weltweite Finanzkrise und Milliardenverluste haben GM kurz nach seinem 100. Geburtstag an den Rand der Insolvenz gebracht. Die Pleitegerüchte mehren sich.

Da kommt auch der bisherige Hoffnungsträger Opel nicht ungeschoren davon: Ein Sparprogramm über 750 Millionen Euro und eine Nullrunde für die Mitarbeiter-Löhne hat GM seiner Tochter bereits verordnet. Ob das reichen wird, ist offen. Auch in Europa bricht der Absatz weg, Produktionsstopps sind die Folge.

Die knapp 25 700 Opel-Beschäftigten in den deutschen Werken sind sauer auf die Amerikaner. "Opel muss das ausbaden, was GM verschuldet hat", schimpft der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel. Der Eindruck mache sich breit, dass GM bei Opel besonders hart kappe, um sein Heimatgeschäft zu retten.

Schon vor drei Jahren hatte GM nach jahrelangen Verlusten in Europa 9000 Stellen gestrichen - das war der schwerste Einschnitt bei Opel in der Nachkriegsgeschichte. Doch die Lage ist heute weitaus dramatischer als 2005. "Damals konnte Opel sich beim großen Bruder GM anlehnen - heute ist es eine existenzielle Krise, weil man nicht weiß, ob es den Konzern morgen noch gibt", sagt Autoexperte Christoph Stürmer vom Prognose-Institut Global Insight.

Das Europageschäft mit Opel und der schwedischen Marke Saab litt im abgelaufenen Quartal unter den Verlusten von GM: Um die Bilanz für die USA zu schönen, schob die Mutter laut Betriebsrat kurzerhand Verluste über den Atlantik, sodass dort die beängstigende Summe von einer Milliarde Dollar (780 Millionen Euro) an Einbußen anfiel.

Der Streit zwischen GM und Opel ist nicht neu. Vor allem die kulturelle Distanz schafft seit Jahrzehnten Probleme. Seit den 60er-Jahren waren die Opel-Chefs fast ausnahmslos Amerikaner, die zwar die Kosten senkten, dabei aber allzu oft die Qualität aus dem Auge verloren.

Mängel häuften sich. Der Marktanteil lag in Deutschland 1993 noch bei gut 17 Prozent - zuletzt waren es im Oktober 2008 gerade einmal 7,2 Prozent. Doch in den vergangenen Jahren hat Opel bei Qualität und Design aufgeholt. "Für Opel ist die Entwicklung bei GM tragisch, weil sie mit guten Modellen gut aufgestellt sind", sagt Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft.

Manch ein Opelaner wünscht sich, vollständig aus dem Schoß der ungeliebten US-Mutter wegzukommen. "Ein Verkauf wäre die beste Lösung", sagt der Autoexperte des Bankhauses Metzler, Jürgen Pieper. Kleinwagen wie der Astra und der Corsa hätten gute Chancen auf dem Markt. Es gäbe derzeit aber keinen Käufer, weil der ein paar Milliarden Euro aufbringen und zusätzlich viel in neue spritsparende Technologien investieren müsste, erklärt sein Kollege Stürmer. Und letztlich glaube niemand ernsthaft, dass GM seine wertvollste Firma tatsächlich verkauft.

Um das Internationale Technische Entwicklungszentrum in Rüsselsheim, wo 6000 gut bezahlte Ingenieure die Plattformen für die Mittel- und Kompaktwagenklasse entwickeln, hat der Betriebsrat am meisten Angst. Ein vom US-Staat massiv gestützter GM-Konzern könnte die wichtigen Entwicklungsaufgaben nach Detroit abziehen.

Der designierte US-Präsident Barack Obama hat Amtsinhaber George W. Bush indes zu schnellen Hilfen für die notleidende Autoindustrie aufgefordert. Er drängte Bush dazu, eine entsprechende Initiative der Demokraten im Kongress zu unterstützen, die 25 Milliarden Dollar für die Autoindustrie vorsieht. Bush signalisierte mögliche Unterstützung. Im Gegenzug müssten die Demokraten aber ihren Widerstand gegen ein Handelsabkommen mit Kolumbien aufgeben.

Dazu seien aber weder Obama noch die Demokraten im Parlament bereit, hieß es. GM droht innerhalb der nächsten Monate das Geld für Lohnzahlungen auszugehen. Beim Amtsantritt von Obama, dem 20. Januar 2009, könnte es für das Unternehmen bereits zu spät sein.



Marion Trimborn

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