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Alarmstimmung wegen Übernahmeplänen für Hochtief

Essen/Madrid - ACS hat mit seinen Übernahmeplänen für Hochtief hektische Betriebsamkeit ausgelöst. Der Essener Baukonzern hofft auf die Politik. Eine Änderung des Übernahmerechts ist umstritten - und könnte für Hochtief ohnehin zu spät kommen.

Die geplante Übernahme von Hochtief durch den spanischen Baukonzern ACS sorgt in Deutschland für Alarmstimmung. Während ACS ausreichend Kapital einsammeln will, sucht der Essener Konzern nach Wegen, sich gegen die Übernahme zu stemmen. Das Kanzleramt ist nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins “Der Spiegel“ stärker mit dem Übernahmekampf befasst als bisher bekannt. So sei Hochtief-Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter bereits zweimal zu Gesprächen mit dem Wirtschaftsberater der Regierung im Kanzleramt gewesen.

Die Politik diskutiert über eine Änderung des deutschen Übernahmegesetzes. Das Land Nordrhein-Westfalen prüft eine entsprechende Bundesratsinitiative. Für Hochtief könnte ein Gesetz allerdings zu spät kommen. Der Darmstädter Wirtschaftsrechtler Uwe Schneider sagte der “Wirtschaftswoche“, nur durch eine Gesetzesänderung seien feindliche Übernahmen deutscher Unternehmen zu verhindern. Auch der Hauptverband der Bauindustrie drängte laut “Spiegel“ in einem Brief an das Wirtschaftsministerium darauf, Schutzlücken im Gesetz zu schließen.

Dagegen sieht der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Joachim Pfeiffer (CDU), keinen Handlungsbedarf. “Wer Aktien kauft, hat Risiko und Chance. Eine Übernahme kann sich hierbei sowohl positiv als auch negativ auswirken“, sagte er der Wirtschaftszeitung “Euro am Sonntag“.

Am Freitag hatte das ACS-Kontrollgremium für den 19. November eine außerordentliche Aktionärsversammlung beschlossen. ACS bereite sich auf alle Eventualitäten vor und sichere das Übernahmeangebot gegen jegliche Abwehrmaßnahmen von Hochtief ab, teilte das Unternehmen mit. Bis zu 50 Prozent neue Aktien sollten auf den Markt gebracht werden. Das könnte einen kleinen Milliardenbetrag ergeben. Ursprünglich wollte ACS der deutschen Finanzaufsicht Bafin das Übernahmeangebot bis zum 14. Oktober vorlegen, auf Wunsch der Spanier wurde die Frist dann aber um vier Wochen verlängert.

Der Chef des Baukonzerns Bilfinger Berger, Herbert Bodner, würde sich nach eigenen Worten einer koordinierten Hilfe für Hochtief nicht verschließen. “Natürlich könnten wir uns vorstellen, auch einen Beitrag zu leisten, wenn es eine entsprechende Initiative gäbe“, sagte Bodner der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Samstag). Als “weißer Ritter“ sehe er Bilfinger aber nicht. Allein könnte und würde der Konzern keine Sperrminorität bei Hochtief übernehmen.

Den Vorschlag von SPD-Chef Sigmar Gabriel, wonach die Bundesregierung sich aktiv um ein Konsortium für eine Sperrminorität bemühen solle, lehnte Bodner ab. “Eine politische Lösung wäre der falsche Weg, der Staat kann keinem Unternehmen eine Bestandsgarantie geben.“

dpa

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