Aldi lässt nun auch per Karte zahlen

- Berlin - Es ist noch gar nicht so lange her, dass sich Deutschlands Discounter alles in bar bezahlen ließen. Wenn bei Aldi, Lidl oder Penny wieder ein Billig-Computer im Angebot war, mussten sich die Kunden mit Geldschein-Bündeln in die Schlange einreihen. Solche Szenen gehören der Vergangenheit an. Als letzter großer Discounter hat jetzt auch Aldi komplett auf Kartenzahlung umgerüstet. Das aktuellste Angebot kann nun überall auch mit EC-Karte gekauft werden.

Die letzte von bundesweit 3700 Filialen wurde mit einem Kartenlesegerät ausgestattet. Zu den Gründen für die Umstellung will sich Deutschlands größter Discounter nicht äußern. Bei aller Sparsamkeit blieb Aldi aber wohl nichts übrig, als sich dem Druck des Marktes zu beugen.

Im Unterschied zu früheren Jahren haben die Billigheimer heute viel mehr höherpreisige Waren aus dem Nicht-Lebensmittel-Bereich im Angebot. "Die Discounter sind mit der Barzahlung jahrzehntelang sehr gut gefahren", sagt Michael Gerling, Geschäftsführer des Eurohandelsinstituts (EHI) mit Sitz in Köln. "Aber heute kann man keinem Kunden mehr zumuten, dass er den Computer oder die Digitalkamera bar bezahlen muss."

Damit setzt sich bei Aldi, Lidl & Co. nun durch, was in anderen Bereichen des Einzelhandels längst schon üblich ist. Nach einer Studie des EHI wurden im vergangenen Jahr 31,6 Prozent des Gesamtumsatzes von 350 Milliarden Euro per Karte abgewickelt; im Jahr 1994 waren es erst 6,2 Prozent. "Es gibt immer noch Kunden, die aus der deutschen Bargeld-Generation kommen", meint Gerling. "Aber den meisten ist es inzwischen egal, wie sie bezahlen."

Für den Einzelhandel ist aber durchaus von Bedeutung, ob der Kunde Karte oder Scheine zückt. Die Kosten an der Kasse können sehr unterschiedlich sein. Allgemein gilt Bargeld als billiger als die Karte, weil weniger Technik und weniger Gebühren anfallen. Andererseits dauert das Bezahlen häufig länger. Außerdem werden zum Beispiel Kosten für Bestückung, Geldtransporter oder Nachttresor fällig. Das EHI schätzt, dass beim Händler pro Zahlungsvorgang in bar im Durchschnitt rund 30 Cent anfallen.

Bei Zahlung mit Kreditkarte (2004: 5 Prozent aller Zahlungen) werden die höchsten Gebühren fällig, die sich je nach Kreditkartenfirma sehr unterscheiden können. Die Zahlung mit EC-Karte und Unterschrift (16,9 Prozent) ist dagegen kostenlos. Weiterer Unterschied: Bei Zahlung mit PIN-Eingabe gibt es eine Deckungsgarantie, bei Zahlung per Unterschrift nicht.

Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) hat gegen den Trend zur Karte nichts einzuwenden. "Eigentlich ist Bargeld lästig", sagt HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr. "Uns ist es recht, wenn mit Karte bezahlt wird. Aber die hohen Gebühren ärgern uns."

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