Heftige Kritik

Supermarktchefs schäumen wegen neuer Regeln: „Endlose Warteschlangen, kontraproduktiv, nicht nachvollziehbar“

  • Thomas Schmidtutz
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Bund und Länder haben sich vor gut einer Woche auf eine Verlängerung des Teil-Lockdowns verständigt. Außerdem gelten seit 1. Dezember neue Regeln für den Einzelhandel.

  • Im Kampf gegen die Corona-Pandemie haben sich Bund und Länder auf neue Beschränkungen für den Einzelhandel geeinigt.
  • Danach sollen ab 800 Quadratmeter Verkaufsfläche noch weniger Kunden in die Läden dürfen als unterhalb dieser Marke.
  • In der Branche sorgt das für Unmut.
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Update vom 2. Dezember 2020 – Die neuen Zugangsbeschränkungen für den Einzelhandel stoßen in der Branche auf völliges Unverständnis. „Wir halten die Begrenzung der Kundenzahl ab 800 Quadratmeter Verkaufsfläche für kontraproduktiv und nicht nachvollziehbar“, sagte Edeka-Chef Markus Mosa. Auch der Vorstandsvorsitzende der Kölner Rewe-Gruppe Lionel Souque ging mit der Neuregelung scharf ins Gericht. Sie werde vor Weihnachten „zu endlosen Warteschlangen“ und „chaotischen Situationen vor den Supermärkten führen“, sagte er dem Online-Portal Der Westen.

Ähnlich hatte sich zuvor auch der Handelsverband HDE geäußert. Es gebe „keinen sachlichen Grund, unterschiedliche Regelungen für Verkaufsflächen über und unter 800 Quadratmetern zu erlassen“, hatte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth gewarnt.

Nach den seit dem 1. Dezember geltenden Regeln für den Einzelhandel sind bis 800 Quadratmeter Verkaufsfläche ein Kunde je zehn Quadratmetern erlaubt. Ab 800 Quadratmetern darf hingegen lediglich ein Kunde je 20 Quadratmeter in den Laden.

Aldi, Lidl, Obi oder Ikea: Ab Dezember gelten härtere Regeln - Das sollten Verbraucher beachten

Erstmeldung vom 1. Dezember, 11.30 Uhr – Im Kampf gegen die Corona-Pandemie haben Bund und Länder am vergangenen Mittwoch auch die Regeln für Supermärkte, Baumärkte, Möbelläden und Discounter verschärft. Die neuen Vorgaben sind zum 1. Dezember in Kraft getreten. Worauf sich die Kunden von Aldi, Lidl, Obi, Bauhaus oder Ikea einstellen müssen. Ein Überblick:

Corona: Auf welche neuen Regeln haben sich Bund und Länder im Einzelhandel grundsätzlich geeinigt?

Bund und Länder haben am vergangenen Mittwoch (25. November) die bereits geltenden Maßnahmen zur Corona-Pandemie verlängert – zunächst bis zum 20. Dezember. Für den Einzelhandel gelten aber ab sofort neue Richtlinien. Danach dürfen ab 1. Dezember in Geschäften mit mehr als 800 Quadratmetern grundsätzlich weniger Kunden einkaufen als bislang. Die neuen Regeln greifen damit für die allermeisten Supermärkte, für Baumärkte wie OBI, Bauhaus oder Hagebau und Möbelläden wie Ikea. Die Betreiber müssen mit Türstehern oder Abstandsmarkierungen sicherstellen, dass die Regeln auch eingehalten werden.

Welche Regeln gelten im Einzelhandel jetzt konkret?

Grundsätzlich gilt: Bis 800 Quadratmetern Verkaufsfläche ist auch weiterhin nur ein Kunde pro 10 Quadratmetern zugelassen. In einem Laden mit 600 Quadratmetern dürfen sich also maximal 60 Kunden gleichzeitig aufhalten. Über 800 Quadratmetern greift nun die verschärfte Regelung. Sie gestattet oberhalb des Grenzwerts nur noch eine Person je 20 Quadratmetern – und das macht die Regel ein bisschen knifflig. Denn bei einem Laden mit 1000 Quadratmetern gilt jetzt: Für die ersten 800 Quadratmeter dürfen 80 Kunden rein, für die verbleibenden 200 Quadratmeter aber nur noch 10.

Allerdings ist die Regelung zur maximalen Personenzahl je Flächeneinheit nicht ganz trennscharf. Im Beschlusspapier von Bund und Ländern zur 800-Quadrameter-Regel ist von „Personen“ die Rede. Damit wären bei der Ermittlung der maximal erlaubten Personen-Zahl je Geschäft auch die Mitarbeiter anzurechnen, womit die tatsächlich erlaubte Kundenzahl noch geringer ausfallen würde. In den Verordnungen auf Landesebene ist dagegen von „Kunden“ die Rede. Einzige Ausnahme ist laut Handelsverband das Land Rheinland-Pfalz. Dort bezieht sich die entsprechende Verordnung ähnlich wie im Beschlusspapier auf „Personen“.

Aldi, Lidl, Obi oder Ikea: Ab Dezember gelten härtere Regeln - so wird kontrolliert 

Teil-Lockdown wegen Corona: Ab heute gelten neue Regeln. Der Handelsverband warnt vor langen Schlangen.

Die Einzelhändler versuchen, den Vorgaben über verschiedene Ansätze gerecht zu werden. Weit verbreitet ist die Einkaufswagen-Beschränkung. Danach entspricht die Gesamtzahl der Einkaufswagen- und körbe exakt der maximal zulässigen Kundenzahl. Wenn kein Einkaufswagen mehr übrig ist, müssen Kunden auf den Einlass warten. Dieses Vorgehen war bereits beim ersten Lockdown im Frühjahr weit verbreitet. Inzwischen haben viele Filialen von Aldi, Lidl, Edeka, Kaufland oder Rewe aber technisch aufgerüstet und Ampelsysteme installiert. Dabei wird die Kundenanzahl beim Passieren einer Lichtschranke mitgezählt und dann an eine Ampel zurückgemeldet. Unklar ist dabei, inwieweit die Einhaltung der Vorgaben auch kontrolliert wird. In den Kommunen wäre dafür zunächst das Ordnungsamt zuständig.

Zählen auch Kinder mit?

Die verschärfte Regelung dient dem Infektionsschutz. Daher zählen auch Kinder bei der Maximalzahl je Flächeneinheit. Wer es also organisieren kann, sollte seine Kinder deshalb lieber zu Hause lassen. Allerdings ist das häufig nicht möglich – etwa, weil die Kinder schlicht noch zu klein sind.

Supermärkte und Baumärkte: Auf welche Regeln sollen Verbraucher beim Einkauf achten?

Verbraucher sollten genügend Zeit zum Einkauf einplanen. Wegen der maximal verfügbaren Kundenzahl kann es gerade in der Vorweihnachtszeit zu langen Schlangen kommen. Daher sollten Verbraucher auch in Schlangen vor den Geschäften Abstand halten. Außerdem sollten sie an warme Kleidung und eine Mund-Nasen-Bedeckung denken und die Masken bereits in der Warte-Schlange aufsetzen. Auf vielen Parkplätzen an Supermärkten besteht ohnehin grundsätzlich Maskenpflicht.

Aldi, Lidl, Obi oder Ikea: Welche Tage sind beim Einkaufen in diesem Jahr besonders kritisch?

In diesem Jahr fallen die Weihnachtsfeiertage auf Donnerstag (Heiligabend), Freitag (1. Weihnachtsfeiertag) und Samstag (2. Weihnachtsfeiertag). Einschließlich des Sonntags (27. Dezember) sollten die Lebensmittel also für vier Tage reichen – zumal noch völlig unklar ist, ob die Restaurants während der Feiertage überhaupt wieder öffnen dürfen.

Angesichts dieser Ausgangslage dürften sich viele Verbraucher in diesem Jahr daher Montag, Dienstag und Mittwoch (21.-23. Dezember) mit Lebensmitteln eindecken. An diesen Tagen drohen also lange Schlangen. Wer kann, sollte die Stoßzeiten am Abend vermeiden und auf Randzeiten bis zur Mittagszeit sowie am Nachmittag zwischen 14 und 16 Uhr ausweichen.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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