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Aldi, Lidl und Co.: Preiskampf mit Herstellern immer härter – Am Ende zahlen die Kunden

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Von: Lisa Mayerhofer

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Aldi und Lidl
Einzelhändler wie Aldi, Lidl und Co. liefern sich mit den Produkt-Herstellern einen heftigen Preiskampf.  © Pa/dpa/Archivbild

Einzelhändler wie Aldi, Lidl oder Rewe liefern sich mit den Produkt-Herstellern einen heftigen Preiskampf. Experten befürchten, dass die Verbraucher am Ende in die Röhre schauen.

Berlin – „Wer sich nicht wehrt, existiert bald nicht mehr“, sagt Hans-Günter Trockels, Unternehmer der Backfirma Kuchenmeister gegenüber dem Spiegel. Er befindet sich in einem Preiskampf mit den Handelskonzernen – also Supermärkten und Discountern. Sein Problem: Der Einkaufspreis für Eier und Öle habe sich verdoppelt; auch Mehl und Zucker seien teurer geworden, berichtet er. Trockels wollte deswegen 30 Prozent höhere Preise bei den Handelsketten durchsetzen. Doch die lehnten ab – und Trockels zog Konsequenzen: Er liefert seine Produkte nicht mehr aus.

Ein hochrangiger Manager eines Handelskonzerns nannte Trockels Forderungen im Spiegel dagegen „unberechtigt“. Man werde mit Lieferstopps „erpresst“. Die Lieferanten hätte sich nicht gegen steigende Rohstoff- und Energiepreise abgesichert – der Handel wolle dieses „Stümpern“ nicht ausbaden.

Aldi, Lidl, Rewe & Co.: Heftiger Preiskampf mit Herstellern

Streit zwischen Herstellern von Lebensmitteln oder Haushaltsprodukten und dem Einzelhandel wie Aldi, Lidl, Edeka, Rewe und Co. sind nicht neu. Seit Jahren herrscht zwischen den Parteien ein regelrechter Krieg um die Preise – bisher zugunsten der Verbraucher, denen im internationalen Vergleich günstige Angebote bei Lebensmitteln und Haushaltsprodukten zur Verfügung standen.

Das ändert sich nun – Aldi hat die Preise vor kurzem erhöht, andere Discounter und Supermärkte haben nachgezogen. Die Hersteller klagen aber, dass die Einzelhändler ihnen gegenüber trotzdem weiter auf Niedrigstkonditionen bestünden. „Die machen sich die Taschen voll“, sagt der Manager eines Produzenten gegenüber dem Magazin.

Bei den Einzelhändlern hört sich das anders an: Handelsriese Rewe verkündete zum Beispiel, nicht alle Kostensteigerungen der Lieferanten an die Kunden weiterzugeben und deshalb mit weniger Gewinn zu rechnen. „Wir müssen das im System verteilen“, sagte Rewe-Chef Lionel Souque bei einer Pressekonferenz laut Deutsche Presse Agentur. Die Lebensmittelindustrie müsse erstmal intern gegen Preiserhöhungen kämpfen und dann nur einen Teil weitergeben.

„Es ist klar, dass wir dieses Jahr auf unsere Spanne teilweise verzichten müssen“, so Souque weiter. Im ersten Quartal habe man bereits einen dreistelligen Millionenbetrag investiert. Der Handelskonzern Rewe wolle trotzdem nicht alle Mehrkosten auf die Kunden abwälzen.

Experten: „Die Deutschen werden langfristig mehr für Lebensmittel ausgeben müssen“

Thomas Roeb, Handelsexperte der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, beobachtet laut Spiegel beim Tauziehen zwischen Handel und Herstellern eine „neue Qualität“ des Kräftemessens. Mit negativen Auswirkungen für Verbraucher: „Die Deutschen werden langfristig mehr für Lebensmittel ausgeben müssen. Industrie, Supermärkte und Discounter ziehen alle Register, um von der aktuellen Situation zu profitieren.“

Chehab Wahby, Konsumexperte und Partner der Beratung EY-Parthenon, prognostiziert im Handelsblatt ebenso weitere Preissteigerungen. „Der Discount ist der Impulsgeber für die Preise im Markt“, sagte er. Wahby geht davon aus, dass die Discounter weiter kontinuierlich Preise anheben werden – im Eigenmarkenbereich und bei Markenartikeln: „Die Preisbewegung wird in der Breite wirken. Denn die Supermärkte werden dann jeweils nachziehen“, sagte er gegenüber der Zeitung. (lma/dpa)

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