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Ein Kuchen von Aldi sorgt derzeit für Aufregung. (Symbolbild)

Klage gegen Discounter

Aldi: Bizarrer Streit um Schokoraupe

  • Jonas Raab
    vonJonas Raab
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Ein britischer Händler hat rechtliche Schritte gegen Aldi wegen eines Kindergeburtstags-Kuchens eingeleitet. Der Discounter reagiert wie ein trotziger Partygast.

London - Von wegen Friede, Freue, Eierkuchen: Marks & Spencer (M&S) hat rechtliche Schritte gegen den deutschen Discounter Aldi eingeleitet - wegen eines Kindergeburtstags-Kuchens. Das britische Einzelhandelsunternehmen ist sich sicher: Aldis neuer Kuchen „Cuthbert the Caterpillar“ ist dem M&S-Original „Colin the Caterpillar“ zu ähnlich. Aldi zeigt sich davon unbeeindruckt und kontert bei Twitter.

„Collin“ und „Cuthbert“ also. Die beiden Kinderkuchen wirken in der Tat wie Zwillinge. Sie tragen den gleichen Nachnamen, sie bestehen aus Biskuit mit Milchschokolade, sie sind mit brauner Schokolade überzogen. Bunte Schokobonbons und ein lächelndes Gesicht aus weißer Schokolade lassen sie wie Raupen aussehen. Das Problem: Zwillinge haben die gleichen Eltern und kommen vielleicht ein paar Minuten versetzt zur Welt, nicht 30 Jahre.

Aldi und die Schokoraupe: Discounter will ein Stück vom M&S-Verkaufsschlager abhaben

M&S reichte deshalb eine Klage wegen „Diebstahls geistigen Eigentums“ beim obersten britischen Gerichtshof, dem High Court, ein. Aldi würde Kunden in die Irre führen, argumentiert M&S. Der Handelsriese möchte, dass Aldi seinen „Cuthbert“-Kuchen aus dem Verkauf nimmt und sich verpflichtet, in Zukunft keine ähnlichen Produkte mehr zu verkaufen, heißt es in der Financial Times.

Marks & Spencers Raupenkuchen „Colin the Caterpillar“ ist ein Hit in Großbritannien: Mehr als 15 Millionen Mal ist er nach Firmenangaben seit seiner Geburtsstunde 1990 verkauft worden. Über die Jahre hat die süße M&S-Raupenfamilie immer mehr Zuwachs bekommen: „Colin“ und seine Schwester, die weibliche Version „Connie“, gibt es mittlerweile als Cupcakes, Trifles, Pralinen und andere Süßigkeiten.

Aldi kupfert bei Marks & Spencer ab: Nicht die erste Markenrechtsverletzung des Discounters auf der Insel

Aldi ist nicht der erste Raupendieb auf der Brexit-Insel. „Cecil“, „Wiggles“, „Curly“ und „Clyde“ sind allesamt Kuchen von verschiedenen Herstellern. Alle tragen alle den Namenszusatz „the Caterpillar“ und ähneln dem Original von M&S doch sehr. Allerdings wirkt keiner von diesen Kuchen „Collin“ derart aus dem Gesicht geschnitten wie Aldis „Curthbert“. Laut Lebensmittelzeitung ist es nicht das erste Mal, dass Aldi wegen Verletzung von Markenrechten in Großbritannien in die Schlagzeilen gerät.

Vielleicht zeigt sich die englische Vertretung des deutschen Discounters deshalb so unbeeindruckt von der Unterlassungsklage. Auf Twitter kündigte Aldi ein, eine limitierte Version seiner „Cuthbert“-Raupe zurück in die Läden zu bringen. Die Erträge wolle man an Krebseinrichtungen spenden. „Lasst uns Geld für wohltätige Zwecke ausgeben, nicht für Anwälte“ schrieb Aldi in seinem Tweet und adressierte ihn direkt an Marks & Spencer. „Können Colin und Cuthbert keine Freunde sein?“, fragte Aldi charmant und dickköpfig zugleich.

Aldi gegen Marks & Spencer: Auf Charmoffensive bei Twitter folgt freche Antwort

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: M&S begrüßte Aldis Charity-Gedanken ausdrücklich, forderte aber erneut, dafür nicht den „Cuthbert“-Abklatsch zu nutzen. Stattdessen schlug M&S Aldi augenzwinkernd einen neuen Kuchen vor: „Kevin, der Karottenkuchen“. Die Idee gehe auf’s Haus, meint M&S. „Und wir versprechen, dann keinen Keith rauszubringen.“

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