Alitalia: Streiks legen Italiens Flugverkehr lahm

- Rom - Ein tristes Bild bietet sich in diesen Tagen den Passagieren auf dem römischen Flughafen Leonardo da Vinci: "Cancellato" prangt es überall von den Tafeln im Airportgebäude Flug gestrichen. Seit nunmehr einer Woche befinden sich Piloten, Flugbegleiter und Bodenpersonal der italienischen Alitalia im Ausstand. Wegen der Streiks folgen die Flugpläne keinen Regeln mehr, die Kunden sind sauer, das Management zeigt sich unnachgiebig.

Die größten Gewerkschaften des Landes fordern einen neuen Sanierungsplan für das angeschlagene Unternehmen, "um ihr endlich wieder eine Zukunft zu ermöglichen". Am Mittwoch sollte es ein erstes Treffen zwischen Vertretern der Gewerkschaften und der Regierung geben. Hoffnung auf eine schnelle Einigung besteht unterdessen jedoch kaum. Eine italienische Zeitungen titelte: "Ein Albtraum."

"Keiner will, dass Alitalia Pleite macht, aber wenn jemand denkt, dass die Regierung bereit ist, Hunderte Millionen Euro in die Rettung zu investieren, dann täuscht er sich", sagte Arbeitsminister Roberto Maroni von der rechtspopulistischen Lega Nord. Derartige Hilfen seien ohnehin von der Europäischen Kommission untersagt, betonte der Politiker mit genervtem Ton.

Hohe Preise, wenig Service, Billigflieger

Die noch zu 49,9 Prozent in Staatsbesitz befindliche Alitalia fliegt seit Jahren in den roten Zahlen. "Die Airline hatte den immer stärker aufkommenden Billigflug-Gesellschaften nichts entgegenzusetzen, und wegen der hohen Preise und des schlechten Service sind ihr die Kunden davongelaufen", versuchte ein Kommentator im TV eine Erklärung.

Unzufrieden sind die Arbeitnehmervertretungen unterdessen nicht nur mit den geplanten massiven Stellenkürzungen, sondern vor allem mit einer einschneidenden Umstrukturierung. Nach einer bereits erfolgten Kapitalerhöhung im Umfang von einer Milliarde Euro soll die Gesellschaft nach den Plänen ihres Chefs Giancarlo Cimoli in zwei Teile aufgespalten werden: AZ-Fly für den Flugbetrieb und AZ-Service für Wartung und Dienstleistungen. Damit würde das Kerngeschäft künftig von den übrigen Bereichen getrennt. Die Arbeitnehmer sind jedoch strikt dagegen, die Bodendienste vom Unternehmen abzutrennen.

"Alitalia hat ein schwieriges Problem", meinte Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Mit der Kapitalerhöhung habe der Konzern internationale Investitionen erhalten - und müsse jetzt die damit verbundenen Zusagen und Pläne einhalten. Und dazu gehört die bereits vor eineinhalb Jahren getroffene Vereinbarung, Alitalia zu splitten. Eine Privatisierung hält Berlusconi derweil nicht für eine Lösung: "Das würde das Dilemma der wilden Streiks auch nicht beenden."

Proteste ziehen Aktienkurs nach unten

Auch an der Börse machte Alitalia zuletzt harte Zeiten durch, brach die Aktie doch wegen der Protestaktionen zeitweise um über acht Prozent ein. Trotz der diffizilen Lage sind sich Regierung und Opposition aber einig, dass Italien eine nationale Airline braucht. Harte Verhandlungen stehen bevor, jedoch will letztlich niemand einen Konkurs riskieren.

Fraglich ist, wie lange die Kunden die Verspätungen und Streichungen noch akzeptieren, bevor sie Alitalia endgültig "addio" sagen und zur Konkurrenz wechseln. Ein wütender Passagier, der seit Stunden auf seinen Anschlussflug nach Genua wartet, bringt die allgemeine Stimmung auf den Punkt: "Die Streikenden haben sicher ihre Gründe, aber auch die Passagiere haben Rechte."

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