Alitalia will 5000 Mitarbeiter feuern: Gewerkschaft droht mit Blockade

- Rom - Monatelang wurde spekuliert und debattiert - nur konkrete Zahlen gab es nicht. Jetzt hat die Führung der maroden Alitalia die Karten auf den Tisch gelegt: 5000 der insgesamt 22 000 Arbeitsplätze müssen gestrichen werden, damit die Airline in der Luft bleiben kann. Ohne diese drastischen Maßnahmen müsste die Fluglinie Insolvenz anmelden.

<P>Jetzt gilt es, die Gewerkschaften von den Fakten zu überzeugen. Dies ist nicht einfach, sträuben sich die Arbeitnehmervertretungen doch seit Monaten gegen jeder Art von Stellenkürzung. Der Machtkampf geht in die letzte und entscheidende Runde. Wird keine Einigung erzielt, verliert Italien nach Parmalat und Cirio ein weiteres Traditionsunternehmen.</P><P>Drei Tage Streik kosteten 40 Millionen Euro</P><P>Dass die Gewerkschaften mit den Fakten nicht glücklich sind, war abzusehen. Jedoch wirkt das Tauziehen um die Sanierung auf Beobachter schon lange wie ein Teufelskreis ohne Ausweg: Wie so viele andere Fluggesellschaften kann auch die Alitalia nur in der Luft bleiben, wenn Personal gespart wird. Unternehmensberater errechneten schon vor Monaten, dass 12 000 Angestellte für die Airline absolut ausreichend sind. "Mit einem Abbau von 10 000 Arbeitsplätzen könnte die Alitalia in der Luft bleiben. Ansonsten hat sie keine Zukunft", hieß es damals.</P><P>Als das Thema Stellenkürzungen im Frühling erstmals konkret auf den Tisch kam, traten zahlreiche Mitarbeiter sofort in wilde Streiks. Als Folge verlor die Airline in nur drei Tagen 40 Millionen Euro, die Liquidität sank auf 200 Millionen Euro.</P><P>Und abgesehen von den finanziellen Konsequenzen verloren auch die Kunden durch die Ausstände mehr und mehr Vertrauen in die nicht gerade billige Staatsgesellschaft. Deutlich wurde dies im Juli und August: Der erhoffte Passagier-Boom in der Sommerreisezeit blieb aus und der heimische Marktanteil brach auf 45 Prozent ein - nach 66 Prozent noch vor zwei Jahren.</P><P>Einige der insgesamt neun italienischen Luftverkehrs-Gewerkschaften sind sich über das Dilemma im Klaren. Andere fahren weiter die harte Linie. Die Arbeitnehmervertretung Cub bezeichnete den Sanierungsplan als "Stellen-Massaker" und kündigte eine General-Mobilisierung an, durch die der Flugverkehr erneut blockiert werden soll. Vor allem die geplante Kürzung von 450 Piloten-Stellen sei verheerend, hieß es von Seiten der Piloten-Gewerkschaft. "Mit dem starken Personal-Abbau wird die Alitalia kaum noch fähig sein, weiter in der Luft zu bleiben."</P><P>Ein Teufelskreis. Denn falls es nicht bald zu einer Einigung kommt, will die italienische Regierung auch den kürzlich von Brüssel genehmigten Überbrückungskredit von 400 Millionen Euro nicht freigeben. Ohne dieses Geld ist die Gesellschaft aber bis Ende des Monats zahlungsunfähig. Verkehrsminister Pietro Lunardi hatte das ganze Alitalia-Dilemma schon vor Wochen auf den Punkt gebracht: "Wenn die Arbeitnehmervertretungen nicht mit uns zusammenarbeiten, stehen bald alle 22 000 Mitarbeiter auf der Straße."</P>

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