Alle Beschuldigten in Siemens-Affäre frei

- München -­ Kurz vor Weihnachten sind alle Beschuldigten im Siemens-Korruptionsskandal aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Sie hätten umfassende Aussagen gemacht und den Tatverdacht der Untreue durch Bildung schwarzer Kassen erhärtet, sagte Oberstaatsanwalt Anton Winkler in München.

Die Haftbefehle gegen den weiter dringend tatverdächtigen ehemaligen Konzernvorstand Thomas Ganswindt und die vier weiteren Verdächtigen seien gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt worden. Siemens und alle Beschuldigten hätten sich kooperationsbereit gezeigt. Die Vernehmungen der Beschuldigten und Zeugen seien zunächst abgeschlossen. In den kommenden Wochen stehen die Bewertung der Aussagen und die Auswertung der sichergestellten Unterlagen an.

Nach Angaben von Siemens-Vorstandschef Klaus Kleinfeld und Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer hatte eine Gruppe von Siemens-Managern in der Telekommunikationssparte von 1999 bis 2006 dubiose Zahlungen über 420 Millionen Euro geleistet. Siemens hatte deshalb seine Konzernbilanz nachträglich korrigieren müssen und US-Aufklärer Michael Hershman mit Anti-Korruptions-Ermittlungen beauftragt.

Nach einem Bericht des Magazins "Stern" ermittelt die Wuppertaler Staatsanwaltschaft bereits seit zwei Jahren gegen einen ehemaligen EU-Projektmanager. Diesem sollen Siemens-Mitarbeiter neben Geld auch eine britische Luxuslimousine für einen Kraftwerksauftrag versprochen haben. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Wuppertal sagte, dass sich die Ermittlungen noch mindestens ein Jahr hinziehen könnten.

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