Alle Dax-Unternehmen legen demnächst Vorstandsbezüge offen

- Berlin/München -­ Die Zeit der Appelle ist endgültig vorbei: Börsennotierte Unternehmen in Deutschland müssen dieses Jahr erstmals die Bezüge ihrer Vorstände offenlegen. In den Geschäftsberichten für 2006, die in den nächsten Wochen verteilt werden, können Aktionäre nachlesen, ob die Vorstände bekommen, was sie aus Sicht der Eigentümer verdienen.

Völlige Transparenz bringt die neue Pflicht zur Offenheit aber nicht. Denn von den 1200 börsennotierten Firmen hierzulande haben laut der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) etwa 200 eine Hintertür des Gesetzes genutzt: Wenn es die Hauptversammlung mit Dreiviertel-Mehrheit beschließt, können die Gehälter der einzelnen Vorstände geheim bleiben.

Auch eine so renommierte Adresse der deutschen Wirtschaft wie Porsche hat ganz legal beschlossen, die Saläre der Konzernlenker auch künftig vor aller Augen abzuschirmen. "Ich denke, die großen international am Kapitalmarkt agierenden Unternehmen sollen offenlegen; das ist internationaler Standard", sagte Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger unserer Zeitung. Dass kleinere Familienunternehmen nicht offenlegen, kann man noch hinnehmen. Aber Porsche, obwohl von einer Familie dominiert, ist hier "etwas hinterwäldlerisch". Alle Dax-30-Unternehmen werden laut Keitel heuer offenlegen. Für Aktionäre von BMW, BASF, Fresenius Medical Care, Henkel, Linde, Münchener Rück und Daimler-Chrysler gibt es damit erstmals Klarheit über die individuellen Bezüge der Vorstände. "Das zeigt, wie nötig das Gesetz ist", sagt DSW-Sprecher Jürgen Kurz. Daimler-Chrysler-Boss Dieter Zetsche hatte bei der Hauptversammlung im vergangenen Jahr immerhin schon sein Grundgehalt verraten: 1,5 Millionen Euro.

Neben dem festen Einkommen erhalten die Manager eine Reihe variabler Vergütungen, die vom geschäftlichen Erfolg abhängen. Und auch Gewinnbeteiligungen, Aktienoptionen, Provisionen und sonstige Nebenleistungen aller Art müssen nun im Anhang zum Jahresabschluss für jedes Vorstandsmitglied einzeln beziffert werden. Firmen, die umfassend informieren, dürften davon in puncto Anlegervertrauen profitieren, heißt es im Haus von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries, die das Gesetz 2005 auf den Weg brachte. Ein Manko sei aber, dass die Standards nicht einheitlich und klar genug seien, beklagt Aktionärsschützer Kurz: "Da ist immer noch viel Spielraum, trotzdem im Ungefähren zu bleiben."

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