Alle hüllen sich in Schweigen: Milliarden-Poker um die Postbank

- Frankfurt - Trotz der anhaltenden Spekulationen wird eine Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank immer unwahrscheinlicher. Der erweiterte Vorstand der größten deutschen Bank beriet gestern über einen möglichen Kauf der Postbank, ohne ein Ergebnis mitzuteilen. Die Deutsche Bank ist Konsortialführerin bei dem für 21. Juni geplanten Börsengang der Postbank. Laut Medienberichten spielt sich im Vorstand ein Machtkampf ab, der Vorstandschef Josef Ackermann seinen Stuhl kosten könnte.

<P>"Wir kommentieren die Marktspekulationen nicht", sagte ein Banksprecher. Die Entscheidung darüber, ob die Deutsche Bank weiterhin die Post beim Börsengang ihrer Tochter berät, liege beim Auftraggeber, verlautete aus Finanzkreisen. Für ein Übernahmeangebot liegen angeblich die Preisvorstellungen zu weit auseinander. Das Management der Deutschen Bank beziffert nach Insiderangaben einen angemessenen Kaufpreis auf sechs Milliarden Euro. Auf der Gegenseite seien die Preisvorstellungen hingegen sehr viel höher gewesen, verlautete aus den Bankentürmen. Zudem fürchte der Vorstand einen Imageschaden aus ihrem Mandat für den Börsengang.</P><P>Der Aufsichtsratsvorsitzende Rolf Breuer hatte sich in den vergangenen Tagen für nationale Zukäufe ausgesprochen. Banken-Chef Ackermann sei lange dagegen gewesen, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Im Machtkampf um die zukünftige Strategie sei Ackermann isoliert, der Aufsichtsrat suche bereits einen Nachfolger für den Schweizer, darunter die Ex-Vorstandsmitglieder Thomas Fischer und Ulrich Cartellieri.</P><P>Laut Finanzkreisen hat die Deutsche Bank über ein Barangebot beraten. "Die Übernahme macht nur Sinn, wenn die Deutsche Bank die Mehrheit besitzt und über die Strategie der Postbank bestimmen kann", sagte Olaf Kayser von der Landesbank Rheinland-Pfalz. Die Deutsche Bank würde durch den Kauf der Postbank mit ihren 11,5 Millionen Privatkunden ihre Kundenbasis von 8,5 Millionen mehr als verdoppeln. "Das ist ein enormes Potenzial für den blauen Riesen", sagte der Analyst. "Die Übernahme der Postbank wäre eine Option, im Privatkundengeschäft wieder richtig Fuß zu fassen", sagte der Aktienhändler Raed Mustafa von der BW Bank der Agentur Reuters. Unlängst hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder die deutschen Großbanken indirekt zu Fusionen untereinander aufgerufen, zumal ansonsten die Übernahme durch ausländische Institute drohe.</P><P>Im Falle eines Angebotes müssten die Vorbereitungen für den Börsengang der Postbank abgebrochen werden. Ein Scheitern des Börsengangs wäre nach Ansicht des Banken- und Börsenfachmanns Wolfgang Gerke ein schlechtes Signal für die deutsche Börsenlandschaft. "Wir können es uns nicht leisten, dass in England und den USA ständig neue Unternehmen an die Börse gehen, während bei uns der Markt austrocknet", sagte der Lehrstuhlinhaber an der Universität Erlangen-Nürnberg.</P><P>Die Bundesregierung und Post-Konzernchef Klaus Zumwinkel gehen ungeachtet der Übernahmespekulationen offenbar weiterhin von einem Börsengang aus. Die Postbank hüllte sich in Schweigen. Falls die Postbank ihren Börsengang absagt und ein öffentliches Bieterverfahren beginnt, hätten auch andere Interesse. Bei der Commerzbank hieß es, in einem solchen Fall werde man ein Angebot genau prüfen.</P>

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