Alle schauen auf die HVB

- München - Nicht mehr lang, dann geht es in den Geschäftsräumen der Deutschen Börse AG im Frankfurter Stadtteil Bockenheim wieder geheimnisvoll zu. Am 5. September versammelt sich dort am frühen Abend der "Arbeitskreis Aktienindizes". Dann werden die Türen geschlossen, die Handys abgeschaltet und die Gesandten von Großbanken und Finanzinstitutionen legen wie jedes Jahr fest, welche Unternehmen in den Deutschen Aktienindex Dax aufsteigen - und welche aus der obersten Börsenliga rausfliegen. Im Mittelpunkt steht heuer ein Münchner Unternehmen.

Gegen 22 Uhr wird die Entscheidung meist verkündet. Das bedeutet nicht nur, dass die Börsianer länger aufbleiben müssen, die schon jetzt spekulieren, wer zu den Gewinnern und Verlierern gehört. Auch die betroffenen Firmen werden zur späten Stunde aufmerksam zuhören. "Die wirtschaftliche Elite ist nun mal im Dax vertreten", sagt Fidel Helmer, Leiter des Wertpapierhandels bei Hauck & Aufhäuser Privatbankiers in Frankfurt. "Da legen alle großen Wert drauf."

Das liegt nicht nur daran, dass die Zugehörigkeit zum Zirkel der 30 größten börsennotierten Firmen Deutschlands das Image aufpoliert. "Auch die Auswirkung auf die Kurse ist relativ groß", erklärt Christian Stocker von der Münchner HypoVereinsbank. Denn, so schätzt der Aktienstratege, rund 15 Milliarden Euro sind insgesamt in Fonds investiert, welche die Zusammensetzung des Dax nachbilden. Kommt ein Neuling hinzu, müssen die Fondsmanager also dessen Anteile nachkaufen. In der Regel steigt dann der Kurs, während die Papiere der Absteiger abgestoßen werden und damit im Wert fallen.

Wie letztes Jahr deutet sich allerdings an, dass der Arbeitskreis niemanden aus der Dax-Mannschaft auswechselt. "Wir erwarten keine Veränderung", sagt Stocker. "Kein Unternehmen ist groß, keines klein genug." Zumindest zunächst.

Die maßgeblichen Kriterien für die Dax-Zugehörigkeit sind die Marktkapitalisierung, also der Wert der frei handelbaren Anteile, sowie der Umsatz der gehandelten Aktien. Deutsche Gesellschaften, die in beiden Kategorien mindestens Platz 25 belegen, steigen laut den Vorgaben der Deutschen Börse umgehend in den Leitindex auf. Solche, die unter Platz 45 rangieren, fallen sofort raus. Sie werden fortan eine Klasse tiefer im M-Dax notiert, der 50 mittelgroße Unternehmen erfasst.

Derart extreme Platzierungen werden dieses Jahr sehr wahrscheinlich aber nicht erreicht. Und auch eine andere Regel dürfte nach Einschätzung von Analysten nicht greifen: Demnach schaffen es Unternehmen in den Dax, wenn sie in beiden Kriterien jeweils mindestens Platz 30 belegen und zudem ein Dax-Mitglied jeweils unter den 40. Platz abrutscht. Dies passiert aber vermutlich nicht, da der Dax-Wackelkandidat Altana noch im Juli Rang 32 und 27 belegte .

Trotzdem könnte es bald Bewegung im Leitindex geben. Denn es gilt als sicher, dass die HypoVereinsbank wegen der Übernahme durch die Unicredit in der ersten Jahreshälfte 2006 aus dem Dax fällt. Börsenexperten erwarten nun, dass der Arbeitskreis einen Vorratsbeschluss verfasst. "In dem würde für den Fall X der Nachfolger festgelegt", sagt Susanne Gnirss von der Deutschen Börse. Anwärter sind die M-Dax-Champions Merck und Puma.

Puma und EM.TV könnten über Umwege nachrücken

"Wir würden uns freuen", heißt es bei Puma. Und freuen könnte sich dann vielleicht auch EM.TV. Der Ex-Börsenstar zählt zumindest im S-Dax der 50 kleineren AGs wieder zu den Großen. Würden Puma oder Merck die HVB ersetzen, könnte EM.TV eventuell in den M-Dax nachrücken. "Das würde unseren Restrukturierungs-Kurs bestätigen", sagt ein Sprecher. Allerdings rechnen sich auch andere S-Daxler Chancen aus.

Als sicherer Kandidat wird - unabhängig von der HVB - ein weiteres Münchner Unternehmen gehandelt: MTU. Der Triebwerkehersteller wird vermutlich Beru ersetzen, das wegen seiner geringen Größe aus dem M-Dax absteigen dürfte. Bei MTU heißt es dazu: "Wir verfolgen die Entscheidung des Arbeitskreises mit großem Interesse."

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