Wieder Probleme bei Stammstrecke Richtung Osten: Züge fallen aus

Wieder Probleme bei Stammstrecke Richtung Osten: Züge fallen aus

Alle stellen sich auf langen Streik ein

Krise bei der Telekom: - "Heute Streik bei der Telekom!": Die Bilder zum Start des ersten bundesweiten Arbeitskampfes beim Bonner Kommunikationsriesen seit dem Börsengang sind überall die gleichen. "Dieser Betrieb wird bestreikt", heißt es auf Plakaten bei den Telekom-Niederlassungen in München, Essen und Köln. Streikposten stehen an den Eingangstoren.

München/Bonn - Die Menschen mit Trillerpfeifen und roten Käppis lassen ihrer Wut gegen den Telekom-Vorstand freien Lauf. "Wir fühlen uns vom Vorstand veräppelt. Die fahren den Karren an die Wand - und das mit Absicht", schimpft Markus Flegel, ein 38-jähriger Service-Techniker. "Eine Riesensauerei, die die mit uns vorhaben", skandiert sein Kollege Wilfried Stöwer. Er habe die Arbeit aus Wut über den Umgang mit den Beschäftigten niedergelegt. Für die Streikenden geht es um viel: Ihr Unternehmen will ihnen ans Portemonnaie. Rund 50 000 Arbeitsplätze aus den Bereichen Technischer Service, Call-Center und Technische Infrastruktur sollen in eigene Service-Betriebe ausgelagert werden. Ein Streikender befürchtet Schlimmes: "Das machen die nur, damit sie uns später besser verkaufen können".

Verdi-Sekretär Otmar Dürotin bringt die Stimmung auf den Punkt: "Die Kollegen sind sauer". Seit vielen Jahren seien sie bei der Telekom beschäftigt und "jetzt gegen Ende kommt für sie der große Knall". Nämlich: der Verzicht auf Einkommen und damit auf einen großen Teil der Altersvorsorge.

"Mit uns nicht, Herr Obermann", heißt es auf dem T-Shirt eines Telekom-Mitarbeiters in Essen. Die Streikenden wollen mit ihrem Protest die Management-Spitze wachrütteln und Neuverhandlungen. Für viele ist der Vorstandsvorsitzende zu einem roten Tuch geworden. Neun Prozent weniger Gehalt, bei vier Stunden längerer Wochenarbeitszeit, lautete das letzte Angebot der Telekom. Eine reine Zumutung - nach 17 Umstrukturierungen und vielen Zugeständnissen der Beschäftigten, befindet Verdi.

René Obermann, seit gut einem halben Jahr Chef des größten europäischen Telekommunikationsunternehmens, hat sich vorgenommen, den angeschlagenen Konzern mit einem harten Sparkurs und dem größten Stellenumbau in der Firmengeschichte in ruhiges Fahrwasser zu führen. Alternativlos nennt er seinen Reformkurs. Die Beschäftigten rief er auf, von ihren Privilegien Abschied zu nehmen.

Das kommt in den Belegschaften nicht gut an. Von Bedrohungen und Einschüchterungen durch die Telekom während der Urabstimmung ist die Rede und davon, dass der Konzern Bonuszahlungen von 300 Euro an Mitarbeiter für deren Mehrarbeit während des Streiks zahlen will. Es riecht nach bezahlten Streikbrechern. "Das wird Verdi nicht auf sich sitzen lassen", empört sich Manfred Bauer, ein 51-jähriger Mitarbeiter der Technischen Kundenniederlassung.

In Bayern gingen zirka 1000 Mitarbeiter auf die Straße. Nach Angaben der Gewerkschaft sollen durch die Streiks die Annahme und Bearbeitung von neuen Aufträgen sowie die Entstörung behindert werden. Solange der Kunde nur telefonieren will, merkt er vom Streik erst einmal gar nichts. Problematisch könnte es werden, wenn bei Störungen Techniker gebraucht werden, hieß es. Ein Ende des Arbeitskampfes sei nicht abzusehen: "Wir haben monatelang Zeit", sagte Susanne Becker von Verdi.

Das Telekom-Management unterstrich seine Bereitschaft zu neuen Verhandlungen. Doch Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick hat alle Hoffnungen auf eine schnelle Einigung mit Verdi begraben: "Der Streik ist für uns ein klares Signal, dass Verdi derzeit nicht zu Gesprächen bereit ist", sagte Eick.

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