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Freundliche Trennung: Arbeitnehmer haben Anspruch auf ein wohlwollendes Zeugnis.

Alles rund ums Arbeitszeugnis

Eine gute Beurteilung vom Chef hilft bei der Jobsuche. Doch auf dem Weg zum optimalen Arbeitszeugnis lauern Fallstricke. Unsere Zeitung beantwortet wichtige Fragen.

Wer hat Anspruch auf ein Arbeitszeugnis?

Voll- und Teilzeitkräfte ebenso wie Mini-Jobber, Praktikanten, Volontäre und teilweise freie Mitarbeiter, wie die Stiftung Warentest in ihrer Zeitschrift „Finanztest“ (Mai 2009) berichtet.

Wann muss das Arbeitszeugnis ausgestellt werden?

Ein Zeugnis wird in der Regel ausgehändigt, wenn das Arbeitsverhältnis zu Ende ist. Bei einer fristgemäßen Kündigung dauert es deshalb manchmal einige Monate.

Wie sollte das Arbeitszeugnis aufgebaut sein?

Ein Arbeitszeugnis besteht aus mehreren Bausteinen. Es beginnt mit einer Einleitung, in der steht, wie lange der Mitarbeiter bei dem Unternehmen angestellt war. Danach erfolgt eine Beschreibung der Tätigkeit. Die anschließende Leistungsbewertung sollte möglichst individuell ausfallen. Sie endet in der Regel mit einer zusammenfassenden Beurteilung, wobei oft die gängigen Zufriedenheitsfloskeln genutzt werden. Danach folgt eine Verhaltensbeurteilung und im positiven Fall eine Schlussformulierung, in welcher der Chef sein Bedauern über den Weggang äußert. Neben dem Inhalt sind einige Formalien zu beachten: Das Zeugnis sollte nicht handschriftlich verfasst sein und muss auf dem Geschäftspapier der Firma stehen.

In der Zeugnissprache wimmelt es vor Beurteilungsfloskeln, die gut klingen, aber wenig Schmeichelhaftes bedeuten. Warum schreibt der Chef nicht klipp und klar, was Sache ist?

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, das Zeugnis wohlwollend zu formulieren. Deshalb klingt selbst eine mäßige Note gut oder wenigstens neutral. Experten wissen den gefälligen Ton zu interpretieren.

Was verbirgt sich hinter den Geheimcodes im Arbeitszeugnis?

Es gibt die verschiedensten Varianten. „Erfolg beim Delegieren“ deutet beispielsweise auf einen Drückeberger hin. Ein „toleranter Mitarbeiter“ kam nicht mit Vorgesetzten klar. Die Bemerkung „hat ein gesundes Selbstvertrauen“ signalisiert: Der Mann klopft Sprüche, um mangelndes Fachwissen zu überspielen. Dem „geselligen“ Arbeitnehmer wird verschlüsselt ein Alkoholproblem attestiert, dem „kommunikativen“ Geschwätzigkeit im Betrieb.

Was, wenn eine Beurteilung im Arbeitszeugnis nicht zutrifft?

Der Arbeitnehmer sollte auf eine Korrektur pochen. Es besteht zwar kein Anspruch auf einen bestimmten Wortlaut. Aber die Beschäftigten können erwarten, dass ihre Leistung wahrheitsgemäß beurteilt wird, urteilte das Bundesarbeitsgericht BAG (Az.: 9 AZR 12/03). „In der Regel gehen die Arbeitgeber auf Nachbesserungswünsche ein“, sagt Michael Henn von der Deutschen Anwalts-, Notar- und Steuerberatervereinigung.

Der Arbeitgeber verweigert die Korrektur. Was nun?

„Dann sollten Sie Ihre Berichtigungswünsche mit einer fundierten Begründung noch einmal schriftlich per Post als Einschreiben mit Rückschein an die Personalstelle schicken“, raten die Experten der Stiftung Warentest. Darin sollte auch eine Frist für die gewünschte Korrektur gesetzt werden. Verstreicht sie, helfe nur eine Klage.

Dürfen im Arbeitszeugnis Ausfallzeiten wie Krankheiten stehen?

Nein, Urlaub und Krankheit haben im Zeugnis laut den Warentestern nichts zu suchen. Das gilt auch für Abmahnungen.

Was sollten Arbeitnehmer beachten, die das Arbeitszeugnis selbst schreiben?

Gerade in kleineren Betrieben ist der Arbeitgeber oft froh, wenn der Mitarbeiter in die Tasten haut. Weil Laien die Zeugnissprache nicht kennen, laufen sie aber Gefahr, sich zu schaden. Betriebsrat und Gewerkschaften können helfen, ein Zeugnis auf Fallstricke abzuklopfen. Wer einen Juristen prüfen lässt, zahlt etwa 250 Euro. Formulierungstipps finden sich im Internet unter www.arbeitszeugnis.de.

Was machen Arbeitnehmer, die ihr Arbeitszeugnis verloren haben?

Der Arbeitgeber darf eine Neu-Ausstellung nur verweigern, wenn sie mit unzumutbarem Aufwand verbunden wäre. Das wäre der Fall, wenn die Personaldaten nicht mehr existieren und kein Vorgesetzter mehr im Unternehmen ist, der eine Beurteilung vornehmen könnte.

Können Beschäftigte ein Zwischenzeugnis verlangen?

„Gibt es einen begründeten Anlass, haben Arbeitnehmer Anspruch auf eine Zwischenbeurteilung“, sagt Martina Perreng, Arbeitsrechtlerin des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Das ist der Fall, wenn der Arbeitgeber die Kündigung angekündigt oder bereits ausgesprochen hat. Ein anderer Anlass wäre der Abtritt des Vorgesetzten oder der Wechsel in eine andere Abteilung in der Firma. Fachleute empfehlen Arbeitnehmern immer ein Zwischenzeugnis zu verlangen, wenn es möglich ist. Das ist hilfreich, wenn sich die Beziehung zum Arbeitgeber später verschlechtert.

mm/ap/dpa

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