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Alles über den SDAX

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Eine elektronische Anzeigetafel zeigt in der Börse in Frankfurt am Main die Entwicklung des DAX (o) und des SDAX (u) an
Eine elektronische Anzeigetafel zeigt in der Börse in Frankfurt am Main die Entwicklung des DAX (o) und des SDAX (u) an © Frank Rumpenhorst / dpa

Wenn von der deutschen Börse die Rede ist, denken die meisten Menschen an den DAX, den Deutschen Aktienindex. Hier finden sich bekannte Marktgrößen wie die Allianz Versicherung oder der Daimler-Konzern. Doch die Börse unterhält weitere Aktienindizes wie den MDAX und den SDAX. Diese ordnen meist nur versierte Anleger und Börsenprofis korrekt ein.

Frankfurt am Main – Die Deutsche Börse mit Sitz in Frankfurt ist eine Aktiengesellschaft, deren Kernkompetenzen in der Abwicklung von Börsengeschäften, dem Betrieb und der Entwicklung von Handelsplattformen sowie Teilnehmernetzwerken bestehen. Der Konzern wird selbst im Deutschen Aktienindex DAX gelistet und ist Herausgeber weitere Aktienindexe der DAX-Familie wie dem MDAX und dem SDAX. Außerdem fungiert er als Träger der öffentlich-rechtlichen Wertpapierbörse in Frankfurt.

SDAX – ein Aktienindex der DAX-Familie

Im Deutschen Aktienindex (DAX) listet die Deutsche Börse die wichtigsten Unternehmen des Landes. Dabei handelt es sich um Firmen, die entweder deutsch sind oder ihre Geschäfte überwiegend in der Bundesrepublik Deutschland betreiben. Die Zahl der im Index vertretenen Unternehmen ist begrenzt. Wobei es nun nach 33 Jahren eine historische Reform gibt: Der DAX wird Ende 2021 von 30 auf 40 Unternehmen erweitert, um die tatsächliche Situation und die stärksten Branchen der deutschen Wirtschaft realistischer abzubilden.

Deutschland ist ein Land mit zahlreichen starken Unternehmen, das besonders viele erfolgreiche Namen bei den Mittelständlern kennt. Dem trägt die DAX-Familie Rechnung, indem auf den DAX der MDAX folgt (M für Mind-Cap, also mittelständisch). Im Zuge der aktuellen Reform wird der MDAX von 60 auf 50 Teilnehmer verkleinert, zehn steigen in den DAX auf.

Doch die Republik hat nicht nur einen wirtschaftlich wertvollen Mittelstand, auch kleine Unternehmen tragen viel zum Erfolg bei. Hier kommt der SDAX (S für Small-Cap) ins Spiel, in dem die 70 nächsten kleineren Unternehmen zusammengefasst sind. DAX, MDAX und SDAX bilden somit die Firmen des Landes ab, die zu den 165 stärksten nach Prime-Standard-Regeln gehören.

Aktienindex SDAX – die Geschichte

Im SDAX sind aktuell die 70 deutschen oder vorwiegend in Deutschland tätigen Unternehmen gelistet, die nach Börsenumsatz und Marktkapitalisierung auf die Firmen im MDAX folgen und den Prime Standard erfüllen. An der Börse startete der neue Aktienindex am 21. Juni 1999, seine Geschichte begann allerdings rein rechnerisch deutlich früher. Denn wie beim DAX und beim MDAX bildet der 30. Dezember 1987 die Basis der Berechnung. Für alle Aktienindizes wurde der Wert für diesen Tag mit 1.000 festgesetzt und in der Folge bis zur Marktauflage theoretisch berechnet. Viermal im Jahr prüft die Deutsche Börse die Indexzusammensetzung anhand gleichbleibender Kriterien für die Gewichtung. So ändert sich die Zusammensetzung des SDAX unter Umständen alle drei Monate, da Unternehmen aus dem Index fallen und neue hinzukommen können.

Bei seiner Einführung im Jahr 1999 gehörten die 100 stärksten kleineren Unternehmen zum SDAX. Die Deutsche Börse nahm 2003 eine Halbierung der gelisteten Firmen vor. 2018 wuchs der SDAX von den damals 50 auf die heute üblichen 70 Unternehmen an, da Wertpapiere aufgenommen wurden, die bis dahin über den TecDAX gehandelt wurden.

SDAX – die Unternehmen im Aktienindex

Seit 2018 sind 70 Unternehmen im SDAX vertreten. Dazu gehören Folgende (Stand September 2021):

SDAX – Entwicklung des Aktienindex

Bereits zum Börsenstart im Sommer 1999 rangierte der SDAX bei knapp 3.000 Punkten und wies bis zum September des Jahres 2000 ein solides Wachstum auf. Nach ausgezeichneten Entwicklungen in der Technologiebranche, die in allen Indizes für historische Höchstwerte sorgte, platzte die Dotcom-Blase im Frühling. Die Nachwehen der Verluste zeigten sich im Herbst dann auch im SDAX. Der Kurssturz ging bis 2003 weiter, dazu trug unter anderem der Schock vom 11. September 2001 (Terroranschläge in den USA) bei. Denn viele Menschen schraubten ihren Konsum herunter und die Fluggastzahlen sanken aus Angst weltweit für lange Zeit. Das traf nicht nur den Tourismus hart.

Ab 2003 stieg der Kurs des SDAX stetig und erreichte im Mai fast 6.500 Punkte, was den bisherigen Höchststand markierte. Dem machte die Immobilienkrise in den USA, die sich zu einer weltweiten Finanzkrise auswuchs, ein Ende. Bis zum Jahr 2009 mussten Anleger fallende Kurse hinnehmen. Seitdem zeigte sich der SDAX bis zum Juli 2018 äußerst robust und wachstumsstark. Der Kurswert näherte sich der Marke von 12.500 Punkten und reagierte insgesamt mit geringeren Schwankungen.

SDAX – die Entwicklung seit Corona

Im Jahr 2018 wuchs die Wirtschaft in Deutschland langsamer als in den Vorjahren. Der SDAX verlor allerdings bereits vor Corona 2018 rund 20 Prozent. Zwar brillierten einige dort notierte Unternehmen mit ausgezeichneten Geschäftszahlen, diese konnten die Verluste der Verlierer jedoch nicht ausgleichen. Zu den Verursachern des Kursrückgangs gehörten damals:

Kaum hatte sich der SDAX erholt, rollte die Corona-Pandemie über den Globus. Die neue Krankheit und die Gegenmaßnahmen erschütterten den Aktienkurs aber nur kurz. Heute ist der SDAX längst wieder im Plus und hat bereits die 15.000-Punkte-Marke überschritten.

SDAX – Gewichtung der Unternehmen

Die Deutsche Börse berechnet genau, welche Unternehmen in den SDAX aufgenommen werden. Es sind die Aktien, deren Marktkapitalisierung und Handelsvolumen auf die Ergebnisse der Firmen im MDAX und im DAX folgen. Wobei die Marktkapitalisierung nur für die Aktien berechnet wird, die sich im Streubesitz befinden und damit handelbar sind. Wertpapiere, die das Unternehmen selbst hält, fließen nicht in die Berechnung ein. Die Zahl der Aktien im Streubesitz multipliziert mit dem aktuellen Börsenkurs (zum Beispiel 30 Euro) ergibt die Höhe der Marktkapitalisierung. Ein weiteres Kriterium ist, dass die Firmen den höheren Prime Standard erfüllen. Sie sind damit zu größerer Transparenz als international üblich sowie zur Veröffentlichung von Berichten und Mitteilungen in englischer Sprache verpflichtet. Das soll die Aktienindizes der DAX-Familie interessanter für deutsche und ausländische Anleger machen. Die Berechnung der Gewichtung und die Anpassung der im Index notierten Unternehmen erfolgt jeweils zum Anfang der Monate März, Juni, September und Dezember.

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