"Alles unter einem Dach" hat ausgedient

- Düsseldorf - Ausverkauf im deutschen Einzelhandel: Die Liste der im Angebot stehenden Unternehmen und Filialen wird immer länger. Sie reichte bereits vom Bekleidungshändler Adler über die Schuhkette Reno bis hin zum Computerhändler Vobis, die früher einmal zur Metro gehörten. Jetzt kommen eine Reihe von Fachmarktketten von KarstadtQuelle hinzu.

<P>Der Karstadt-Quelle-Konzern vollzieht damit jetzt einen ähnlich tiefen Schnitt, wie ihn der Branchenprimus Metro schon vor sechs Jahren machte. Nicht zum Kerngeschäft gehörende Beteiligungen kamen damals in das "Körbchen" Divaco, eine Verwertungsgesellschaft. Die Firmen machen zusammengerechnet Milliardenumsätze und haben bundesweit mehr als 10 000 Mitarbeiter. Auch kleine Warenhausfilialen wurden damals mit ausgegliedert. Der Musterfall Divaco zeigt aber auch, dass die Veräußerung von Handelsfirmen ein langer und steiniger Weg sein kann.</P><P>Die Vorstellung, dass ausländische Investoren mit dickem Scheckheft Schlange stehen, hat sich als Illusion erwiesen. Der deutsche Handel ist mit Rabattschlachten, geringen Gewinnmargen, dem Flächenüberhang und der Konsumflaute nicht gerade ein Magnet für Kapitalanleger. Im Vergleich zu Großbritannien wird in Deutschland fast doppelt so viel Verkaufsfläche je Einwohner unterhalten. Der Umsatz pro Quadratmeter Ladenfläche ist in Großbritannien dreimal höher als in Deutschland.</P><P>Schon mehrere ausländische Konzerne machten die bittere Erfahrung, dass hier zu Lande mit besonders harten Bandagen gekämpft wird. So musste der weltweit größte Händler, der US-Konzern Wal-Mart, in Deutschland Lehrgeld zahlen. </P><P>Die Kaufzurückhaltung der Bundesbürger traf die Warenhäuser mit dem Sortiment in der mittleren Preislage besonders hart. Neben Fachmärkten auf der grünen Wiese machen auch Lebensmittel-Discounter wie Aldi den Warenhäusern bei Textilien und Elektronik Konkurrenz.</P><P>Die Idee "Alles unter einem Dach" ist nicht mehr Erfolg versprechend. Das hat Kaufhof früher erkannt und umgesetzt als Karstadt. Mit dem Galeria-Konzept der Warenwelten bietet die Metro-Tochter Fachmärkten Paroli.</P><P>Bis Jahresende fallen im deutschen Einzelhandel dem Rotstift etwa 35 000 Stellen zum Opfer - die Sparmaßnahmen von Karstadt-Quelle noch nicht einbezogen.</P>

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