Allianz: Auto-Police fürs gute Umweltgewissen

München - Autofahren mit gutem Gewissen: Die Allianz bietet Autoversicherungs-Kunden Öko-Zertifikate an. Für Geld wird der durch das Fahrzeug verursachte CO2-Schaden wieder gutgemacht.

Als die Rheinland-Versicherung 1998 Autofahrern anbot, ihre Kohlendioxid-Belastung für Geld durch Aufforstungsprojekte auszugleichen, schmunzelten die Großen der Branche. Nun schickt Branchenführer Allianz sich an, den eigenen Kunden ganz ähnliche Angebote zu machen. "Jedes Ding hat seine Zeit", begründet Karl-Walter Gutberlet, Vorstand der Allianz Versicherung, den Sinneswandel. Neben der Autobranche, die sich im Vorfeld der Autoschau IAA so umweltbewusst gibt wie noch nie, entdecken auch andere Wirtschaftszweige den ökonomischen Aspekt der Klimadebatte - und sei es zu Werbezwecken.

Dabei geht die Allianz über die Ansprüche des Öko-Pioniers von 1998 hinaus: Immerhin holte sie sich die Umweltorganisation WWF ins Boot. Autofahrer können mit der Versicherung das CO2-Minderungszertifikat "Ecomotion" kaufen. Das kostet für einen VW Lupo mit unter 6000 Kilometer Fahrleistung 9 Euro im Jahr, für einen Ferrari, der mehr als 25 000 Kilometer im Jahr bewegt wird, 188 Euro. Die meisten Autofahrer müssen zwischen 32 (VW Golf, 6001 bis 12000 km) und 86  (BMW 5er, 18 001 bis 25 000 km) Euro zahlen. Für Autos, die je Kilometer weniger als 140 Gramm CO2 ausstoßen, gibt es zusätzlich eine Plakette "CO2-neutral und effizient".

Das Geld wird über den Emissionshandels-Spezialisten 3C in CO2-Ausgleichsprojekte gesteckt. 3C-Gründer Sascha Lafeld nennt einen Windkraft-Park in Neuseeland, ein Biomasse-Heizkraftwerk in China oder ein System zur Gewinnung von Biogas aus Abwässern in Thailand.

3C verdient sein Geld hauptsächlich im weltweiten Handel mit Emissionsrechten, bei dem Unternehmen unter UN-Überwachung CO2-Sünden im eigenen Land durch Ausgleichsprojekte anderswo wieder gutmachen. Anders als diese Unternehmen haben die Kunden des Allianz-Zertifikats, wie Gutberlet und Lafeld betonen, keinerlei individuellen Vorteil. Die Allianz verzichtet auf Provisionen und übernimmt die Vertriebskosten. 3C braucht je nach Überwachungs- und Betreuungsaufwand 5 bis 20 Prozent des eingesammelten Geldes. Der Rest fließt unmittelbar in die betreuten Projekte.

"Das ist kein Ablasshandel", sagt Gutberlet, räumt jedoch ein, dass man mit dem Kauf solcher Zertifikate durchaus auch die Gewissensbisse beim Kauf eines größeren oder schnelleren Fahrzeugs bekämpfen kann.

Erste Erhebungen haben ergeben, dass 15 bis 20 Prozent der Autofahrer bereit sind, sich die Sache näher anzusehen. Nutzt jeder zweite davon die Möglichkeit, fürs gute Umweltgewissen Geld auszugeben, käme auf Dauer immerhin ein höherer zweistelliger Millionenbetrag jährlich für die Umwelt zusammen.

Dass die Versicherungsbranche nun die Umwelt entdeckt, ist für Gutberlet kein Wunder. "Wir spüren die große Schadenslast durch Umweltkatastrophen." Laut Lafeld sind auch die Münchener Rück und die Swiss Re auf dem Weg dazu, CO2-neutrale Unternehmen zu werden.

Langfristig kann das neue Produkt schließlich doch zu einem Öko-Rabatt für umweltschonendes Autofahren führen. "Als Versicherer interessiert uns natürlich, wie sich eine umweltbewusste Fahrweise auf das Schadengeschehen auswirkt", sagt Gutberlet. Es gebe Indizien dafür, dass klimabewusste Autofahrer auch gute Versicherungskunden sind. "Wir werden das genau analysieren", sagt der Versicherungs-Vorstand. Ziel sei es, das klimabezogene Verhalten mittelfristig in die Tarifgestaltung zu integrieren.

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