Allianz fährt Milliardengewinne ein

- München - Europas größter Versicherungskonzern Allianz will gestärkt durch einen Rekordgewinn den radikalsten Konzernumbau in der Unternehmensgeschichte energisch vorantreiben. "Wir sind dabei, unsere Strukturen in Europa stark zu vereinfachen, sie schlanker und effizienter zu machen, um unser profitables Wachstum noch weiter zu steigern", sagte Allianz-Chef Michael Diekmann am Donnerstag in München.

Im vergangenen Jahr konnte der Konzern seinen Überschuss auf 4,4 Milliarden Euro nahezu verdoppeln. Auch bereinigt um Bilanzierungseffekte blieb noch ein sattes Gewinnplus von knapp 31 Prozent.

Im laufenden Jahr sollen die Ergebnisse weiter zulegen, wenn auch nicht mehr so stark wie 2005. Der Druck bleibt vor allem für die Dresdner Bank hoch, ihre Profitabilität weiter zu verbessern. Wie viele Stellen im Rahmen des Konzernumbaus in Deutschland wegfallen, will die Allianz weiterhin frühestens Mitte des Jahres bekannt geben.

Im vergangenen Jahr konnte die Allianz das Ergebnis in allen Geschäftsbereichen - von der Versicherung über die Vermögensverwaltung bis zum Bankgeschäft - verbessern. Beim Umsatz das sind in erster Linie die Prämieneinnahmen und die operativen Erträge aus Bankgeschäft und Vermögensverwaltung - legte die Allianz um gut vier Prozent zu und knackte erstmals die 100-Milliarden-EuroMarke. Das operative Ergebnis stieg um gut 13 Prozent auf 7,7 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr sollen Überschuss und operatives Ergebnis um jeweils zehn Prozent zulegen.

Die Allianz ist derzeit im Umbruch. In Deutschland wurden Sach-, Lebens- und Krankenversicherung unter einem Dach gebündelt. Zudem übernimmt die Allianz ihre italienische Tochter RAS komplett, um sich dann als erstes deutsches Großunternehmen in eine Europa-AG (Societas Europaea) umzuwandeln. "Wir sind im Zeitplan", sagte Diekmann mit Blick auf die laufenden Projekte.

Große Fortschritte machte nach schwierigen Jahren die Dresdner Bank. Der operative Gewinn legte um ein Drittel auf 775 Millionen Euro zu. Damit verdiente das Kreditinstitut seine Kapitalkosten. Dies reicht der Allianz-Führung aber noch nicht, zumal der Abbau der Verwaltungskosten ins Stocken geraten ist. Im laufenden Jahr will die Allianz im Bankgeschäft - das ist zu 95 Prozent die Dresdner Bank operativ 1,3 Milliarden Euro verdienen. "Klar liegen die Anforderungen für die Bank hoch", sagte Diekmann zu diesem ehrgeizigen Ziel. Nach derzeitigem sei kein zusätzlicher Stellenabbau geplant. Die Führung der Dresdner Bank müsse aber entscheiden, wie sie ihre Ziele erreiche.

In Deutschland solle im Juni oder Juli der Gesamtstellenabbau in den Gremien behandelt werden, sagte Diekmann. Er verstehe, dass die Hängepartie Verunsicherung bei den Beschäftigten auslöse. Noch nicht entschieden hat die Allianz als Schering-Großaktionär, ob sie das Übernahmeangebot von Merck für den Berliner Pharmahersteller annimmt.

Wichtigste Gewinnstütze der Allianz blieb im vergangenen Jahr das Schaden- und Unfallgeschäft. Hier stieg der operative Gewinn trotz der Milliardenkosten für Naturkatastrophen um knapp fünf Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. In der Sparte Leben- und Krankenversicherung peilt die Allianz 2006 einen operativen Gewinn von 1,7 Milliarden Euro an und damit rund 100 Millionen Euro mehr als 2005, als der Gewinn aus dem operativen Geschäft in der Sparte um 13 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro zulegte.

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