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Oliver Bäte (50) ist seit Mai Vorstandschef der Allianz.

 Drei-Jahres-Plan für München

Allianz mit neuer Strategie: Digital und ohne Kohle

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München - Die Allianz stellt sich für die Zukunft auf. Der Versicherer steigt aus dem Kohle-Geschäft aus. Gleichzeitig soll der Gewinn kräftig wachsen, verspricht Konzernchef Bäte. Ein 3-Jahres-Plan gibt künftig die Marschrichtung in München vor.

Digitalisierung und Kundenorientierung. Die beiden Begriffe fallen wiederholt, als Oliver Bäte am Dienstag vor Investoren sein Erneuerungsporgramm („Renewal Agenda“) präsentiert. Mit einem 3-Jahres-Plan will Bäte, der seit sechs Monaten den Dax-Konzern leitet, Europas größten Versicherer fit für die Zukunft machen. Geplant ist eine Art Kulturwandel. Gleichzeitig sollen die Geschäfte profitabler werden.

„In unserer 125-jährigen Geschichte haben wir von Verträgen gesprochen, nicht von Kunden. Das wird sich jetzt ändern“, kündigt Bäte an. Digitalisierung schaffe künftig direkten Kundenbezug, nicht nur vermittelt über Vertreter. „Das erfordert einen Wandel im Denken.“ Die Allianz will auf den Trend zur Digitalisierung im Versicherungsgeschäft nicht nur reagieren. Bäte peilt eine „Führungsposition“ an. Seine Vorbilder aus anderen Branchen: der Taxidienst Uber und die Wohungsvermittlung AirBnB. „Diese Unternehmen sind nicht so erfolgreich wegen ihrer Technologie – die kann man im App-Store herunterladen. Sie konzentrieren sich auf den Kunden“, so Bäte. Wichtige Messgröße für den Erfolg der Allianz soll dementsprechend künftig die Weiterempfehlung der Allianz durch ihre Kunden sein – gemessen am sogenannten „Net Promoter Score“. Bis 2018 sollen Kunden alle Allianz-Produkte online abschließen können. Dadurch soll die Profitabilität steigen.

Die Ziele sind klar formuliert: Von 2016 bis 2018 soll der Gewinn je Aktie jährlich im Schnitt um fünf Prozent steigen. Angepeilt ist eine Eigenkapitalrendite von 13 Prozent bis 2018. Um das zu erreichen, müssen alle Geschäftsbereiche profitabler werden, erklärt Bäte. Im Schaden- und Unfallgeschäft bedeutet das eine Schaden-Kosten-Quote von mindestens 94 Prozent. Dabei wird das Verhältnis zwischen Aufwendungen für Schäden, Verwaltung und Abschlusskosten einerseits und den Prämieneinnahmen auf der anderen Seite dargestellt. Im Lebensversicherungsgeschäft soll die Eigenkapitalrendite in allen Geschäftseinheiten künftig bei mindestens zehn Prozent liegen. Bisher schafft das nur die deutsche Allianz Leben – mit 24 Prozent Rendite.

Mindestens drei Viertel der Geschäftseinheiten der Allianz müssten künftig besser sein als der Marktdurchschnitt, so der Plan. Gelingt das, rechnet die Allianz mit fünf Millionen Neukunden und jährlich 6,5 Milliarden Euro an zusätzlichen Beitragseinnahmen bis 2018.

Auch Zukäufe und Allianzen sind Teil von Bätes Strategie. So wurde bereits vor wenigen Tagen ein Gemeinschaftsunternehmen in Asien gegründet. Zusammen mit dem Suchmaschinenbetreiber Baidu und dem Finanzinvestor Hillhouse Capital wollen die Münchner dort den chinesischen Versicherungsmarkt aufrollen.

Obwohl Experten davon ausgehen, dass durch die Digitalisierung ein Drittel der Versicherungsvertreter überflüssig werden, sieht Bätes Erneuerungsprogramm ausdrücklich keinen Jobabbau vor. Das geplante Wachstum soll verhindern, dass steigende Produktivität zum Stellenabbau führt, heißt es bei der Allianz. Eine Milliarde Euro soll durch die Digitalisierung ab 2018 zwar jährlich eingespart werden. Die Summe werde allerdings reinvestiert, verspricht Bäte.

Auch in der Anlagestrategie der Münchner ändert sich künftig einiges. Wie – unabhängig von Bätes Erneurungsprogramm – bekannt wurde, zieht sich der Versicherungsriese aus seinem milliardenschweren Investment in Kohleenergie zurück. Die Allianz werde nicht mehr in Unternehmen investieren, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes durch den Abbau von Kohle oder mehr als 30 Prozent ihrer Energieerzeugung aus Kohle erzielen, kündigte Bäte am Dienstag in einer Mitteilung an und bestätigte damit einen Bericht des ZDF.

Wenige Tage vor dem Klimagipfel in Paris ernteten die Münchner für ihren Kurswechsel in der Anlagestrategie viel Zustimmung – unter anderem von den Grünen. Verantwortungsvolle Firmenpolitik setze auf die Nutzung erneuerbarer Energien, sagte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter. „Bei anderen Konzernen, Banken und Fonds wächst jetzt zu Recht die Sorge, auf ihren Investitionen in Kohle, Erdöl und Erdgas sitzen zu bleiben.“ Die Allianz, weltweit der fünftgrößte Kapitalanleger, will den Rückzug aus der Kohle unmittelbar angehen.

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