Allianz plant Milliarden-Einkauf

- München - Für 10,5 Milliarden Euro will die Allianz künftig allein das Sagen bei ihrer französischen Tochter AGF und der Allianz Leben haben. Die Münchner wollen den drittgrößten Unfall-und Schadensversicherer Frankreichs und den größten deutschen Lebensversicherer vollständig übernehmen. Dies werde die Stellung der Allianz sowohl in ihren Kernmärkten als auch in ihren Kerngeschäftsfeldern stärken, erklärte das Unternehmen.

"Mit der Umwandlung der Allianz in eine Gesellschaft europäischen Rechts haben wir klar unterstrichen, dass Europa unser Heimatmarkt ist. Die angestrebte Übernahme der im Streubesitz befindlichen Aktien der AGF und der Allianz Leben ist daher der nächste logische Schritt nach der Integration der RAS in die Allianz", erklärte Vorstandschef Michael Diekmann.

Er hatte in der Vergangenheit immer wieder betont, die Strukturen des Konzerns seien zu kompliziert. In einem ersten Schritt wurde 2006 die italienischen Allianz-Tochter RAS mit der Allianz verschmolzen und der Konzern in eine Europäische Aktiengesellschaft (SE) umgewandelt.

Die Allianz kündigte an, die verbleibenden 42,4 Prozent an AGF und die noch in Streubesitz befindlichen 9 Prozent an der Allianz Lebensversicherungs AG kaufen zu wollen. Den AGF-Aktionären bietet die Allianz 87,5 Euro in bar und 0,25 Allianz-Aktien, den Anteilseignern der Allianz Leben 750 Euro je Aktie. Die Offerte beläuft sich nach Angaben des Unternehmens auf insgesamt 10,5 Milliarden Euro, davon 7,5 Milliarden Euro in bar, die voraussichtlich durch interne Mittel finanziert werden sollen.

Die Transaktionen würden den Minderheitenerwerb in den größten Geschäftseinheiten der Allianz vervollständigen. Der AGF-Verwaltungsrat begrüßte die geplante Transaktion. Die AGF ist bereits heute schon ein wichtiger Teil der Allianz. Der drittgrößte französische Schadensversicherer, der auch in anderen europäischen Ländern präsent ist, trägt mit 20,4 Prozent zum Prämienvolumen in der Schaden- und Unfallversicherung des Konzerns bei und mit 16,3 Prozent im Bereich Lebens- und Krankenversicherung.

Diekmann hat dem Konzern seit seinem Amtsantritt einen umfassenden Umbau verordnet. Er reduzierte die Beteiligungen an Industrieunternehmen systematisch. Um die Allianz besser steuern zu können, verpasste er dem Unternehmen mit der Europa-AG eine einheitliche Rechtsform. Im vergangenen Sommer kündigte Diekmann schließlich den Abbau von 7500 Stellen bei der Versicherung und der Tochter Dresdner Bank an.

Die Allianz fährt zwar Milliardengewinne ein, für 2006 hatte Diekmann einen Rekordgewinn von über sechs Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Das Unternehmen verliert aber in Deutschland Kunden und will deshalb die bislang eigenständigen Lebens-, Kranken- und Sachversicherungen bündeln. Zudem gelten Konkurrenten wie die amerikanische AIG oder die holländische ING als profitabler, das drückt den Allianz-Aktienkurs.

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