Allianz schaut Ärzten auf die Finger

- München - Wie hält man die Kosten im Gesundheitswesen im Griff? Man sieht sich die Rechnungen genauer an. Das hat die Allianz-Tochter Private Krankenversicherung (APKV) gemacht und Posten, auf die ein Arzt keinen Anspruch hatte, nicht gezahlt. Derartige Maßnahmen haben der Gesellschaft 130 Millionen Euro im Jahr 2003 gespart und 369 Millionen seit 2000.

<P>Angesichts der "Schadenzahlungen" von 2,032 Milliarden Euro (2003) ist das kein kleiner Fisch. So konnte den Aufwand für Versicherungsfälle gegenüber 2002 mit einem Plus von 0,1 % fast stabil gehalten werden, bei kräftiger sprudelnden Beitragseinnahmen. Diese stiegen um 3,3 % (siehe Kasten).<BR>Beim Sparen müssen die Versicherten mitspielen - und mit ihrem Arzt wegen der Rechnung verhandeln. Doch springt auch in schwierigen Fällen die APKV ein, wie Vorstandsmitglied Wilfried Johannßen, erklärt.<BR><BR>Auch beim Einsatz teurer Leistungen tritt die APKV häufiger auf die Bremse; etwa wenn radiologische Leistungen wie die Kernspintomographie innerhalb kurzer Abstände eingesetzt wird. Nicht nur wegen der Kosten: Dies stelle, so Johannßen, "eine erhebliche und gesundheitsgefährdende Strahlenbelastung dar". Auch bei Medikamenten und Heilmitteln überwacht die Versicherung die, wie sie es selbst bezeichnet, "sachgerechte Verordnung.<BR><BR>Das sind auch die Ziele der jüngsten Reformen im Gesundheitswesen. Dennoch lässt APKV-Chef Ulrich Rumm am rot-schwarz-grünen Reformwerk nur ein gutes Haar: "Der kleinste gemeinsame Nenner scheint immerhin darin zu bestehen, dass ein grundsätzlicher Umbau des Gesundheitswesens für die Zukunft notwendig ist." Im Detail konstatiert Rumm eine "falsche Richtung" und "handwerkliche Mängel". Auch die Alternative "Bürgerversicherung" (SPD) oder "Kopfpauschalen" (CDU) verwirft er: Beide würden die Probleme nicht lösen. Die Auswirkungen der demographischen Entwicklung seien in einer reinen Umlagenfinanzierung "nicht zu beheben", sagt er. Kapitaldeckungselemente seien demographiebedingt unausweichlich. Man muss also sparen - nicht nur an den Leistungen -, um für die härtere Zukunft etwas zurückzulegen. Das gilt in Rumms Augen auch für die Pflegeversicherung: Jetzt müsse mit den Ansparen begonnen werden. Nur so lasse sich eine Überforderung der "Sandwichgeneration" verhindern die die Umlagefinanzierung für Ältere und den Aufbau der eigenen Altersrückstellung schultern müsse.<BR><BR>Bereits durch bisherige Reformen hat sich das Geschäft der APKV verlagert. Weil die Latte für einen Ausstieg aus der gesetzlichen Kasse höher gelegt wurde, gibt es weniger Vollversicherungen, wegen der Leistungskürzungen deutlich mehr Zusatzversicherungen. Dabei geht die Allianz nur vorsichtig an die Zusammenarbeit mit gesetzlichen Kassen heran. Grundsätzlich hält sie wenig von gesetzlicher Grundversorgung und privater Zusatzversorgung unter einem Dach. so eine Kooperation sei ein Instrument, um den Wechsel innerhalb der gesetzlichen Kassen zu erschweren und die Abwanderung in die private Krankenversicherung zu verhindern. "Das hat mit Wettbewerb nichts zu tun." <BR><BR>Auch in einem weiteren Feld des Wettbewerbs tut die APKV sich nicht hervor: im Wettlauf um den größtmöglichen Jobabbau. Vertriebs-Vorstand Michael Bartolmé´: "Wir bauen nicht ab, im Vertrieb bauen wir sogar zu."<BR><BR>Sparpotenzial<BR></P>

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