Allianz kämpft gegen schwarze Schafe

Schlechte Karten für Versicherungs-Betrüger

Unterföhring - Die Allianz sagt den schwarzen Schafen unter ihren Kunden den Kampf an. Speziell geschulte Mitarbeiter fahnden mit Hilfe neuer Technik nach Betrügern – zunehmend erfolgreich.

Über drei Jahre hinweg trieb die britische Autobumserbande ihr Unwesen. Ein scheinbar unglücklicher Verkehrsunfall folgte auf den nächsten. Quer durch Hessen. Es krachte um die 50 Mal. In 20 Fällen war es die Allianz, die den Schaden bezahlte. Doch dann machten eine Software und Mitarbeiter des Branchenführers den Betrügern einen Strich durch die Rechnung.

Seit zwei Jahren geht die Allianz verstärkt gegen schwarze Schafe vor. Das Unternehmen hat ein Referat Betrugsabwehr mit 80 speziell geschulten Mitarbeitern gegründet. 20 von ihnen wurden gar eigenes dafür eingestellt. Ein Betrugskoordinator sorgt dafür, dass ein Kunde, der in einer Sparte zu unrecht absahnte, nicht auch noch in einer anderen Erfolg hat. Neue Technik unterstützt die Angestellten bei der Jagd auf Betrüger. Wie im Fall der Briten. Aus all den Daten – Fahrzeugtyp, Kennzeichen, Halter, deren Adressen – strickte das Programm ein Beziehungsgeflecht, das bei einem Mann zusammenlief. Über 300 000 Euro hatte er durch die absichtlichen Unfälle eingestrichen. Ein Gericht hat ihn inzwischen zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Die Null-Toleranz-Strategie zeigt Wirkung. Die Allianz verhindere jährlich unrechtmäßige Auszahlungen „im unteren dreistelligen Millionenbereich“, sagt Alexander Vollert, Vorstandsvorsitzender der Allianz Versicherungs-AG. „Tendenz steigend.“ Denn die Aufdeckungsquote werde immer höher.

Am meisten betrogen wird mit Schadenspolicen, etwa bei der Kfz-Versicherung. Zwischen zwei und zweieinhalb Prozent der Auszahlungen in dieser Sparte seien nicht gerechtfertigt. Bei der Personenversicherung rund ein Prozent. Doch auch in diesem Bereich sind die Abzocker zuweilen kreativ. Da werden Blinddärme gleich mehrfach entfernt oder massenhaft gefälschte Rezepte eingereicht. Ein Reitlehrer forderte Geld aus seiner Berufsunfähigkeitsversicherung. Vermeintlicher Grund: Ein Bandscheibenvorfall. Doch ein Allianz-Mitarbeiter stieß im Internet auf aktuelle Fotos, die den Kunden bei einem Reitturnier zeigten – hoch zu Ross. Den Bandscheibenvorfall hatte ihm ein befreundeter Arzt attestiert.

Versicherungsbetrug scheint eine Art Volkssport. „Das geht quer durch alle Gesellschaftsschichten“, sagt Vollert. Lediglich rund 15 Prozent aller Fälle gehen auf das Konto von Banden. Egal ob organisierte Kriminalität oder Einzeltäter: „Wenn wir vorsätzlich betrogen werden, kündigen wir dem Kunden“, sagt Vollert. Die Höhe des Schadens sei dabei nicht ausschlaggebend. Eine Bagatellgrenze gibt es nicht. Schwerwiegende Fälle meldet das Unternehmen der Polizei. Auf Gnade darf lediglich hoffen, wer bei Vertragsabschluss falsche Angaben macht, etwa die Jahresleistung seines Autos zu gering ansetzt. In solchen Fällen kommt der Kunde laut Vollert meist mit einer Nachzahlung davon.

Marie-Christine Fischer

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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