Überschussbeteiligung weiter gekürzt

Allianz senkt laufende Verzinsung bei Lebensversicherungen

Stuttgart - Die niedrigen Zinsen lasten weiter auf dem Versicherungsgeschäft. Große deutsche Lebensversicherer reagieren wenig überraschend.

Die großen Versicherer streichen ihre Überschussbeteiligung weiter zusammen. Bei der Allianz Deutschland sinkt die laufende Verzinsung aus Garantiezins und Überschüssen für die klassischen Verträgen im Jahr 2017 auf 2,8 Prozent, wie Deutschlands größter Lebensversicherer am Dienstag in Stuttgart mitteilte. Für 2016 bekommen die Kunden bei den klassischen Verträgen auf den Sparanteil ihrer Beiträge noch 3,1 Prozent gutgeschrieben. Auch andere große Versicherer folgen dem Beispiel.

Die Axa drückt die laufende Verzinsung auf 2,9 Prozent, die Ergo Lebensversicherung senkte auf 2,25 Prozent - von 2,7 Prozent. Ergo hatte im Vorjahr noch auf eine Absenkung verzichtet. „Das aktuelle Kapitalmarktumfeld und Prognosen über die weitere Entwicklung machen eine Anpassung der Überschussbeteiligung 2017 erforderlich“, sagte Ergo-Chef Michael Fauser.

„Ich würde mich wundern, wenn der Garantiezins 2018 angefasst würde“

Die laufende Verzinsung bei den klassischen Lebensversicherungen setzt sich aus Garantiezins und Überschussbeteiligung der Versicherer zusammen. Der vom Bundesfinanzministerium festgesetzte Garantiezins soll im kommenden Jahr weiter abgesenkt werden. Zum 1. Januar 2017 sinkt er von aktuell 1,25 Prozent auf 0,9 Prozent. Wer einen alten Vertrag mit einem noch höheren Garantiezins hat, dem ist die dort genannte Verzinsung aber nach wie vor sicher. Üblicherweise wird der Garantiezins nur alle zwei Jahre verändert.

„Ich würde mich wundern, wenn der Garantiezins 2018 angefasst würde“, sagte der Privatkundenvorstand der Allianz Leben, Alf Neumann, der Deutschen Presse-Agentur. Dabei geht er nicht von einer Änderung im Zinsumfeld an den Kapitalmärkten aus.

Hohe Zinsen galten lange als Argument für den Altersvorsorge-Klassiker Lebensversicherung

Das wird mehr und mehr zum Problem für die Branche. Hohe Zinsen galten jahrelang als Argument für den Altersvorsorge-Klassiker Lebensversicherung. Allerdings sind für die Lebensversicherer die hohen Zinsversprechen in Altverträgen von bis zu vier Prozent angesichts der andauernden Niedrigzinsen ein Problem. Sie können die Zinsen an den Kapitalmärkten kaum erwirtschaften. „Der Garantiezins spielt inzwischen für die klassischen Tarife eine untergeordnete Rolle“, sagte Neumann. Ihr Stellhebel ist die Überschussbeteiligung.

Doch die Absenkungen bleiben nicht ohne Folgen für die klassische Lebensversicherung: Im privaten Neugeschäft machen solche Verträge laut Allianz inzwischen weniger als zehn Prozent der Abschlüsse aus. In der betrieblichen Altersversorgung liege der Anteil noch bei etwa einem Drittel der Neuverträge. Dabei wachse das Neugeschäft alles in allem. 2016 sei ein sehr gutes Jahr, sagte Allianz-Vorstand Neumann.

Wie andere Versicherer ist die Allianz inzwischen dazu übergegangen, Verträge ohne garantierten Zins anzubieten. Diese werfen eine etwas höhere Rendite ab. Allerdings sinkt die laufende Verzinsung bei dem „Perspektive“ genannten Vertrag der Allianz ebenfalls um 0,3 Prozentpunkte auf 2,9 Prozent. Mehr als 300 000 Kunden haben sich den Angaben zufolge seit der Einführung 2013 für einen solchen Vertrag entschieden, über 100 000 Abschlüsse gab es allein in den ersten drei Quartalen 2016. Genaue Zahlen über die Neuabschlüsse lege die Allianz erst mit ihrer Jahresbilanz vor, so ein Sprecher.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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