Allianz sieht kein Ende der Finanzkrise - Gewinnerwartungen kassiert

München - Der Versicherungskonzern Allianz sieht nach seiner Gewinnwarnung kein Ende der Finanzkrise und stellt sich auf mögliche weitere Abschreibungen ein. In dem einen Jahr seit Beginn der Krise habe der Konzern Belastungen von insgesamt rund drei Milliarden Euro verkraften müssen, sagte Allianz-Vorstand Helmut Perlet am Donnerstag in München.

Bei einem weiteren Kursverfall könnten neue Wertkorrekturen in dreistelliger Millionenhöhe fällig werden.

Zur Zukunft des Sorgenkindes Dresdner Bank hielt sich Allianz-Chef Michael Diekmann bedeckt. "Ich kann mich heute nicht zu konkreten Transaktionen äußern." Man suche aber bei der erwarteten Banken-Konsolidierung in Deutschland nach Lösungen, die sowohl für Investoren als auch Mitarbeiter und Kunden akzeptabel seien. Die Bank brauche sich in der Neuordnung der Branche nicht zu verstecken.

Am späten Vorabend hatte der Konzern - ähnlich wie zuvor der weltweit zweitgrößte Rückversicherer Münchener Rück sowie am Donnerstag auch der Versicherungskonzern AMB Generali - seine Gewinnerwartungen kassiert. Diekmann machte dafür das schwierige Marktumfeld verantwortlich, das auch im zweiten Quartal vor allem im Bankgeschäft tiefe Spuren hinterließ. "Wir erwarten auch für 2009 ein Anhalten dieser schwierigen Marktbedingungen, deshalb können wir das 2006 gesetzte Ziel einer durchschnittlichen operativen Ergebnissteigerung von 10 Prozent bis 2009 nicht aufrechterhalten."

Eine neue Gewinnprognose wagte die Allianz wegen der Unsicherheiten bei der Dresdner Bank nicht, und nannte nur ohne die Tochter noch ein Ziel. In diesen Bereichen sei in diesem und im kommenden Jahr mit einem laufenden operativen Ergebnis von mindestens 9 Milliarden Euro zu rechnen, sagte Diekmann. Er gehe davon aus, dass das Versicherungs- und Vermögensverwaltungsgeschäft stabil genug sei, um dieses Ziel zu erreichen. "Die Finanzkrise hinterlässt ihre Spuren auch bei der Allianz", erklärte der Konzernchef. Trotz der schwierigen Gesamtlage gebe es aber keinen Grund, schwarz zu sehen. Zwar erlebe man derzeit eine Konjunktureintrübung, eine Rezession werde aber nicht erwartet. Auch angesichts der bisherigen Performance des Konzerns und einer "sehr guten Kapitalausstattung" gebe es auch keinen Anlass, neue Spar- Programme aufzulegen.

Im zweiten Quartal drückten die Folgen der Finanzkrise das Handelsergebnis der Dresdner Bank tief ins Minus. Auch die Umsätze im Lebensversicherungsgeschäft wurden kräftig geschmälert. Insgesamt brach der Allianz-Konzernüberschuss um 28 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro ein. Noch deutlicher verringerte sich das operative Ergebnis um 36 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Auch die Gesamtumsätze der Gruppe gingen deutlich zurück von 24,3 auf 22 Milliarden Euro.

Weitere Bewertungskorrekturen auf forderungsbesicherte Wertpapiere in Höhe von 286 Millionen Euro drückten die Bank-Tochter zwischen April und Juni tief in die roten Zahlen. Sie musste einen Verlust verbuchen von 545 Millionen Euro, nach einem Gewinn von 395 Millionen Euro vor Jahresfrist und schnitt damit noch schlechter ab, als von vielen Analysten erwartet. Auch die Schaden- und Unfallversicherung als traditionell wichtigster Ertragsbringer der Allianz blieb mit einem operativen Ergebnis von 1,7 Milliarden Euro hinter dem Rekordniveau des Vorjahres von 1,9 Milliarden Euro zurück.

Bei einem Anhalten der Finanzkrise rechnet der Konzern mit weiteren Abschreibungen. Sollte das Kursniveau um zehn Prozent nachgeben, könnten weitere Wertberichtigungen von 800 Millionen Euro fällig werden, sagte Perlet. Aber auch bei einem stabilen Niveau der Aktienkurse - gemessen am Stand zum 30. Juni - dürfte es im laufenden Jahr zu Abschreibungen in dreistelliger Millionenhöhe kommen. Blieben die Kurse weiterhin auf dem jüngsten Niveau, fielen im dritten Quartal Wertberichtigungen von etwa 100 Millionen Euro und im vierten Quartal von 200 Millionen Euro an, sagte Perlet.

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