Allianz streicht rund 7500 Jobs

- München/Berlin - Deutschlands größter Versicherer Allianz treibt seine radikale Neuordnung mit dem Abbau von rund 7500 Arbeitsplätzen voran. Bis 2008 sollten 5000 Stellen im deutschen Versicherungsgeschäft wegfallen und damit etwa jede sechste Vollzeitstelle, teilte die Allianz AG mit.

Mit den Vertretern der Beschäftigten sei bereits ein Sozialplan vereinbart worden sowie ein Programm zur freiwilligen Umsetzung der Neuordnung. Die Gewerkschaft ver.di kündigte heftigen Widerstand gegen die Pläne an. Kurzfristig würden Aktionen und Warnstreiks vorbereitet, sagte ver.di- Bundesvorstandsmitglied Uwe Foullong in Berlin. Die Allianz- Betriebsräte zeigten sich erschüttert über den drastischen Stellenabbau.

Der Chef der Allianz Deutschland AG, Gerhard Rupprecht, sprach von "schmerzlichen Schritten", die aber notwendig seien, um die Wettbewerbsfähigkeit der Allianz zu erhalten. "Wir haben uns die Entscheidungen alles andere als leicht gemacht, gerade weil wir wissen, dass davon persönliche Schicksale betroffen sind." Die Börse reagierte positiv auf die Pläne. Bis zum Nachmittag gewannen die Allianz-Aktien zeitweise knapp 1,8 Prozent auf fast 122 Euro.

Die Zahl der Allianz-Standorte soll im Zuge der Pläne von bisher 21 auf 10 reduziert werden. Am härtesten trifft es dabei den Standort Köln mit derzeit 1297 Beschäftigten, der voraussichtlich frühestens ab Anfang 2008 komplett geschlossen werden soll. Nordrhein-Westfalen verschwinde mit der Entscheidung von der "Allianz-Karte", sagte die Kölner Betriebsratsvorsitzende Gabriele Burkhardt-Berg. Die Mitarbeiter sollten aber Chancen bekommen, sich auf andere Arbeitsplätze im Konzern zu bewerben, "die wir in großem Umfang ausschreiben werden", sagte Rupprecht.

Geschlossen wird auch die Niederlassung der Lebensversicherung in Frankfurt, wo künftig lediglich ein auf die Automobilwirtschaft spezialisierter Standort verbleiben soll. Wie viele der derzeit 1643 Beschäftigten in Frankfurt damit ihren Job behalten, könne noch nicht beziffert werden, sagte Rupprecht. Dichtmachen will die Allianz zudem Nebenstandorte der Sachversicherung in Mainz, Aachen, Hannover, Augsburg, Freiburg, Mannheim, Nürnberg, Magdeburg und Ulm sowie die Niederlassung der Krankenversicherung in Dortmund. Auch hier ließen sich die Auswirkungen jeweils im einzelnen noch nicht beziffern, mit Beschäftigtenvertretern solle über einen Interessenausgleich verhandelt werden.

An den verbleibenden Standorten sollten im Zuge der Neuordnung im Innen- und Außendienst gut 25 000 Vollzeitarbeitsplätze erhalten werden, sagte Rupprecht. Der Konzern hatte bereits zugesagt, bis mindestens Ende 2007 auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten zu wollen. Die Fortschreibung dieser Zusage machte die Allianz vom Erreichen bestimmter Wachstums- und Kostenziele abhängig.

Die Allianz verspricht sich durch das neue Betriebsmodell, das bis 2008 umgesetzt werden soll, mittelfristig Kosteneinsparungen von insgesamt 500 bis 600 Millionen Euro allein im Versicherungsgeschäft. Einschließlich der Maßnahmen bei der Dresdner wurden die Einsparungen auf fast eine Milliarde Euro beziffert. Davon sollten sowohl Kunden als auch Aktionäre profitieren. Die Kosten für den Umbau in Höhe von rund einer halben Milliarde Euro würden zum größten Teil im laufenden Geschäftsjahr verbucht, sagte Rupprecht.

Die Allianz habe in den vergangenen Jahren in Deutschland vor allem im Versicherungsgeschäft kontinuierlich Kunden und Marktanteile verloren. "Es wäre verantwortungslos, dieser Entwicklung untätig zuzusehen", sagte Rupprecht. Allein in den vergangenen drei Jahren sei die Zahl der Kunden um eine Million auf rund 19 Millionen zurückgegangen. Mit dem neuen Betriebsmodell würden die Sparten Sach- , Lebens- und Krankenversicherung, die bisher teils ein "Eigenleben" geführt hätten, integriert. Neben der Standardisierung von Prozessen und Kostensenkungen solle eine bessere Kundenbetreuung erreicht werden.

Allianz-Konzernbetriebsratschef Norbert Blix erklärte, man habe die geplanten Einschnitte "mit Entsetzen" zur Kenntnis nehmen müssen. "Wir bedauern es, dass sich die Allianz in die Konzerne einreiht, die trotz Milliardengewinnen Standorte schließen und Tausende von Arbeitsplätzen vernichten."

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